Heimbach: In einer Woche 737 Mal geblitzt

Heimbach: In einer Woche 737 Mal geblitzt

Die Straße zwischen Blens und Hausen ist neu und schön. Und doch gibt es wegen dieser Straße in Heimbach nichts als Ärger. Schuld ist ein Starenkasten, allerdings nicht einer dieser altmodischen Kästen, wie sie etwa an der Straße zwischen Düren und Kreuzau stehen, sondern die ultramoderne Version.

Und dieses Teil fotografiert jeden, der dort schneller als 50 km/h fährt. Das hatten sich die Bürger von Heimbach offenbar anders vorgestellt, als sie etwa 20 Jahre lang die Sanierung der L249 zwischen den beiden Heimbacher Ortsteilen forderten. Schon vor mehr als 20 Jahren waren die 1,2 Kilometer definitiv hin. Es wurde geflickt und repariert, und wieder geflickt und wieder repariert. Die Straße war „eine gefährliche Rumpelstraße”, wie Bürgermeister Bert Züll einmal sagte. Kein Wunder, dass er sich sofort nach seiner Wahl mit Volldampf um die Sanierung kümmerte.

Damals mussten die Interessen von Kreis und Landschaftsverband, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Nabu und Rurtalbahn, Anwohnern und Gastwirten und vielen anderen unter einen Hut gebracht werden. Und weil die Sanierung, die eigentlich ein kompletter Neubau war (Kosten: 6,137 Millionen Euro), nicht scheitern sollte, musste Züll insbesondere den Umweltverbänden Zugeständnisse machen. Die gaben schließlich ihre Zustimmung, nachdem schriftlich zugesagt worden war, dass 16 komfortable Krötentunnel, eine Reduzierung der Fahrgeschwindigkeit von 70 auf 50 km/h und eine ständige Geschwindigkeitskontrolle zugesichert wurden. Dies zum Schutz der in den Felsen brütenden Uhus.

„Eine Baustelle, die es in sich hat”, titelten die „DN”, im Oktober 2009 und berichteten von einem aufwendigen Brückenbauwerk, von vier Filterbecken und kompliziert zu bauenden Stützwänden zur Bahn hin. Die Sanierung verzögerte sich, im August 2010 wurde die Straße feierlich freigegeben. Schon zu diesem Zeitpunkt ärgerten sich die Bürger über die vorgeschriebene Geschwindigkeit von 50 km/h, wo sie früher 70 km/h fahren durften.

Vor drei Wochen wurde die Geschwindigkeits-Messanlage installiert, die, wie Landrat Wolfgang Spelthahn auf Anfrage mitteilte, „in der ersten Woche 737 Verkehrsteilnehmer” erwischte. Der Schnellste sei 109 km/h gefahren, der Langsamste 56 km/h. Auch der Landrat betont, wie Bürgermeister Züll: „Wir hätten das Geld für den Neubau der Straße nicht bekommen, wenn wir die Forderungen von Nabu und BUND nicht erfüllt hätten.” Immerhin würden, so Spelthahn, zwei große Schilder am Straßenrand auf die Situation aufmerksam machen.

Die Leiterin der Biostation Heidrun Düssel-Siebert erklärte auf Anfrage, die Natur und die Vielfalt der Arten seien das Kapital der Region, das es zu schützen gelte. Und: „Gerade wegen der Schönheit der Natur kommen die Gäste.” Die Bürger allerdings sind jetzt wütend. Insbesondere, wer in Blens wohnt, fühlt sich beeinträchtigt und abgezockt.