Düren: Jürgen Becker: „Nie sagen, was man denkt”

Düren: Jürgen Becker: „Nie sagen, was man denkt”

Wenn Jürgen Becker eine kabarettistische Reise durch die Kunstgeschichte ankündigt, dann kann man davon ausgehen, dass sich der Kölner nicht alleine auf Historisches beschränkt: „Der Künstler ist anwesend” lautet der Titel des neuen Programms von Becker.

Damit gastierte er am Freitagabend in der Arena Kreis Düren und ließ sich - obwohl eine humoristische Auseinandersetzung mit der Welt der Kunst angekündigt war - doch nicht nehmen, immer wieder auf aktuelle Geschehnisse zu sprechen zu kommen. Der politische Kabarettist kann eben nicht aus seiner Haut.

So legte Becker zunächst mit bissigen Bemerkungen über die Neonazi-Terroristen aus Zwickau los, bevor er zum roten Faden des Abends gelangen sollte. Von politischen Angelegenheiten zu künstlerischen - diese zu verbinden, verstand Jürgen Becker hervorragend und man konnte nur staunend die Ohren aufspannen, um zu hören wie der Kabarettist vom Hölzchen aufs Stöckchen kam, ohne, dass sein Programm an Schwung verlor.

Stets eine dankbare Kombination für den Dampfplauderer sollten dabei Religion und Kunst darstellen. So hob Becker hervor, dass ein Künstler wie der Schöpfer sei: „Du kannst ihn anhimmeln, aber nicht befragen.” Nein, die Arbeiten der Künstler müssten für sich selber sprechen, so der Kölner weiter. Gleichwohl hätten diese oft genug nichts zu sagen.

Für all die unter den rund 600 Besuchern von Beckers Show, die sich auf Vernissagen deplatziert fühlen, nur selten den Weg ins Kunstmuseum finden oder auch für die schwierigen Fälle, die Wassily Kandinsky für einen Neuzugang des 1. FC Köln halten, gab der Kölner Nachhilfeunterricht. Eine wichtige Lektion erteilte Becker gleich zu Beginn des Abends: Bei Ausstellungen sollte man niemals einfach sagen, was man denkt, bei der gelungenen roten Skulptur könnte es sich schließlich um einen Feuerlöscher handeln. Allgemein von Vorteil sei es, „wenn man jemanden kennt, der jemanden kennt, der etwas kennt”.

Und so ein jemand ist mitunter Jürgen Becker. Bei dem Komiker gab es nicht nur viel zu lachen, sondern auch das ein oder andere zu lernen. Etwa über Baukunst. Jürgen Beckers Ratschlag: „Wenn sie in Deutschland als gebildet gelten wollen, schreiben sie keine Doktorarbeit. Das ist Quatsch. Lernen sie die Kapitelle, damit können sie überall strunzen!” Also präsentierte der Kölner seinem Publikum die wichtigsten Kapitellarten und wo man diese heute noch finden kann. Den dorischen Stil etwa im Baumarkt, den ionischen bei Nana Mouskouris Brille.

Es war ein vergnüglicher Parforceritt, den Jürgen Becker in der Arena Kreis Düren unternahm, vom 15 000 Jahre alten Wandgemälde („Sauerbraten ante portas”) über die alten Ägypter, die ihre Könige stets im Profil darstellten bis hin zur FDP. Deren Politiker, so spottete Becker während er ein Bild von Philipp Rösler zeigte, hätten kein Profil. Mal bissig, mal polemisch, immer lustig - so macht die Kunstvorlesung Spaß.