Vossenack: In eine andere Welt entführen

Vossenack : In eine andere Welt entführen

Schon als kleiner Junge war Wolfgang Mauritz vom Puppentheater total fasziniert. „Bei uns im Dorf gab es eine Kirmes, und ich bin immer zu dem Puppenspieler in das alte Armeezelt gegangen und habe mir unzählige Male das Märchen vom gestiefelten Kater angesehen.“

Das war vor mehr als 50 Jahren. Heute ist Bruder Wolfgang Franziskanermönch, Guardian, also Chef des Klosters in Vossenack, Mitinitiator des Kloster-Kultur-Kellers und Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft Figurentheater Nordrhein-Westfalen.

Schon mit 16 Jahren hat Bruder Wolfgang seinen Eltern, den vier Geschwistern und der Großmutter gesagt, dass er Franziskanermönch werden wolle. „Die haben damals alle schallend gelacht“, erinnert er sich heute. „Mein Vater wollte, dass ich einen Beruf lerne, und so bin ich Musterzeichner geworden“ Bruder Wolfgang hat in einer Jacquard-Weberei gearbeitet, in der hauptsächlich Krawattenstoffe hergestellt wurden.

„Dafür haben wir die Muster entworfen.“ Später ist er dann aber doch ins Kloster gegangen. „Ich habe die Franziskaner während meiner Zeit als Pfadfinder kennengelernt. Und ich war von ihrer Weltoffenheit total begeistert.“ 1979 ist Bruder Wolfgang nach Vossenack gekommen, 32 Jahre hat er als Erzieher im Internat gearbeitet, Kunstunterricht im Gymnasium gegeben und an der Schule eine Puppenbau-AG initiiert. Damals lebten 26 Franziskaner im Kloster, heute gehören noch zehn Männer zur Gemeinschaft.

„Natürlich“, sagt Wolfgang Mauritz heute, „war es ein Wagnis, ins Kloster zu gehen. Sicher hat es auch Situationen gegeben, in denen ich gezweifelt habe, ob der Orden wirklich der richtige Weg ist. Zum Beispiel, als meine Schwester ihren ersten Sohn bekommen hat. Aber ich habe nie ernsthaft überlegt auszutreten.“ Bruder Wolfgang ist angekommen. Das Kloster und auch die Eifel sind seine Heimat. „Natürlich kann es passieren, dass ich versetzt werde“, sagt er. „Aber das würde mir sehr schwer fallen.“ Mit ein Grund dafür, dass Bruder Wolfgang sich in Vossenack so wohlfühlt, ist sicher auch der Kloster-Kultur-Keller, den er im September 2007 gegründet hat. „Es gab bei uns im Kloster ein Loch“, sagt er. „Das wollten wir füllen. Und wir wollten Spirituelles und Kulturelles miteinander verbinden.“

Das ist mit dem Kloster-Kultur-Keller gelungen. Rund 70 Veranstaltungen finden hier jedes Jahr statt: Konzerte, Lesungen und nicht zuletzt natürlich die zahlreichen Puppentheater-Aufführungen. „Das Puppentheater“, sagt Wolfgang Mauritz mit einem Lächeln, „hat mich nie losgelassen. Es ist beieindruckend, wie man mit einem Medium, nämlich der Puppe, Kinder und auch Erwachsene in eine andere Welt entführen kann.“

Vor 36 Jahren hat Bruder Wolfgang mit „De Strippkes Trekker“ sein eigenes Marionettentheater gegründet, das regelmäßig im Kloster-Kultur-Keller zu sehen ist. „Wir sind eine bunte Truppe“, erzählt der Ordensmann. „Wir bauen unsere Puppen selbst und zum Teil bringen wir auch eigene Stücke auf die Bühne.“ Zum Beispiel das über das Leben des Heiligen Franz von Assisi. „Irgendwann ist mir die Idee gekommen, ein Puppenspiel über unseren Ordensgründer zu schreiben. Aber es hat sehr lange gedauert, bis das fertig war.“

Bei all seinen Verpflichtungen und Aktivitäten hat Bruder Wolfgang trotzdem noch Zeit für Hobbys. „Ich lese gerne“, sagt er. „Und ich mag es, durch die Eifel zu wandern.“ Bei der Frage, wo er sich in zehn Jahren sieht, muss er nicht lange überlegen. „Immer noch hier“, schmunzelt er. „Und ich hoffe, dass die Menschen dann auch immer noch gerne in den Kloster-Kultur-Keller kommen.“