Düren: IG Metall verhandelt mit Dürener Leiharbeitsfirma

Düren : IG Metall verhandelt mit Dürener Leiharbeitsfirma

Wenige Tage ist es her, da protestierten Gewerkschafter bundesweit gegen Leiharbeit. Die ist für Gewerkschafter eher modernes Sklaventum denn Perspektive auf dem Weg in den ersten Arbeitsmarkt. Es gibt aber auch Ausnahmen. So verhandelt zum Beispiel die IG Metall mit dem Dürener Unternehmen Marx Automation über einen Tarifvertrag für Leiharbeiter.

Hartwig Marx, der in Düren ein Ingenieurbüro betreibt, ist im Juni 2009 in die Leiharbeit eingestiegen - obwohl er dem Thema eher kritisch gegenüber steht.

Übertariflicher Lohn

Für einen Großauftrag musste er damals kurzfristig 30 Leiharbeiter einstellen und stand vor der Alternative, sich bei einer Zeitarbeitsfirma zu bedienen - oder sich in dem Metier selbst zu engagieren. Er entschied sich für letzteres und zahlte von Anfang an einen übertariflichen Lohn.

Marx schloss sich der Initiative „Qualitätssiegel Zeitarbeit” an und verpflichtete sich so, keine Bezahlung unterhalb der Armutsgrenze zuzulassen, Mindestlöhne einzuhalten, Lohnfortzahlungsgesetze zu akzeptieren, Arbeits- und Gesundheitsschutzbestimmungen zu beachten, Arbeitnehmerrechte nicht zu behindern - kurz: all das, womit man Zeitarbeitsfirmen eher nicht in Verbindung bringt.

Seltenes Ideal

89 Leiharbeiter beschäftigt Marx Automation inzwischen. Die seien „motivierter und weniger krank”, so Marx, der mit seinem Engagement auch schon überregional für Aufmerksamkeit sorgte. In einem Beitrag des ZDF-Magazins „Frontal 21” wurde der Dürener als Unternehmer vorgestellt, der der dem selten gewordenen Ideal entspricht, ohne Geld des Staates zu wirtschaften.

Marx wird dabei mit dem Satz zitiert: „Es gilt, eine gesunde Mitte zu finden zwischen Werten, Mitarbeitern und Kapital. Ich bin nicht nur bedacht auf die Verzinsung meines Kapitals. Werte sind für mich wichtiger.”

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