Innenstadtring in Düren: "Pro Rad" denkt groß

Initiative schlägt neue Verkehrsführung vor : Innenstadtring in Düren: „Pro Rad“ denkt groß

Eine im Kreis verlaufende Einbahnstraße rund um die Dürener Innenstadt mit jeweils zwei Spuren für Autos und Fahrräder - natürlich sicher voneinander abgegrenzt. So können sich die Mitglieder von „Pro Rad“ das Herz der zukünftigen Radinfrastruktur in der Rurstadt vorstellen. Als Inspirationsquelle diente in diesem Fall die niederrheinische Stadt Kempen.

Die Hohenzollernstraße ist gut zu erkennen, wirkt aber doch ein wenig fremd. Sofort ins Auge fällt der rote Streifen, auf dem Fahrradfahrer in beide Richtungen unterwegs sind. Er ersetzt die bisherigen Mehrzweckstreifen links und rechts der Pkw-Fahrspuren. Die wiederum sind nun räumlich getrennt vom Radweg, der Bürgersteig bleibt unverändert. Diese Visualisierung zeigt keine konkreten Pläne, sie ist weniger Zukunftsmusik als Diskussionsgrundlage, und vor allem ist sie Teil einer größeren Idee. Frei nach dem Motto „Nicht kleckern, sondern klotzen“ schlägt die Bürgerinitiative „Pro Rad“ Düren vor, eine Art Innenstadtring zu schaffen.

„Wir wollen etwas präsentieren, das über die alltäglichen Ideen hinausgeht. Diese Vorschläge sind innovativer als das, was man sonst hört“, sagt Tanja Malchow von „Pro Rad“. Was sie und ihre Mitstreiter ausgearbeitet haben, ist auch innerhalb der Gruppe nicht in Stein gemeißelt, es wird weiter diskutiert, und genau das wollen sie auch mit Bürgern, Politikern und Verwaltungsmitarbeitern. „Das sind nur Ideen, da kann jeder rumspinnen und sie weiterentwickeln“, ermutigt Imke Grenzdörffer.

Als Inspirationsquelle diente in diesem Fall die niederrheinische Stadt Kempen. Das dortige Zentrum ist ähnlich groß wie das Dürener und von einem Ring umschlossen. Darauf fahren Autos zweispurig in eine Richtung und räumlich getrennt Fahrräder auf ebenfalls zwei Spuren in beide Richtungen. Ein solcher Ring würde in Düren (siehe Karte) zwar etwas eckiger ausfallen, ließe sich aber nach Einschätzung von „Pro Rad“ mit relativ geringem Investitionsaufwand einrichten. Platz genug gäbe es vor allem auf der August-Klotz-Straße, schwieriger sei es auf der Hohenzollernstraße, meinen die „Pro Rad“-Vertreter. „Wenn es dort eine praktikable Lösung gibt, gibt es die im ganzen Ring“, ist Rob Maris überzeugt.

Bei einer Einbahnstraßenregelung in Richtung Norden bedürfe es keiner Abbiegespuren mehr, die an der Kreuzung den Radverkehr unübersichtlich und gefährlich machen. Stattdessen wäre Platz genug für den Radstreifen. Die „Pro Rad“-Mitglieder rechnen damit, dass der Verkehr so deutlich besser fließt und damit die höhere Fahrtzeit, die Autos wegen dem Einrichtungsverkehr hätten, kompensiert werde. „In Münster und auch in den Niederlanden traut man sich, größere Straßen zu Einbahnstraßen zu machen, um den Radverkehr zu verbessern. Den Mut muss man dann haben“, sagt Rob Maris.

Foto: grafik

Auch welche Besonderheiten für den Busverkehr denkbar wären, wie die Kreuzungen gestaltet werden könnten, welcher Raum für Parkplätze hinzukäme und welcher wegfiele, haben sie bereits durchdacht und sind nun gespannt auf den Diskurs mit Interessierten.

Gleiches gilt neben dem großen Thema Innenstadtring auch für einen weiteren Komplex, der der Bürgerinitiative sehr wichtig ist: die sogenannten Radialverbindungen, die Vororte an das Stadtzentrum anschließen. Bereits seit August 2018 kämpft die Gruppe dafür, dass die Girbelsrather Straße, die von den Leitplanken der B56n zu zwei gegenüberliegenden Sackgassen zerschnitten wurde, wieder für Radfahrer nutzbar gemacht wird. Nachdem die Bürgerinitiative mit ihrem Anliegen von Pontius zu Pilatus geschickt wurde, liegt seit Anfang Juli ein ausführliches Schreiben beim NRW-Verkehrsministerium.

Deutlich schneller zu realisieren wäre eine Verbesserung der Radialverbindung von Rölsdorf in die Innenstadt. Bei mehreren Einbahnstraßen könnte für Radfahrer auch die Einfahrt von der anderen Seite erlaubt werden, manche Bürger hatten sich an einer nicht beleuchteten Stelle eine Laterne gewünscht, und am Übergang zwischen Bahnstraße und Eldernweg stehen versetzte Umlaufgitter so eng, dass Radfahrer sich eine Art Trampelpfad durchs benachbarte Grün gefahren haben. Hier wären es also mehrere Kleinigkeiten, die die Radinfrastruktur spürbar verbessern könnten.

Die Idee des Innenstadtrings möchte „Pro Rad“ Interessierten gern noch einmal ausführlich darstellen. Ein Termin für diese Info-Veranstaltung steht noch nicht, wird aber zeitnah veröffentlicht. Fragen oder Rückmeldungen an die Gruppe über Homepage: www.prorad-dn.de.

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