Im Kreis Düren leiten 25 Laien Beerdigungen

Begräbnisdienst von Laien : Die Botschaft der Auferstehung auf neuen Wegen vermitteln

In vielen Ländern ist die Bestattung eine Aufgabe der Glaubensgemeinschaft, dort sind es nicht die Pastöre, die den katholischen Verstorbenen das letzte Geleit geben. Und auch in den Gemeinden in der Region wandeln sich die Bestattungsriten. Im Kreis Düren leiten 25 Laien Beerdigungen.

2001 wurden die ersten Männer und Frauen im Begräbnisdienst ausgebildet. Das Bistum Aachen, war denen in Münster und Köln zeitlich weit voraus. „Damit gehen wir zurück zur urkirchlichen Tradition“, erklärt Anton Straeten. Der Pfarrer ist überzeugt: „Eine Notsituation erweist sich so als pastorale Chance.“

Mit Notsituation meint Straeten die rückläufige Zahl an Priestern, die die Bestattungen alleine nicht mehr leisten könne. Außerdem sind Messe und Beisetzung auf dem Friedhof sind nicht mehr die einzige Form, in der Menschen Abschied nehmen. „Viele können mit einer Messe nicht mehr viel anfangen“, sagt die Dürener Pastoralreferentin Maria Buttermann. Wenn bei einer Messe nur noch wenige die Gebete mitsprechen und niemand die Kommunion empfangen will, ist das kein schöner Rahmen für eine Trauerfeier. Die Hoffnung: Wenn sich die Formen ändern, können Menschen einen neuen Zugang zur Kirche finden – und die Kirche zu den Menschen.

Viele sind offen für die Botschaft

Buttermann und Straeten stellen immer wieder fest: Die Sehnsucht nach Seelsorge, die Suche nach Sinn und die Offenheit für die Glaubensbotschaft sind groß. Den Suchenden wollen sie Antworten anbieten – und das nicht nur im klassischen Rahmen der Exequien mit Pfarrer. „Wortgottesfeiern können wir freier gestalten, die Menschen brauchen weniger liturgisches Vorwissen“, erklärt Buttermann. Und so würden die Entwicklung des Priestermangels und die Gesellschaft zueinander passen. Nachfrage und Angebot pendeln sich ein.

Die Kirche verändert sich. Der Apparat mit Hierarchien und Besitztümern ist für viele abschreckend. Immer mehr distanzieren sich davon. Eine wichtige Etappe in dem Veränderungsprozess ist für die Personalreferentin die Frage: Wer ist die Kirche? „Das sind alle Getauften und Gefirmten“, macht sie auf einen erforderlichen Bewusstseinswandel aufmerksam. „Kirche kann nur als Kirche von unten überleben“ – davon ist auch Barbara Brüsselbach aus Selgersdorf überzeugt. Seit 2014 hat sie ehrenamtlich 104 Beerdigungen geleitet. Sie ist Teil der Bewusstseinsänderung, im Miteinander von Gemeinschaft und Geistlichen.

In der Eifel in den Anfängen

Wer eine Beerdigung ohne Auferstehungsbotschaft, ohne das Sprechen über Gott, sucht, der sucht bei dem Begräbnisdienst aber vergebens. „Ein katholisches Begräbnis gibt es nicht ohne den Bezug zur Religion. Wer das will, für den ist ein freier, aber eben kostenpflichtiger Trauerredner der richtige Ansprechpartner“, unterstreicht Maria Buttermann. Auch in den von Laien geleiteten Wortgottesfeiern, auf Wunsch mit Austeilung der Kommunion, gibt es einen festen Ritus. Kreuzzeichen, Weihwasser, der symbolische Wurf von Erde, Bibeltexte und ein Vater Unser gehören unumstößlich dazu. Während sich der Begräbnisdienst durch Laien in Düren und Jülich etabliert hat, steht er in der Eifel erst in den Anfängen. Auf dem Land müssen die Laien häufig auch etwas mehr um Akzeptanz kämpfen. Wenn es für den Verstorbenen oder die Angehörigen aber wichtig ist, dass ein Pfarrer die Beerdigung leitet, wird das meistens möglich gemacht.

Pastoralreferentin Maria Buttermann (l.), Pfarrer Anton Straeten und Barbara Brüsselbach, die ehrenamtlich Beerdigungen leitet. Maria Buttermann leistet diese auch als Laie im Hauptamt. Foto: ZVA/Sarah Maria Berners

Für Barbara Brüsselbach hatte der Gemeindereferent den Impuls gegeben, sie selbst war sich nicht sicher, ob sie mit der Trauer der Menschen gut zurechtkommt. Sie entschied sich, den Kurs mitzumachen – und danach weiter zu sehen. Sie blieb. „Die Ausbildung war sehr gut. Wir mussten uns sehr öffnen, unser Inneres nach außen kehren und uns mit dem eigenen Sterben und Verlusten auseinandersetzen, indem wir etwa unsere eigene Todesanzeige gestalten“, erklärt Barbara Brüsselbach. „Das alles ist wichtig, um offen auf Trauernde zugehen zu können, egal, was diese sagen oder nicht sagen.“

Mit dem Gewand Lasten ablegen

Der Kontakt mit den Trauernden habe dazu geführt, dass Barbara Brüsselbach ihr eigenes Leben noch mehr schätze und den Augenblick mehr genießen würde. Als Belastung empfindet sie die stete Konfrontation mit dem Tod und der Trauer nicht. „Wenn ich den Betroffenen die Möglichkeit gebe, ihre Trauer anzunehmen und sie zu bewältigen, dann hilft das auch mir. Dann kann ich die Last beiseitelegen, so wie ich nach der Beisetzung mein Gewand wieder ablege.“ Ein Gewand tragen fast alle Laien, um den kirchlichen Auftrag sichtbar zu machen. Natürlich gibt es auch tragische Todesfälle, die besonders zu Herzen gehen. „Dann erlebe ich die Kraft des Glaubens, den Trost darin“, sagt Brüsselbach, die für Kondolenzgespräch, Vorbereitung und Beisetzung rund zehn Stunden einplant.

Im Kondolenzgespräch geht es vor allem ums Zuhören, Trost spenden, Hoffnung schenken. Auch die Hoffnung auf die Auferstehung als elementaren Bestandteil des katholischen Glaubens. „Wir sind immer in einer Missionssituation“, schildert Maria Buttermann. Viele Menschen, denen die Laien im Bestattungsdienst begegnen, sind nicht mehr tief im Glauben verwurzelt. „Wir machen ihnen ein Angebot, bieten ihnen den Glauben und die Botschaft der Auferstehung an“, erklärt Pastoralreferentin Buttermann. In jedem Leben gebe es Spuren Gottes. Die Frage, was einen Menschen ausgemacht habe, sei eine Würdigung und damit Teil des Trostes.

(smb)
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