„Känguru-Chroniken“: Marc-Uwe Kling und das Känguru im Haus der Stadt

Liebevoll ironisch und völlig absurd : Die „Känguru-Chroniken“ begeistern im Haus der Stadt

Ein ungewöhnliches Duo hat die Zuschauer im Haus der Stadt mit in seinen Alltag genommen – Marc-Uwe Kling und sein Mitbewohner, ein Känguru. Dabei ging es mal bissig, mal verschroben, dann wieder liebevoll ironisch und stets völlig absurd zu.

Marc-Uwe Kling und das Känguru gründen eine Wohngemeinschaft. Eigentlich nistet sich das „Nirvana“-hörende Känguru einfach bei Kling ein und mampft alle Schnapspralinen, die es findet. Es ist überzeugter Kommunist und deswegen durch die Fahrprüfung gefallen: „Weil ich rechts vor links nicht akzeptieren wollte.“ Den Kleinkünstler Kling, der nicht als solcher bezeichnet werden möchte, und eine Schreibblockade als Schriftsteller hat, holt das Känguru so aus seiner Lethargie.

Denn eigentlich kommt Kling mit seinem Buch nicht weiter. Ihm fehlt der Antagonist, wie sowohl Känguru als auch Verlegerin feststellen. Da biete sich der Pinguin als „global agierender Kapitalist an“, vermutet das Känguru. An anderer Stelle befürchtet es Tinnitus im Auge: „Wo ich hinsehe, nur Pfeifen.“ Mit frechen Sprüchen hoppelt es sich ganz schnell in die Herzen des Publikums. Zwei Stunden agieren Kling, das Känguru und ihre Freunde auf der Bühne im Haus der Stadt, und keine Minute davon ist langweilig.

16 Charaktere sind zu sehen, die von fünf Schauspielern dargestellt werden. Für die Dürener Aufführung hat Jannik Nowak den Part des Kängurus übernommen. Marc-Uwe Kling, der die „Känguru-Chroniken“ geschrieben hat, wird von Stephan Möller-Titel gespielt. Für Kathrin Gerken bedeutet das einen ständigen Kostümwechsel.

Sie mimt die ausländerfeindliche Nachbarin, die Wirtin Herta, das Reichstagsgebäude, die sportliche Sandra, die akurate Verlegerin, die frustrierte Job-Vermittlerin und die strenge Polizistin. Auch Kollege Johannes Merz hat als Polizist, Pinguin, Neonazi, Psychiater mit österreichischem Akzent, Holger und Bankberater eine Menge zu tun. Und Florian Miro spielt den Musiker Uwe-Marc.

Die Radio-Kolumne „Neues vom Känguru“ von Marc-Uwe Kling ist 2010 in der Kategorie „Beste Comedy“ mit dem Deutschen Radiopreis ausgezeichnet worden. Aber auch auf der Bühne begeistert das Duo jetzt in der Rurstadt.

(wey)
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