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Düren: Jetzt offiziell: Der Streetscooter wird ab 2018 auch in Düren produziert

Düren : Jetzt offiziell: Der Streetscooter wird ab 2018 auch in Düren produziert

Vielleicht passt das Sprichwort „Was lange währt, wird endlich gut“ in diesem Zusammenhang besonders. Seit einem Jahr wird in Düren darüber gesprochen, wie es gelingen kann, den Streetscooter, einen mit Strom betriebenen Kleinlaster, in Düren zu produzieren.

Es war durchgesickert, dass die Deutsche Post AG, die das Auto bisher in Aachen bauen lässt, ihre Kapazitäten erweitern will und einen zweiten Standort suchte. „Heute ist das glückliche Ende einer langen Geschichte“, sagt am Montag Jürgen Liermann. Er trägt den Titel Director Special Projects, er ist also der Mann für besondere Aufgaben, wenn man so will. Liermann arbeitet für Neapco, das Unternehmen, in dem ab Frühjahr 2018 der Streetscooter produziert wird.

Als das Projekt am Montag im Neapco-Werk im Dürener Süden offiziell vorgestellt wird, werden die Zahlen bestätigt, die schon vor Wochen die Runde machten: 250 Arbeitsplätze sollen geschaffen werden, ein Großteil davon neu. Damit die Neapco Europe GmbH die Montage des leichten Nutzfahrzeugs übernehmen kann, werden „mehrere Millionen Euro“ in den Aus- und Umbau der Produktionshalle investiert, heißt es in einer Erklärung des Unternehmens. Insgesamt werden rund 25.000 Quadratmeter für den Streetscooter um- und ausgebaut.

Projektleiter Regenbogen sagte, erst einmal würde in einer Schicht montiert, eine Ausweitung auf zwei oder drei Schichten sei aber machbar. Der Streetscooter wird nach wie vor auch in Aachen produziert — mit einer Kapazität von 10.000 Kleinlastern im Jahr.

Weiterer Ausbau?

Der Streetscooter, ein Nutzfahrzeug mit Ladefläche, wurde an der RWTH Aachen entwickelt und über ein von der Universität ausgegründetes Unternehmen gebaut. Die Deutsche Post AG erkannte das Potenzial und kaufte das junge Unternehmen. Nun will der Bonner Konzern die Produktpalette ausbauen und erweitern. In einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ sagte Deutsche Post-Vorstand Jürgen Gerdes, sein Unternehmen entwickelte ein Auto mit Brennstoffzellentechnik.

Davon sollten in den nächsten beiden Jahren 500 Stück in den Probebetrieb genommen werden. Ein Unternehmenssprecher wollte sich dazu am Montag in Düren nicht weiter äußern. Ob etwa Fahrzeuge mit dieser Technik auch im Neapco-Werk produziert würden, wollte der Sprecher nicht sagen - dafür sei es noch zu früh. Autos mit Brennstoffzellen würden getestet, das Ergebnis bliebe abzuwarten.

Für Bürgermeister Paul Larue ist die Streetscooter-Ansiedlung „eine hervorragende Nachricht“. Der industrielle Standort Düren würde gestärkt. Der Chef der Dürener Wirtschaftsförderungsgesellschaft, Thomas Hissel, war von Anfang an an den Gesprächen mit der Deutschen Post und Neapco beteiligt. „Es war eine gute Zusammenarbeit“, sagen am Montag beim offiziellen Pressegespräch alle am Deal Beteiligten.

Wenn der Streetscooter schon in Düren montiert wird, liegt es nahe, dass die Stadt den kleinen Elektrolaster nutzen wird. Das sei wahrscheinlich, sagt Wirtschaftsförderer Hissel. Dort, wo es möglich sei, könnten künftig Streetscooter die städtische Fahrzeugflotte bereichern.

Die Post setzt bundesweit bereits eine Flotte von rund 3000 E-Autos zur Auslieferung von Paketen ein, deren Produktion aus einem Start-up an der Aachener Universität RWTH hervorgegangen ist. Im Sommer hatte die Post mit dem Autobauer Ford ein Transportermodell mit mehr Platz vorgestellt. Bis Ende 2018 sollen laut früheren Angaben 2500 Elektro-Transporter mit einem Ladevolumen von rund 200 Paketen im Einsatz sein.

Für Bäckerei-Betriebe habe die Post ein elektrisches 3,5-Tonnen-Fahrzeug entwickelt, erklärte sie nun. Im Gespräch seien zudem E-Transporter für Kommunen, Energieversorger, Entsorgungsunternehmen, Flughäfen und Caterer. Rund 200 Handwerksbetriebe hatten Bedarf an Elektro-Fahrzeugen gezeigt.

Die Post will die Leistungsfähigkeit der Streetscooter-Modelle erhöhen. Schafften die E-Autos bisher 85 km pro Stunde bei 80 Kilometern Reichweite, sollen die Neuen mit 120 Stundenkilometer bis zu 200 Kilometer kommen. Autos mit Brennstoffzellen-Antrieb, die mit einer Stromfüllung 500 Kilometer erreichen, würden getestet, hieß es