Düren: Interview: Denken Schüler der Klasse 10 auch an Berufskollegs?

Düren : Interview: Denken Schüler der Klasse 10 auch an Berufskollegs?

Für viele Schüler der Klasse 10 stellt sich dieser Tage die Frage, wie sie die Weichen für ihre schulische — und damit vielleicht auch berufliche — Zukunft stellen möchten. An den Berufskollegs läuft derzeit die Anmeldephase.

Aber für wen ist das Abitur mit fachbezogenem Schwerpunkt das Richtige und welche Themen sind am Berufskolleg in Zukunft entscheidend? Rede und Antwort stehen unserer Redakteurin Anne Welkener die Schulleiterin des Berufskollegs Kaufmännische Schulen Elvira Pürling und Andrea Herrlein, Abteilungsleiterin des dortigen Beruflichen Gymnasiums.

Denken mittlerweile beim Stichwort „Abitur“ genug Leute neben Gymnasium und Gesamtschule auch an die Beruflichen Gymnasien der Berufskollegs?

Elvira Pürling: In der öffentlichen Wahrnehmung wird eher die Berufsschule, also der schulische Bereich der dualen Ausbildung wahrgenommen. Dabei ist unser Leistungsspektrum viel größer. Bei uns sind mehr Schüler in den vollzeitschulischen Bildungsgängen.

Welchen Anteil hat dabei Ihr Berufliches Gymnasium?

Andrea Herrlein: Der Anteil unserer Abiturienten an der Schülerzahl beträgt etwa zehn Prozent. Wir unterrichten am Wirtschaftsgymnasium drei Klassen pro Jahrgang mit jeweils 25 bis 26 Schülern.

Wie machen Sie potenzielle neue Schüler auf sich aufmerksam?

Pürling: Wir werden von vielen Schulen in die Stufen 9 und 10 eingeladen, um dort zu informieren. Außerdem bieten wir den Schülern an, in unserem Unterricht zu hospitieren. Das machen auch Lehrer der Sekundarstufe 1 gern, um unsere Schule besser kennenzulernen. Herrlein: Viele Schüler werden auch über Freunde, Bekannte oder Verwandte, die auf unserer Schule sind oder gewesen sind, auf unser Berufskolleg aufmerksam. Wir informieren aber auch auf Infoabenden und Tagen der offenen Tür — zum Beispiel am Samstag, 3. Februar.

Wie eng ist die Zusammenarbeit mit den Schulen, von denen Ihre Schüler kommen?

Pürling: Mit vielen Haupt-, Real- und Sekundarschulen pflegen wir Kooperationen, wir haben auch engen Kontakt zu — Gesamtschulen und Gymnasien.

Würden Sie sich wünschen, dass die Schüler an anderen Schulformen besser informiert würden?

Pürling: Ich denke, es wäre im Interesse der Schüler, wenn Berufskollegs an allgemeinbildenden Schulen bekannter würden. Die Berufskollegs bieten auf der einen Seite sehr viele Möglichkeiten, aber auf der anderen Seite wird es dadurch auch sehr komplex und kompliziert. Die abgebenden Schulen geben sich sehr viel Mühe bei der Beratung ihrer Schüler.

Wem könnte ein Wechsel nach der zehnten Klasse — zum Beispiel vom Gymnasium zum Berufskolleg — Vorteile bringen?

Herrlein: Zum einen natürlich Schülern, die sich für eine Ausbildung in Wirtschaft oder Verwaltung oder aber auch ein BWL-Studium nach der Schule interessieren und nun schon Kenntnisse und Fertigkeiten in diesem Bereich erwerben möchten. Einige Schüler nutzen den Wechsel als Neustart: neue Lehrer, neue Fächer, neue Gebäude. Gerade für Schüler, die auf dem Gymnasium ein paar Schwierigkeiten hatten, kann das einen Motivationsschub bringen. Bei den Fächern Betriebswirtschafts- und Volkswirtschaftslehre sowie Wirtschaftsinformatik starten wir komplett bei null und erwarten kein Vorwissen. Pürling: In Abgrenzung zur Gesamtschule oder dem Gymnasium haben wir einen beruflichen Schwerpunkt. Bei allgemeinbildenden Schulen liegt der Fokus auf der einheitlichen Ausrichtung, wenn die Schüler aber Interesse am kaufmännischen Bereich haben, findet das bei uns Berücksichtigung. Hier gibt es den „Schulabschluss+“, also das Abitur mit Mehrwert.

Sehen Sie sich in Konkurrenz zu den anderen drei Berufskollegs im Kreisgebiet?

Pürling: Die drei Berufskollegs in Düren haben unterschiedliche Ausrichtungen, und zum Berufskolleg Jülich ist es wieder ein Stück zu fahren. Im Gegenteil: Wir Schulleiter tauschen uns regelmäßig aus.

Woran würden Sie festmachen, welche Qualität die Ausbildung an Ihrer Schule hat?

Herrlein: Man könnte auf die Ergebnisse des Zentralabis schauen. Eine Auswertung der Bezirksregierung hat gezeigt, dass unsere Abiturienten — im Vergleich zu Schülern anderer Berufskollegs mit gleicher Fachrichtung — überdurchschnittlich gut abgeschnitten haben. Pürling: Ich denke, die Kompetenzorientierung, die enge Zusammenarbeit mit Unternehmen und der gute Unterricht sind Leistungsmerkmale, auf die Eltern Wert legen. Da würden wir, denke ich, gut abschneiden.

Richten wir den Blick voraus: Was wird sich an Ihrer Schule in Zukunft verändern?

Pürling: Wir müssen uns stärker als jede andere Schulform auf das sich verändernde Umfeld einstellen. Die Rahmenbedingungen — zum Beispiel die Richtlinien für Ausbildungsberufe oder die Prüfungsordnung — unterliegen einer kontinuierlichen Veränderung. Die nötigen Entwicklungen kann man intensiv anpacken oder eben nicht. Aber uns zeichnet aus, dass wir einen hohen Anspruch haben, den Anforderungen zu entsprechen. Wir sind immer schon ein gutes Stück weiter. Das macht uns modern, und wir werden auch noch in fünf Jahren modern sein.

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