Düren: Ingenieur betrügt Krankenkasse, die jahrelang nichts merkt

Düren: Ingenieur betrügt Krankenkasse, die jahrelang nichts merkt

Ein Bauingenieur (50) musste sich am Dienstag vor Gericht verantworten, weil er seine private Krankenversicherung 80 Mal betrogen hatte. Fast vier Jahre lang reichte er bei der Versicherung Rechnungen zur Erstattung ein, die komplett gefälscht waren. So kassierte er 67783,27 Euro. Anfang vorigen Jahres erst flog der Betrug durch einen Zufall auf.

Mal war es eine Reha-Maßnahme, mal ein Arztbesuch oder ein Klinikaufenthalt, den die Versicherung bezahlte. Immer wurden Summen zwischen 700 und 1500 Euro für Maßnahmen, die es nie gegeben hatte, überwiesen. Erst, als sich der Dürener einmal verrechnete und die Versicherung daraufhin mit der Arztpraxis Rücksprache nahm, wurde die Betrugsserie aufgedeckt.

Der Angeklagte hatte „Geldsorgen auf hohem Niveau”, meinte der Staatsanwalt. Über 15.000 Mark verfügte er einmal - jeden Monat. Seine Hobbys waren Motorradfahren, Fallschirmspringen und Skifahren - bis er 2001 einen Schlaganfall erlitt und sich sein Leben komplett änderte. Seitdem müssen er und sein Frau mit einer Berufsunfähigkeitsrente von monatlich 2500 Euro auskommen. „Manch einer wäre damit glücklich”, so der Staatsanwalt.

Der Angeklagte ist seit seinem Schlaganfall stark behindert, linksseitig so gut wie gelähmt. „Auf Baustellen und Gerüsten bin ich nicht einsetzbar”, teilte er dem Richter mit. Keine Arbeit, kein Hobby und plötzlich nur noch ein Drittel seines früheren Gehalts - das habe ihm psychisch schwer zu schaffen gemacht, gestand der Angeklagte.

Er ist vor der Betrugsserie nie mit dem Gesetz in Konflikt geraten und gab vor Gericht ohne Umschweife alle 80 Betrugsfälle zu. Bis zur gestrigen Gerichtsverhandlung hatte er die ergaunerte Summe von 67783,27 Euro komplett an die Krankenkasse zurückgezahlt. „Die Wiedergutmachung rettet ihn vor einem Besuch im Gefängnis”, befand der Staatsanwalt zum Richter gewandt und forderte eine Strafe von einem Jahr und zehn Monaten, die aber zur Bewährung ausgesetzt werden sollten.

Dem folgte das Schöffengericht, das anerkannte, dass sich der Dürener „in einer persönlich schwierigen Situation” befunden hatte. „Ich nehme an, wir sehen uns nicht wieder”, sagte der vorsitzende Richter Hans Georg Wingen zum Schluss. „Nie mehr”, so der Angeklagte inbrünstig.