Düren: Interview: Renate Goldmann über das geplante Papiermuseum

Düren: Interview: Renate Goldmann über das geplante Papiermuseum

Düren soll ein neues Papiermuseum erhalten. Das bisherige Gebäude wird um- und ausgebaut , außerdem sind neue Ausstellungsformen geplant. 3,7 Millionen Euro sollen investiert werden. Die Stadt Düren würde sich mit 600.000 Euro beteiligen, der Rest kommt über örtliche Industrieunternehmen, Stiftungen und Zuschüsse auf Landesebene.

So ist es geplant. Noch fehlen 400.000 Euro. Museumsleiterin Dr. Renate Goldmann ist zuversichtlich, dass die Summe noch bereitgestellt wird. Was erwartet sie von einem neuen Papiermuseum? Wie versucht sie, das Haus attraktiver zu gestalten? Wie können mehr Besucher gewonnen werden? Fragen, die Ingo Latotzki im DN-Interview stellte.

Einfache Frage zum Start: Warum braucht Düren ein neues Papiermuseum?

Dr. Renate Goldmann: Das Papiermuseum Düren ist 1990 gegründet worden, 2000 ist die Dauerausstellung erstmalig überarbeitet worden und wartet jetzt, nach 15 Jahren Laufzeit, auf eine grundlegende Erneuerung. Aus mehreren Gründen: Die bisherige Ausstellung ist nach 15 Jahren überaltert. Zudem ist das Haus generationen- und gesellschaftsübergreifend architektonisch nicht mehr aktuell gestaltet. Wir können keine zeitgemäßen Veranstaltungen planen. Auch im Hinblick auf Inklusion entspricht das Gebäude nicht mehr heutigen Standards. Dazu soll das neue Haus mehr als bisher Identität stiften für Düren als Papierstadt.

Was versprechen Sie sich von einem neuen Papiermuseum?

Goldmann: Zunächst eine Attraktivitätssteigerung für das Thema Papier. In der kulturwissenschaftlichen Forschung geht es zunehmend um den Zusammenhang von Mensch, kulturellem Gedächtnis und Medien. Im Zuge der digitalen Revolution werden manche Materialien wie Fein- und Grafikpapiere verschwinden, auf der anderen Seite gibt es noch viele Arten von Papier und Papierverarbeitung, die weiter eine Rolle spielen. Diese diversen Themen zum Kulturgut Papier sollen professionell erforscht und durch zeitgemäße Präsentationsformen anschaulich vermittelt werden.

Geht es auch darum, neue Besucher zu gewinnen?

Goldmann: Wir haben drei Aufgaben, die zu erfüllen sind. Wir müssen den jetzigen Sammlungsbestand der Öffentlichkeit zugänglich machen, beispielsweise unsere bedeutende Sammlung an Wasserzeichen. Zweitens erfüllen wir unseren Bildungsauftrag, indem Wissen und Inhalte vermittelt werden, denn Museen sind auch außerschulischer Lernort. Drittens erfüllen wir grundsätzlich das Bedürfnis in unserer Stadt als kultureller und wirtschaftlicher Standortfaktor.

Noch einmal die Frage: Geht es auch darum, neue Besucher zu gewinnen? Derzeit kommen Hoesch-Museum und Papiermuseum zusammen auf rund 30 zahlende Besucher am Tag.

Goldmann: Neben vielen Kindern und Jugendlichen aus Dürener Kitas und Schulen, kommen viele Besuchergruppen aus den Niederlanden und Belgien. Als neues Alleinstellungsmerkmal ist geplant, im Rahmen der Inklusion gezielt Angebote für Menschen mit Behinderung zu erstellen, besonders da Düren eine Stadt mit Einrichtungen für sehbehinderte Menschen ist.

Die Zahl der Besucher, die wirklich Eintritt zahlen, kann Sie kaum zufriedenstellen.

Goldmann: Besucherzahlen von Museen hängen zusammen mit Touristenzahlen. In Städten mit hohem Touristenaufkommen haben sie in der Regel auch viele Museumsbesucher. In Paris schaut man sich selbstverständlich den Eiffelturm an und auch den Louvre an. Umkehrschluss wäre: Da, wo kein nennenswertes Touristenaufkommen ist, fehlen die Besucher. Das muss aber nicht für alle Städte und Regionen gelten. Schließlich kommt es auf die Institution an sich, die Museumsleitung, das Team und eben auf spannende Themen an. Darüber hinaus spielt öffentlichkeitswirksames Marketing, auch auf Basis der Dürener Tourismuszahlen, eine große Rolle.

Beide Museen werden laut Haushalt der Stadt Düren mit 335 000 Euro bezuschusst. Halten Sie das für gerechtfertigt?

Goldmann: Da wir einen kulturellen und einen gesellschaftlichen Auftrag haben, besonders in Bezug auf die Vermittlung von Werten und Inhalten an die Öffentlichkeit, erfüllen wir das Recht der Menschheit auf Bildung, Erziehung und Toleranz. Jedes Museum versucht, möglichst viele Menschen zu erreichen. Unsere Arbeit der letzten fünf Jahre erleben wir auf verschiedenen Ebenen. Wir haben das Hoesch-Museum auf die Landkarte der internationalen Kunstszene gesetzt, auch abzulesen an den Leihgaben und Leihgebern weltweit, bis hin nach New York. Gleichzeitig ist unser Anspruch vor Ort in Düren: eine lebendige Kommunikationskultur zu etablieren, wie sie beispielsweise im Museumsverein mit über 500 Mitgliedern stattfindet.

Der Zuschuss ist also gerechtfertigt?

Goldmann: Angesichts der beiden großen Häuser und der bedeutenden Sammlung, sowie der vielen Kooperationsfelder kann man sich vorstellen, dass wir auf Unterstützung und das Engagement von dritter Seite angewiesen sind. Durch projektbezogenen öffentliche Förderung, den Museumsverein Düren, die Hubertus Schoeller Stiftung, die Günther-Peill-Stiftung sowie die Mäzene der Industrie erfahren wir großzügige Hilfe, die eine mehr als 100-jährige Institution wie das Leopold-Hoesch-Museum und eine 25-jährige Institution wie der Papiermuseum Düren brauchen. Aber natürlich ist nach oben hin immer Luft.

Gibt es eine Zielsetzung für künftige Besucherzahlen?

Goldmann: Um die Besucherzahlen weiter zu steigern, verbessern wir den Service für unsere Besucher kontinuierlich. Dabei geht es um eine Quantitätssteigerung, aber auch eine Qualitätsverbesserung, so dass der Bildungszweck und die Teilhabe am kulturellen Erbe mit Freude, Spaß und Genuss einhergeht.

Nun möchten wir ein wenig provozieren: Der Zuschuss, der jedes Jahr in die Museen fließt, könnte in die Schulsozialarbeit oder in die Betreuung an Ganztagsgrundschulen gesteckt werden, oder in Kräfte, die in der City nach dem Rechten sehen. Die Liste ließe sich erweitern. Haben Sie Verständnis für Menschen, die so argumentieren?

Goldmann: Die Arbeit der Museen zielt gerade auf die Verbesserung der Lebensqualität der Menschen in der Stadt. Kultur ist ein existenzieller Bestandteil des menschlichen Lebens und Träger gesellschaftlicher Werte. Angesichts der politischen, wirtschaftlichen und sozialen Veränderungen der letzten Jahre kann Kultur einen kommunikativen Beitrag zur Verständigung von Menschen leisten. Die Künstler selber sensibilisieren mit ihren Werken auch im Hinblick auf die Probleme unserer Gesellschaft und Umwelt. Außerdem fließen nicht einmal 1,5 Prozent des Gesamthaushalts der Stadt Düren in die beiden Museen (rund drei Millionen von 215 Millionen gesamt, d. Red.).

Die letzte Frage soll nichts mit Geld zu tun haben, im Gegenteil, jetzt gibt es genug davon. Wenn Sie nicht auf die Finanzen zu schauen bräuchten, welche Ausstellung würden Sie dann den Dürenern bieten?

Goldmann (lacht): Es wäre die Ausstellung, die wir 2015 im Jahr des Papiers präsentieren: „Europäische Künstlerpapiere. Von Albrecht Dürer bis Gerhard Richter“ . Das wird der Stadt nochmals zeigen, welche Bedeutung das Papier für die Kunstgeschichte von damals bis heute hat.

Mehr von Aachener Nachrichten