„Sternenregion“: „Inseln der Dunkelheit“ um die Eifel schaffen

„Sternenregion“ : „Inseln der Dunkelheit“ um die Eifel schaffen

Damit der Nationalpark nicht nur „Sternenpark“ bleibt, sondern „Sternenregion“ wird, ist die Unterstützung zahlreicher Kommunen nötig.

„Nordeifel will ,Sternenregion‘ werden“ – diese Überschrift trug ein Artikel in dieser Zeitung bereits im November 2014. Wenn es nach Harald Bardenhagen geht, dann wird dieses Ziel in diesem Jahr erreicht. Der 61-jährige Kölner ist Astronom und gründete 2010 die Astronomie-Werkstatt „Sterne ohne Grenzen“, welche die Sternwarte auf dem Internationalen Platz Vogelsang betreibt. Er setzte sich dafür ein, dass der Nationalpark Eifel Internationaler „Sternenpark“ wurde, möchte aber noch einen Schritt weiter gehen.

Nach einer vorläufigen Anerkennung im Jahr 2014 ist der Nationalpark im vergangenen April endgültig als „Sternenpark“ ausgezeichnet worden. Die International Dark Sky Association (IDA) ernannte in Deutschland bereits vier Regionen mit natürlicher Dunkelheit und beeindruckendem Nachthimmel: neben der Eifel die Winkelmoosalm in den Chiemgauer Alpen, den Naturpark Westhavelland nordwestlich von Berlin und das Biosphärenreservat Rhön in Hessen, Thüringen und Bayern. Was hier mit dem 107 Quadratmeter großen Nationalpark als „Sternenpark“ anfing, wird nun im Rahmen eines Projektes des Vereins Naturpark Nordeifel auf eine Fläche von etwa 2000 Quadratkilometern erweitert.

Dafür wird der „Sternenpark“ mit den Gemeinden in einem etwa 15 Kilometer breiten Band um dessen Grenzen herum zu einer von der IDA „Dark Sky Reserve“ genannten „Sternenregion“ zusammengefasst. Auch diese umliegenden Gemeinden müssen dann bestimmte Kriterien erfüllen. Dazu gehört unter anderem die Anwendung von Beleuchtungsempfehlungen, um die Lichtverschmutzung zu vermeiden. „Licht kennt keine Grenzen und wirkt sich auch noch über viele Kilometer auf den Nachthimmel aus“, erklärt Bardenhagen. Wer beispielsweise von Raffelsbrand aus in die Börde schaut, der sieht entfernt noch Köln und Aachen „glühen“. Paradoxerweise könne das auch ein interessanter Anblick sein, aber lieber wäre dem Astronomen, wenn von den Orten weniger und von den Sternen mehr zu sehen wäre.

Deshalb ist es ihm seit fünf Jahren ein Anliegen, auch die 18 umliegenden Kommunen für den Schutz der natürlichen Nachtlandschaften und des Sternenhimmels zu gewinnen. In einem ersten Schritt soll die „Sternenregion“ – so der Arbeitstitel von Bardenhagen und seinen Mitstreitern – von Hürtgenwald, Kreuzau und Vettweiß im Norden, über Bad Münstereifel im Osten, Dahlem und Blankenheim im Süden bis Monschau im Westen reichen (siehe Karte). Für eine spätere Phase hat Bardenhagen aber unter anderem noch sieben Gemeinden in Belgien auf dem Schirm.

Der Dark-Sky Park in der Eifel. Foto: grafik

Was verspricht sich der Astronom davon? Argumente für einen dunklen Nachthimmel hat er viele parat, denn weniger und gezielter zu beleuchten habe positive Effekte auf das Wohlbefinden, die Biodiversität, den Geldbeutel, ja sogar auf die Sicherheit. Denn laut Bardenhagen blende zu helle Beleuchtung die Verkehrsteilnehmer. Nicht zuletzt geht es ihm aber um den Sternenhimmel über der Eifel. Die Stadt-Sternwarten in Aachen, Bonn und Köln böten seiner Ansicht nach zwar tolle Infoprogramme, aber die Sterne ließen sich von dort nur eingeschränkt beobachten: „Man kann vielleicht manches Helles sehen – den Mond, die Sonne, ein paar Planeten – aber keinen beeindruckenden Sternenhimmel. Das leuchtende Band der Milchstraße bliebe den Städtern ganz verborgen, bedauert er. „Dieses fundamentale Naturerlebnis sollten die Leute wieder erleben.“ Rund um den Nationalpark Eifel wünscht er sich „Inseln der Dunkelheit“.

Wie können die umliegenden Kommunen dabei helfen? Vorbildliche Beispiele gibt es unter anderem aus Heimbach und Schleiden. Beide Städte haben bei der Straßenbeleuchtung und der Illuminierung von öffentlichen Gebäuden Verbesserungen vorgenommen. Konkret: Bei der Burg Hengebach wurden Leuchten so gekippt, dass sie nicht mehr so stark nach oben strahlen und die Burg wird nur noch bis 23 Uhr beleuchtet. Ein Unternehmer im Schleidener Stadtteil Herhahn hat die meisten Lampen um seine Halle einfach entfernt. Übrig geblieben sind nur noch wenige vollabgeschirmte Leuchten, die nur bei Bedarf angehen und nur nach unten leuchten. Bardenhagen ist in den vergangenen Jahren auf die umliegenden Kommunen zugegangen und es liegen bereits viele Ratsbeschlüsse zur Vermeidung von Lichtverschmutzung vor. Außerdem setzt er auf viele Mitstreiter in Handel und Gewerbe sowie aus der Bevölkerung. Das Ziel für die „Sternenregion Eifel“: bis Ende des Jahres als „Dark Sky Reserve“ anerkannt zu werden.

Mit einem Spezialteleskop die Sonne beobachten – das geht am 30. Juni auf dem Dach der Jugendherberge Nideggen (12 bis 17 Uhr). Die „Sternenwoche“ von Rureifel Tourismus findet vom 21. bis 28. Oktober statt.