Kammermusikfestival "Spannungen": Veranstalter ziehen ein erfolgreiches Resümee

Kammermusikfestival „Spannungen“ : „Musikalisch, aufgeschlossen und normal“

Lars Vogt, künstlerischer Leiter. und Dr. Hans-Joachim Güttler vom Arbeitskreis „Spannungen“ des Kunstfördervereins blicken auf eine erfolgreiche Festivalwoche in Heimbach. Der Termin für 2020 steht bereits fest.

Einen Wermutstropfen gibt es dann doch: Dass ausgerechnet am letzten Wochenende des Kammermusikfestivals „Spannungen“ im Heimbacher Jugendstilkraftwerk die Innenstadt der Eifelkommune wegen des Stadtfestes gesperrt war, hat Lars Vogt, künstlerischer Leiter, und Dr. Hans-Joachim Güttler, Vorsitzender des Arbeitskreises „Spannungen“ im Kunstförderverein des Kreises Düren, ziemlich gestört. Güttler: „Wir haben mit den Eintritskarten extra Wegbeschreibungen verschickt, damit die Besucher die Sperrung umfahren können. Das ist einfach ein großer organisatorischer Aufwand.“ Für die Künstler, ergänzt Vogt, habe die Sperrung bedeutet, dass der Weg vom Hotel zum Kraftwerk plötzlich dreimal so lange gedauert hat. „Ich denke, dass ‚Spannungen’ für Heimbach viel Positives bedeutet, Imagegewinn, viele Besucher. Da muss so eine Dopplung der Termine doch nicht sein“, sagt der Pianist aus Düren.

Trotzdem blicken Vogt und Güttler auf eine mehr als erfolgreiche Festivalwoche mit 14 Konzerten, 35 Künstlern aus 15 Nationen und 38 Musikstücke von Komponisten aus 13 Ländern. „Irgendwie habe ich jedes Jahr das Gefühl, dass wir gerade künstlerisch eines der besten Festivals überhaupt erlebt haben“, sagt Lars Vogt. „Aber in diesem Jahr war es auch für mich persönlich eine unglaublich schöne, sehr harmonische Kammermusikwoche in Heimbach. Die Künstler waren alle sehr kreativ – und nett. Es hat auch menschlich hervorragend gepasst. Ich kann mich an keinen Konfliktmoment erinnern.“ „Spannungen“-Künstler, erklärt Vogt, müssten musikalisch, offen, kenntnisreich und normal sein. Vogt: „Natürlich brauchen sie eine große Persönlichkeit, aber sie müssen eben auch uneitel sein. Und das war dieses Jahr genau so.“ Seien es die Geschwister Tanja und Christian Tetzlaff, Antje Weithaas und Isabelle Faust, die zur festen „Spannungen“-Familie gehören oder die „Neuen“ wie Tenor Julien Prégardien und die beiden Stipendiaten Sindy Mohamed und Young Hwan Jung – für alle ist Heimbach eine Woche ein Stück Heimat geworden. Lars Vogt: „Unsere Familien sind dabei.

Wir spielen zusammen Tischtennis, machen unglaublich viel Blödsinn, aber wir sind eben auch unglaublich kreativ.“ So kreativ, dass der „Composer in Residance“ ,Eric Montalbetti, der für „Spannungen“ die Auftragskomposition „Duo pour violin et piano“ geschrieben hat, während des Festivals noch ein zweites Stück für Marimbaphon komponiert hat. Keine Frage, dass Percussionist Hans-Kristian Sörensen das Werk kurzerhand beim Nachtkonzert „Encore“ gespielt hat und die Festivalwoche 2019 somit auf zwei Welturaufführungen blicken kann.

Auch mit dem Motto „Von fremden Ländern und Menschen“ sind Vogt und Güttler rückblickend zufrieden. „Wir sind bei weitem kein politisches Festival“, erklärt Vogt. „Aber wir wollten mit unserem Thema auf eine freundliche und entgegenkommende Art ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit setzen.“

Beim Publikum ist „Spannungen“ nach wie vor sehr beliebt. „Aber es ist längst nicht mehr so, dass alle Konzerte innerhalb kürzester Zeit ausverkauf sind“, betont Güttler. „Die Nachfrage nach Abonnements für alle Konzerte hat deutlich abgenommen. Wir beobachten, dass die Leute sich sehr gezielt aussuchen, welche Konzerte sie hören möchten. Es lohnt sich immer, sich um Karten zu bemühen.“ Das gilt – natürlich – auch für das Festival 2020, das vom 20. bis zum 28. Juni stattfinden wird.

Mehr von Aachener Nachrichten