Kreis Düren: Kanal-Tüv: Kaum Handlungsbedarf

Kreis Düren: Kanal-Tüv: Kaum Handlungsbedarf

Nachdem sich die rot-grüne Landesregierung auf eine Regelung zur Dichtheitsprüfung geeinigt hat, wird das Thema für die Bürger aktuell. Denn: Ob sie ihre Kanäle untersuchen lassen müssen, hängt auch von der Kommune ab, in der sie leben.

Das ist geplant: In Wasserschutzgebieten müssen private Abwasserrohre von Häusern, die vor 1965 gebaut wurden, bis 2015 geprüft werden (neuere Häuser bis 2020). Außerhalb von Wasserschutzgebieten legen Kommunen per Satzung fest, ob und wann eine Prüfung notwendig ist. Die „DN“ haben in den Kommunen nachgefragt.

Die Stadt Düren hat keine ausgewiesenen Wasserschutzzonen. Daher greift die neue Gesetzesregelung nicht. Düren hat aber eine Satzung, die Kanalprüfungen bisher geregelt hat. Die werde entweder überarbeitet oder neu gefasst, sagte ein Sprecher der Stadt. „Wir hätten beinahe eine Satzung beschlossen, sie wegen der Unsicherheiten aber wieder verworfen“, berichtet Hürtgenwalds Bürgermeister Axel Buch. Für die Teile von Hürtgen, Vossenack und Großhau, die in einem Wasserschutzgebiet liegen, werde eine Regelung gefunden werden müssen, für den Rest des Gemeindegebiets sieht Buch keinen Handlungsbedarf. In Vettweiß gibt es keine Wasserschutzgebiete. Von daher sind Rat und Verwaltung nicht gezwungen, von Hausbesitzern die Überprüfung der Kanalanschlüsse zu verlangen. Peter Hüvelmann, Fachbereichsleiter Bauwesen: „Es ist jetzt Sache der politischen Gremien, über das weitere Vorgehen zu beraten.“

In der Stadt Nideggen gibt es Wasserschutzgebiete — jeweils um die Quellen, aus denen Trinkwasser gewonnen wird. Hausbesitzer in diesen Zonen werden also eine Überprüfung vornehmen lassen müssen. Peter Esser, zuständig für Liegenschaften und das Bauwesen: „Wir warten jetzt die Rechtsverordnung ab. Die seinerzeit von uns erlassene Satzung ist überholt. Rat und Verwaltung müssen jetzt überlegen, wie es in dieser Frage weiter gehen soll.“ In Heimbach hat man sich bisher noch gar nicht mit dem „Kanal-TÜV“ befasst. Schließlich ist — bis auf ein winziges Stück in Nähe der K48 — die Stadt Heimbach kein Wasserschutzgebiet. Über die Frage, ob man den Hauseigentümern in den anderen Bereichen der Stadt per Satzung vorschreiben wird, die Dichtheitsprüfung vorzunehmen, sei noch nie gesprochen worden.

In Langerwehe befinden sich Teile der Ortschaft Heistern sowie im Schönthal eine Kirche mit umliegenden Gebäuden im Schutzgebiet. Dort muss geprüft werden. Was die Gebiete betrifft, die nicht im Schutzgebiet liegen, wird mit Entscheidungen gewartet, bis die Verordnungen vorliegen. Langerwehe hat die gemeindlichen Kanäle, die im Wasserschutzgebiet liegen, in den letzten zwei Jahren komplett geprüft. Es wurden nur wenige undichte Stellen gefunden.

In Kreuzau, Merzenich, Nörvenich und Niederzier gibt es keine Wohnhäuser in Wasserschutzgebieten und somit keinen unmittelbaren Handlungsbedarf. Auch in Kreuzau, Niederzier und Nörvenich ist ein Satzungsentwurf zwar bereits diskutiert worden, jedoch haben die Politiker eine Entscheidung vertagt. Kreuzaus Baudezernent Siegfried Schmühl wird das Thema mit dem Rat diskutieren, sieht aber keine Mehrheit für einen flächendeckenden Kanal-TÜV.

„Das Land hat die Verantwortung an die Kommunen herunterdelegiert“, sagt Merzenichs Bauamtsleiter Thomas Lüssem. Vorbehaltlich der Zustimmung der Politik sieht er für die Gemeinde keinen Handlungsbedarf. Man wolle die Bürger nicht zusätzlich belasten. Genauso sehen es Nörvenichs Bürgermeister Hans Jürgen Schüller und sein Niederzierer Kollege Hermann Heuser. „Ich sehe bei privat genutzten Häusern nicht die Notwendigkeit einer Prüfung“, betont Heuser.

(red)
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