Düren: Immer mehr nehmen Hilfe der „Tafel” in Anspruch

Düren: Immer mehr nehmen Hilfe der „Tafel” in Anspruch

Die Zahl der Bedürftigen, die über die Dürener Tafel kostengünstig mit Lebensmitteln versorgt werden, steigt stetig. Gleichzeitig sinkt im Winter die Menge von frischem Obst und Gemüse, das der Tafel von Landwirten oder Lebensmittelläden zur Verfügung gestellt werden kann.

Deshalb musste die Tafel jetzt einen Aufnahmestopp verhängen. Bis März können keine neuen „Kunden” aufgenommen werden.

Dass das Angebot an Obst und Gemüse im Winter sinke, sei normal, so Gudrun Rößeler, 2. Vorsitzende der Dürener Tafel. „Doch in diesem Jahr ist es extrem.” Man nehme nur die letzte Woche. Weil Sturmtief Andrea über den Kreis Düren hinweg fegte, bauten weniger Händler ihre Stände auf dem Dürener Wochenmarkt auf. Entsprechend überließen auch nur wenige Marktbeschicker ihre Restbestände der Tafel.

Hinzu kommt, dass immer mehr Menschen bei der Tafel um Nahrungsmittel bitten. Rößeler: „Wir haben jede Woche 20 bis 25 Neuanmeldungen.” Rund 2000 Kunden sind derzeit bei der Tafel registriert. Die Ausgabe der Lebensmittel durch die Tafel erfolgt an Rentner, Sozialhilfeempfänger oder Bezieher von Hartz IV, die sich registrieren lassen müssen und einen Bezugsschein der Tafel erhalten.

Der Einkauf kostet einen Euro für die Einzelperson, ab drei Personen werden 1,50 fällig. Täglich werden 120 Karteninhaber in der Ausgabestelle an der Bücklerstraße versorgt. Rechnet man ihre Familien hinzu, sind das fast 300 Menschen Gudrun Rößeler will nicht ausschließen, dass sich einige Neukunden vor Weihnachten nur angemeldet haben, um an der einmaligen Weihnachtskistenaktion für Bedürftige beteiligt zu werden. Doch das seien nur Einzelfälle.

Zwar vermeldeten die Behörden derzeit sinkende Arbeitslosenzahlen, doch gäben diese Zahlen die tatsächliche Lebenssituation mancher „Beschäftigter” nicht wirklich wieder. Rößeler: „Auch wer in Lohn und Brot ist, kommt oft mit seinem Einkommen nicht aus. Ein 400-Euro-Jobber ist mit seinem Geld schnell am Ende. Der sucht dann Hilfe bei uns.” Eine Beobachtung, die Karl-Josef Cranen von der Job Com bestätigen kann: „Die Zahl der Aufstocker, die zwar eine Arbeitsstelle haben und trotzdem noch Sozialleistungen beziehen, weil das Gehalt so gering ist, hat innerhalb eines Jahres von 3818 auf 4822 zugenommen.”

Doch die Hilfe der Tafel ist auch nicht unbegrenzt verfügbar, deshalb der Aufnahmestopp. Es bringe nichts, die gespendete Menge an Lebensmitteln einfach auf noch mehr Personen zu verteilen, so Rößeler. „Was nützt es, wenn ich einer fünfköpfigen Familie einen einzigen Apfel in die Hand drücke? Wir wollen den Menschen schon so helfen, dass sie auch über die Runden kommen.”

Gudrun Rößeler richtet deshalb noch einmal einen Appell an Unternehmer, Ladenbesitzer und Marktbeschicker, die Tafel zu unterstützen. Auch Spenden zur Deckung der Unkosten, etwa Sprit, werden gerne entgegen genommen.

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