Düren: Kabarettist Wilfried Schmickler begeistert im Haus der Stadt Düren

Düren: Kabarettist Wilfried Schmickler begeistert im Haus der Stadt Düren

Wilfried Schmickler im Haus der Stadt — da geht man hin! Viele kennen ihn aus den „Mitternachtsspitzen“ im WDR, aber echte Fans wollen ihn live erleben. Kein Wunder, dass es am Donnerstagabend keine freien Plätze mehr gab im Stadttheater.

Er legte gleich volle Pulle los; Requisiten sind überflüssig, ein Tisch, ein Stuhl, Mikrofone, sonst braucht der dunkel gekleidete Herr nichts.

Das mit der Stimme und der Lautstärke muss fein abgestimmt werden. Aus der letzten Reihe kommt gleich Applaus, weil sie ihn alle gut verstehen. Dann fängt er mit dem Papst im Ruhestand an, imitiert herrlich eine zittrige Greisenstimme, zieht anschließend über die deutsche Popmusik her — „entsetzliche Plärre“ — und beschreibt schließlich „die hohe Kunst des parlamentarischen Wachkomas“! Und das alles in rasantem Tempo, man muss dem Schnellsprecher gut zuhören, um keinen der subtilen Seitenhiebe zu verpassen.

Nett ist er nicht...

Nein, nett ist er nicht, wenn er sich einzelne Persönlichkeiten vorknöpft: Der Niebel tritt in Entwicklungsländern auf wie ein drittklassiger Rambo, Hans Olaf Henkel ist der Neunmalkluge unter lauter Dilettanten bei Talkshows und Heiner Geißler der Salomon der runden Tische. Aber nett will Wilfried Schmickler wahrscheinlich gar nicht sein, dafür findet er viel zu viele Schrägheiten, Ungereimtheiten, Heuchelei und Boshaftigkeit, die es mit Schalk und scharfem Verstand zu beschreiben gilt. Dazwischen singt er das Lied „Ich weiß es doch auch nicht“ und das Lied von einem der auszog, das Kentern zu lernen, oder das von einem, der Ruhe sucht und durch grässliche Klingeltöne gestört wird.

Überhaupt geht ihm der moderne mobile Mensch arg auf die Nerven — „als wäre jeder Stillstand der Beginn eines Fäulnisprozesses“. So schimpft er über den Druck der permanenten Erreichbarkeit, die sinnlose Hetze und die Fülle von Nachrichten, bei der man den Überblick verliert. Dann schnattert er eine wahnsinnig rasche Folge von Nachrichtenfetzen, die sich chaotisch anhören; aber immerhin wurde kein Deutscher erstochen, und Angela Merkel wird immer beliebter! „In dem ganzen Chaos sitzt eine Mutti, dieses Gefühl scheinen die Deutschen zu brauchen.“

„Schwachmatenmucke“

Wie er sich aufregt über Dummheit und Sensationssucht, das kann sein Publikum gut nachempfinden. Wie er sich in Rage redet, dass man sich ständig steigern muss — aus einem Kindergeburtstag wird ein Bespaßungsevent — quittieren die Zuhörer mit genüsslichem Lachen. Und Beiträge zum Eurovision Song Contest nennt er „Schwachmatenmucke“!

Man erlebte einen Wilfried Schmickler in Superform: wortgewaltig, scharfzüngig, witzig.