Kanaleinsturz Renkerstraße: Sanierung bis Ende 2019

Kanaleinsturz in Niederau : Anwohner müssen noch länger mit der Großbaustelle leben

Seit der marode Abwasserkanal in der Renkerstraße am 4. Mai eingebrochen ist, ist für die Anwohner auch in den angrenzenden Straßen nichts mehr, wie es war.

„Zum Glück ist die Geruchsbelästigung mittlerweile behoben“, betonte Anwohner Rolf Ruhwiedel am Dienstagabend am Rande einer Bürgerinformation, bei der die Stadt Düren und der zuständige Wasserverband Eifel-Rur (WVER) über die nun folgenden Schritte informierten.

Aber auch wenn sich die Situation nach Wochen mit Gestank und Lärm notwendiger Pumpen entspannt hat, werden die Anwohner noch bis Ende 2019 mit der Großbaustelle vor der Haustür leben müssen. Auch die Frage der Entschädigung ist längst noch nicht in allen Fällen geklärt und beschäftigt mittlerweile zahlreiche Anwälte.

Bevor der marode Kanal zwischen der Gerhard-Fuß-Straße und der Rur auf einer Länge von rund 400 Metern erneuert werden kann, wird der WVER mehrere sogenannte Hausanschlusssammler errichten, die dann gemeinsam an den Hauptabwasserkanal angeschlossen werden, kündigte der zuständige Abwasserdezernent Thomas Rolfs an. Diese sollen die Entwässerung der Häuser nicht nur während der Sanierung des Hauptabwasserkanals sichern. Sie liegen auch näher an den Häusern und haben damit den Vorteil, dass die Kosten für die Errichtung neuer Hausanschlüsse deutlich geringer ausfallen. Diese sind in den allermeisten Fällen so brüchig, dass sie nicht weitergenutzt werden können, erklärte Dominika Wirtz, stellvertretende Leiterin der Stadtentwässerung, nach einer ersten Auswertung der Kanalvideos. Zur Höhe der Kosten, die jeder Eigentümer gemäß der Entwässerungssatzung der Stadt für den Hausanschluss zahlen muss, machte sie keine Angaben, weil diese von Fall zu Fall aufgrund der örtlichen Gegebenheiten variieren könnten. Mit mehreren Tausend Euro aber dürfte jeder Anwohner rechnen müssen.

Wenn die Hausanschlusssammler von Januar bis April/Mai gebaut werden, wird der Verkehr voraussichtlich ohne weitere Einschränkungen die Renkerstraße passieren können. Dass könnte sich bei der anschließenden Erneuerung des Hauptkanals ändern. „Wir werden aber darauf drängen, den Verkehr am Laufen zu halten“, versprach Heiner Wingels, Leiter des städtischen Tiefbauamtes, mit Blick auf die wichtige Ost-West-Tangente.

Der neue Kanal soll größtenteils mit einer Tunnelbohrmaschine errichtet werden, kündigte Rolfs an. Das heißt: Nur am Anfang- und Endpunkt der Bohrmaßnahne und beim Anschluss an den bestehenden Kanal müssen offene Bauschächte errichtet werden. Das Bohrverfahren sei nicht nur sehr umweltschonend, sondern auch leise, versprach der WVER-Dezernent den geplagten Anwohnern. Ob der Verkehr dann weiter zweispurig, nur noch einspurig oder mit einer Behelfsampel fließen kann, hänge auch vom Flächenbedarf der Baufirma ab, betonte Wingels. Daher seien derzeit noch keine Aussagen möglich.

Bis zum Abschluss des Kanalneubau wird die vier Meter hohe Heberleitung unrühmliches Wahrzeichen der Renkerstraße bleiben. Ob sie danach in die Gerhard-Fuß-Straße wandert, ist derzeit noch offen. Denn die Frage, ob auch dort der Kanal erneuert werden muss, will der WVER erst untersuchen, wenn dort alle Hausanschlüsse technisch einwandfrei sind, das heißt auch die erforderlichen Rückstauklappen aufweisen. Der WVER werde alle Anschlüsse untersuchen, die Anwohner dann auffordern, notwendige Maßnahmen zu ergreifen und dann erst den Abwasserkanal mithilfe von Pumpen trockenlegen, um ihn zu inspizieren, kündigt WVER-Ingenieur Thomas Meurer. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass wie in der Renkerstraße plötzlich Abwässer in den Häusern steht.

In diesem Zusammenhang machte Dominika Wirtz deutlich, dass sich alle Hausbesitzer selbst gegen den Rückstau sichern müssen, im Zweifelsfall dann auch selbst die Kosten tragen müssen. Im Fall Renkerstraße machte WVER-Vorstand Dr. Joachim Reichert deutlich, dass sich der Verband in den vergangenen Wochen in Härtefällen kulant gezeigt und unbürokratisch geholfen habe, der WVER aber generell nicht alle Kosten tragen werde und könne. „Bei hohen privaten Schäden haben wir versucht, unbürokratisch zu helfen.“

Den Vorwurf von Anwohner Alfred Jannes, der WVER hätte den Einsturz in der Renkerstraße verhindern können, weil doch seit Jahren ein Parallelkanal zur Entlastung des sanierungsbedürftigen Hauptkanals geplant sei, wiesen Reichert und Bürgermeister Paul Larue (CDU) zurück. Nach Aktenlage habe man davon ausgehen müssen, dass der Kanal in der Renkerstraße aus Steinzeug gefertigt wurde. Tatsächlich aber sei Beton verbaut worden, der von Schwefelsäure zersetzt worden sei. Und Reichert betonte, dass diese nicht von Papierfabriken stamme, sondern immer bei der Zersetzung organischer Stoffe entstehe.

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