Kabarettistin Barbara Ruscher zeigt neues Programm

Kabarettistin Barbara Ruscher : Nichts übrig für Grünkohlsmoothies

Was ist die schlimmste Sache auf der Welt? Glaubt man Barbara Ruscher, sind es mit Abstand die Kindergeburtstage von heute.

„Es geht ja nur noch darum, wer die beste Idee hat und vor allem wer am meisten Geld ausgibt“, erklärt die Kabarettistin aus Köln. „Wir laden zwölf Kinder ein und fahren in die Skihalle in Neuss — die haben wir für drei Tage gemietet mit Skilehrer, Hüttenübernachtung und Après-Ski natürlich.“

Ruscher präsentierte ihr neues Programm „Ruscher hat Vorfahrt“ im „Komm“-Zentrum. Ihr Auftritt war die nun sechste Vorpremiere, hier und da spickte die Kabarettistin also noch in ihren Text. „Es wäre gut, wenn sie reagieren würden“, erklärte sie vor dem Auftritt ihrem Publikum. „Also lachen, klatschen oder beschweren, aber es wäre schon gut, wenn sie nicht den ganzen Abend schweigen würden.“

Darüber hätte sich die 49-Jährige — unter anderem bekannt durch ihre Radiokolumne „Ruscher hat Vorfahrt“ beim HR1 — definitiv keine Sorgen machen müssen, denn gelacht wurde fleißig.

Um das Drama des Kindergeburtstages zu umgehen, habe sie einfach einen Retro-Geburtstag veranstaltet. Wenn das nur nicht so schwierig wäre, brauche man heute ja schließlich vegane Fair-Trade-Schokolade mit 70 Prozent Kakao zum Schokoladenwettessen und von Montessori-Kindergärtnerinnen persönlich gehäkelte Bio-Jutesäcke zum Sackhüpfen.

Im Allgemeinen mussten die Fitnessuhr-Träger, Entschlacker und Grünkohlsmoothie-Trinker einiges einstecken, machte sich Ruscher doch ganz besonders über den Optimierungswahl lustig. Zu diesem Thema gab es dann auch musikalische Erheiterung mit Klavierbegleitung über Dorle, die nur noch Fitness-Schorle trinkt und ihren Mann, dem das mit dem Verzichten so gar nicht gefallen will.

Die Kölnerin ist neben dem Kabarett auch Autorin und veröffentlichte 2013 ihren ersten Roman „Fuck the Möhrchen — Ein Baby packt aus“, in dem aus der Sicht eines Babys in der Frühförderung über die seltsamen Verhaltensweisen seiner Eltern berichtet wird.

Aus dem Nachfolger „Fuck the Reiswaffel — ein Kleinkind packt aus“ las Ruscher ein Kapitel vor. Herrlich sarkastisch und herablassend mimte sie das Kind, das zum ersten Mal einen Adventskalender sieht und diesen schließlich als „tägliche Portion Religionsschokolade“ abspeichert.

Dem Publikum versicherte Ruscher, dass sie noch bis zu „Fuck the Rollator“ weiter schreiben würde. Für die Premiere des Programms in Köln im November sollte die Kabarettistin jedenfalls mit viel Applaus und Gelächter aus dem Dürener „Komm“-Zentrum gut vorbereitet sein.

(km)