Jugendsport Wenau: Fußballtraining für Behinderte

Fußball : Bei Jugendsport Wenau trainieren Menschen mit Behinderung

Bei Jugendsport Wenau treffen sich jeden Samstag geistig- und körperbehinderte Menschen zum Kicken. Das Wichtigste ist, sie ganz normal zu behandeln.

„Das Runde muss auch bei uns ins Eckige. So wie bei allen anderen Fußballern auch.“ Was im ersten Moment ein bisschen flapsig klingt, ist im Grunde genau das, wofür Stephan Wenn und Katrin Ruhnau von Jugendsport Wenau sich seit sechseinhalb Jahren einsetzen: Die beiden Fußball-Fans wollen Menschen mit einer Behinderung die Möglichkeit geben, selbst  zu kicken. „Jugendsport Wenau Handicaps“ heißt die Mannschaft, die Wenn und Ruhnau gegründet haben und trainieren. Am Samstag, 27. Oktober, lädt das Team zum ersten Mal zum „Tag der Handicaps“ auf der Sportanlage in Wenau, An der Dostel 2, ein, um sich der Öffentlichkeit vorzustellen.

Katrin Ruhnau (31) und Stephan Wenn (53) sind seit vielen Jahren in Sachen Fußball unterwegs – und das mit großer Begeisterung und durchaus auch einem gewissen Leistungsanspruch. Beide haben gespielt, Wenn hat zudem Herren- und Damenmannschaften trainiert. „Wir sind bei einem Kongress des Deutschen Fußball-Bundes gewesen“, erzählt Wenn. „Und dort hat eine behinderte Frau über Frauenfußball gesprochen.“ Die Begeisterung dieser Kickerin, ergänzt der Trainer, habe ihn nicht mehr losgelassen. „So ein Feuer hätte ich, der ich ja auch fußballbegeistert bin, für meine Sportart nicht abbrennen können. Für mich war diese Begegnung eine Initialzündung.“

Katrin Ruhnau hat es ganz ähnlich erlebt. Und ziemlich schnell war den beiden klar, dass sie behinderten Menschen die Möglichkeit geben wollen, Fußball zu spielen. Stephan Wenn: „Wir haben gesehen, dass es ein Team für Fußballer mit Handicap im Kreis Düren nicht gibt.“ Natürlich gebe es behinderte Sportler, die in regulären Vereinen und Mannschaften trainieren. „Aber die bekommen so gut wie nie Spieleinsätze, weil sie natürlich viel schwächer sind als nicht-behinderte Fußballer. Und genau deshalb haben wir unsere Mannschaft ins Leben gerufen.“

35 Menschen zwischen 14 und 42 Jahren gehören zum Team der „Handicaps“ und treffen sich jeden Samstag von 9.30 bis 11 Uhr zum Training. 25 sind regelmäßig dabei. Stephan Wenn: „Bei uns machen Männer und Frauen mit. Auch die Behinderungen sind sehr unterschiedlich. Wir haben Menschen mit Down-Syndrom, aber auch solche mit einer Körperbehinderung. Jeder kann bei uns mitmachen.“ Nach dem Warmlaufen gibt es Taktik- oder Technikübungen, anschließend gibt es ein Spiel. „Es ist unsere Herausforderung als Trainer“, sagt Wenn, „dass dieses Spiel im besten Fall unentschieden ausgehet. Dann ist keiner enttäuscht.“

Einfach Fußball: Die „Handicaps“ von Jugendsport Wenau zeigen, dass das auch für Menschen mit Behinderung möglich ist. Foto: Jugendsport Wenau

Alle Spieler sind – unentgeltlich – Mitglied bei Jugendsport Wenau, zudem sind die Handicaps auch Mitglied im Deutschen Behindertensportverband. Einmal im Jahr fahren sie zum Turnier „Einfach Fußball“, das Bayer 04 Leverkusen und der Deutsche Fußball-Bund veranstalten. Darüber hinaus finden hin und wieder Freundschaftsspiele gegen Vereine, mit denen man schon seit Jahren in Kontakt steht, statt.

„Ich habe durch diese Menschen“, sagt Wenn, „einen ganz anderen Blick auf die Welt gelernt. Ich fälle viel später ein Urteil über andere Leute, die sich vielleicht ein bisschen komisch verhalten, als früher. Und ich habe wirklich gelernt, mit behinderten Menschen ganz normal umzugehen.“ Das sei im Übrigen auch beim Training das Allerwichtigste. „Ich habe fast drei Monate gebraucht, bis ich mit meinen Sportlern ohne Hemmungen umgehen konnte. Irgendwann ist mir klar geworden, dass die ganz normal behandelt werden wollen.“ Die Frage seiner Schützlinge „Machen das normale Fußballer auch?“ würde er beim Training immer wieder hören. „Und dann kann ich voller Überzeugung Ja sagen.“ Klar, dass seine Spieler auch Kritik einstecken müssen. „Ich ziehe vor dem Training keine Glacéhandschuhe an. Und natürlich wird keiner gelobt, der den Ball neben das Tor schießt. Eher das Gegenteil ist der Fall.“

Weil – und das gilt eben auch für die „Handiaps“ – das Runde muss beim Fußball immer ins Eckige.

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