Nörvenich: Jugendzentrum „Chillout“: Wo Kinder sich wohl fühlen

Nörvenich: Jugendzentrum „Chillout“: Wo Kinder sich wohl fühlen

„Für viele Kinder ist das ‚Chillout‘ fast ein zweites Zuhause. Wenn ich komme, um die Tür aufzumachen, sind immer schon ganz viele da.“ Natalia Miete ist 19 Jahre alt, kommt aus Paraguay und absolviert seit Februar ein Freiwilliges Soziales Jahr im Jugendzentrum „Chillout“ in Nörvenich.

Rund 100 Kinder und Jugendliche kommen jede Woche ins „Chillout“, mit Slawa Vorster gibt es hier nur einen hauptamtlichen Pädagogen.

Impressionen aus dem Jugendzentrum „Chillout“ in Nörvenich: Beim Umbau des Hauses in der Hirtstraße packen auch die Jugendlichen fleißig mit an (oben rechts), Pädagoge Slawa Vorster (unten links), versteht es, die Kinder und Jugendlichen zu motivieren. Kreativität spielt auch eine große Rolle bei der täglichen Arbeit, freitags wird lecker für alle gekocht.

Als Paul Panzer am Freitag vor einer Woche in Oberzier sein WM-Versprechen eingelöst und eine Halbzeit Fußball gespielt hat, hat er danach seine nur einmal getragenen Torwarthandschuhe signiert. Mit grünem Filzstift. „Ich möchte, dass diese Handschuhe zu Gunsten von Kindern und Jugendlichen an den Mann oder die Frau gebracht werden,“ hat Paul Panzer uns mit auf den Weg gegeben. Und genau das wollen die „DN“ jetzt tun.

Impressionen aus dem Jugendzentrum „Chillout“ in Nörvenich: Beim Umbau des Hauses in der Hirtstraße packen auch die Jugendlichen fleißig mit an (oben rechts), Pädagoge Slawa Vorster (unten links), versteht es, die Kinder und Jugendlichen zu motivieren. Kreativität spielt auch eine große Rolle bei der täglichen Arbeit, freitags wird lecker für alle gekocht.

Das Geld, das bei unserer Aktion (siehe Kasten) zusammenkommt, soll an das „Chillout“ gehen, weil Paul Panzer in Nörvenich aufgewachsen ist. Und weil hier gute Arbeit geleistet wird, und die Kinder und Jugendlichen eine zusätzliche Finanzspritze gut gebrauchen können. Mit im Boot ist die Hilfsaktion unserer Zeitung „Menschen helfen Menschen“, die dafür sorgen wird, dass jeder Euro, der für das „Chillout“ gespendet wird, auch wirklich bei den Jugendlichen in Nörvenich ankommt.

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Das „Chillout“ ist eins von drei Jugendzentren der Evangelischen Gemeinde zu Düren. Der Kreis Düren zahlt die Personalkosten, die Gemeinde Nörvenich einen Teil der Betriebskosten. Den Rest übernimmt die Evangelische Gemeinde. Pfarrerin Karin Heucher, Vorsitzende des Jugendausschusses der Gemeinde und damit auch zuständig für das „Chillout“: „Natürlich ist der Personalschlüssel mit nur einer hauptamtlichen Kraft denkbar schlecht. Aber wenn wir Honorarkräfte für bestimmte Projekte einstellen möchten, gibt es dafür keine extra Zuschüsse mehr.“

Im vergangenen Jahr hat die Evangelische Gemeinde einen Kleinbus angeschafft. Karin Heucher: „Nörvenich ist eine Flächengemeinde. Da ist es nötig, dass Slawa Vorster die Kinder manchmal auch abholt. Außerdem können mit dem Bus natürlich auch Ausflüge unternommen werden.“ Auch in Nörvenich, so die Pfarrerin weiter, gebe es sehr viele Familien mit sehr wenig Geld. „Das merken wir deutlich.“ In dem Nörvenicher Jugendzentrum gibt es einen Mädchenraum, aber auch die Möglichkeit zum Billardspielen oder Kickern. Natalia Miete: „Außerdem machen wir für die Kinder passend zum Alter besondere Gruppenangebote.“

Kunst und Kreativität

Eine besonders großer Stellenwert wird im „Chillout“ auf künstlerisches Arbeiten und Kreativität gelegt, denn Slawa Vorster ist ausgebildeter Kunstpädagoge. Die Kinder und Jugendlichen fotografieren viel, verschönern ihre Wände mit Graffiti. Karin Heucher: „Im Augenblick arbeiten die Kinder an einem Film über ihre Heimatgemeinde Nörvenich. Das heißt, sie überlegen selbst und fragen andere, was ihnen an ihrem Ort gut gefällt. Und zum Schluss wird der Film auch selbst geschnitten und vertont.“

Gemeinsam mit den Kindern aus Nörvenich hat Slawa Vorster auch das Haus, in dem das „Chillout“ untergebracht ist, renoviert und eine neue Küche eingebaut. Natalia Miete: „Das macht den Kindern und Jugendlichen super viel Spaß und sie identifizieren sich natürlich auch viel mehr mit den Räumen. Und sie gehen anders damit um. Viel kaputt gemacht wird bei uns nicht.“ Freitags wird im „Chillout“ gekocht, die Lebensmittel bekommen die Kinder und Jugendlichen vom Verein „Nörvenicher Tisch“.

„Manchmal gibt es Pizza“, erzählt Natalia. „Oder eben anderen leckere Sachen. Das gemeinsame Kochen macht auf jeden Fall immer jede Menge Spaß.“ Mit dem Geld, das durch die Verlosung der Torwarthandschuhe zusammen kommt, würden Karin Heucher und Slawa Vorster für das „Chillout“ gerne neue Materialien für die nächsten Kunstaktionen anschaffen. Karin Heucher: „Außerdem würden die Jugendlichen sich über zusätzliche Kursangebote freuen.

Und dafür könnten wir dann unter Umständen eine Honorarkraft finanzieren. Die Kinder in Nörvenich können das Geld aber auf jeden Fall gut gebrauchen. Und wir freuen uns sehr über die Hilfe von Paul Panzer.“

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