Ideen für Projekte: Merzenich prescht bei Strukturwandel vor

Ideen zum Strukturwandel : Alt-Morschenich als Lernort der Zukunft

Die Symbolkraft des Hambacher Forstes will Merzenich nutzen, Signale für die Zukunft zu setzen. Bürgermeister Georg Gelhausen stellte am Donnerstag einen Maßnahmenkatalog vor, mit welchen Projekten die Gemeinde den Strukturwandel bewältigen und an die Fördertöpfe gelangen will. Eines davon: eine „bioökonomische Zukunftsstadt“ auf dem Areal des Ortes Morschenich-Alt.

Eigentlich wollte Gelhausen über die Projekte sprechen, die binnen acht Wochen zusammengestellt worden sind, und eine Vorreiterrolle im Rheinischen Revier übernehmen können. Die Ereignisse der vergangenen Monate am Hambacher Forst hallten jedoch immer noch nach. „Es kann nicht sein, dass der politische Streit auf unserem Rücken ausgetragen wurde und wir dann nicht als Gemeinde ausreichend beim Strukturwandel unterstützt werden“, drückte er seine Verwunderung über die Tatsache aus, dass Merzenich im Maßnahmenkatalog der Strukurkommission nur mit einem kleinen Projekt erwähnt wird.

Dem stellt Gelhausen nun eine Projektliste entgegen, von der er selbst sagt, dass man nicht alles umsetzen könne. „Ich möchte damit aber die öffentliche Diskussion anstoßen und die inzwischen herrschende Aufbruchstimmung nutzen“, sagte er. Zu den ambitionierten Zielen zählt auch, die UN-Klimakonferenz im Jahr 2035 in das Rheinische Revier und besonders nach Merzenich zu holen. In diesem Jahr soll der Verstromung von Braunkohle in Deutschland nach dem Papier der Kommission enden.

Sehr konkret sind die Pläne, mit dem Forschungszentrum Jülich ein gemeinsames Projekt unter dem Titel „Agribusiness 5.0“ auf den Weg zu bringen. Die landwirtschaftlichen Flächen auf dem Gemeindegebiet wollen Wissenschaftler dazu nutzen, ein Feldlabor aufzubauen, das laut Gelhausen „in dieser Form einmalig in der Welt“ sei. Auch der Ausbau des S-Bahnhofs Merzenich zur Mobilitätsstation mit Car-Sharing und Photovoltaik-Anlage könnte in naher Zukunft umgesetzt werden und ist schon im Planungsprozess.

Hinter vielen Projekten stehen allerdings noch Fragezeichen. Allen voran die Ideen für das Areal, das eigentlich dem Tagebau zum Opfer fallen sollte. Gelhausen machte deutlich: „Die Umsiedlung von Alt-Morschenich muss konsequent abgeschlossen werden, da sich das gesamte eigentliche Dorfleben schon im neuen Ort abspielt.“ Vom alten Ort sollen, so schlägt Merzenichs Bürgermeister vor, lediglich prägende Gebäude stehen bleiben. Der Ort, der ins Zentrum der Proteste am Tagebau Hambach rückte, soll zu einer bioökonomischen Vorzeigesiedlung, Ansiedlungsmöglichkeit für Start-zp-Unternehmen und Tagungs- und Schulungsort werden. Auch ein neuer Name ist bereits gefunden: Bürgewald. Dies setzt allersdings voraus, dass der Hambacher Forst, der übrigens als Erlebnisstätte mit Lehrpfad in den Plänen vorgesehen ist, wirklich stehen bleibt.

Foto: ZVA/Heinen, Thomas

Ein entscheidendes Wort hat in allen Fällen das Energieunternehmen RWE mitzureden. Gelhausen selbst macht keinen Hehl daraus, dass die meisten Flächen, von denen in den Projekten die Rede ist, dem Essener Konzern gehören. „Wir sind aber im engen Austausch, unsere Ideen sind RWE bekannt“, sagte Gelhausen. Darüber hinaus kann die Verwaltung im Merzenicher Rathaus die Projekte nicht allein stemmen. Die Gemeinde benötigt Geld und eben auch planerische Unterstützung. Diese soll nach dem Wunsch des Merzenicher Bürgermeisters aus Jülich von der Zukunftsagentur Rheinisches Revier kommen, die den Strukturwandel koordinieren soll. „Es ist sinnvoll, dort einen Pool mit Städteplanern zu installieren, die sämtliche Kommunen unterstützen, denn das personelle Problem, neben dem Tagesgeschäft auch den Strukturwandel zu bewältigen, haben alle betroffenen Kommunen“, teilte Gelhausen mit.

Die Projektliste sieht man im Merzenicher Rathaus nicht als Alleingang. Man habe sich vorher die vier Handlungsfelder der Zukunftsagentur und die bisherigen Pläne der anderen Kommunen angeschaut, hieß es. Man sei im ständigen Kontakt. Gemeinsame Projekte wie interkommunale Gewerbegebiete sind ohnehin weiter vorgesehen. Im Zuge des Strukturwandels hofft man zudem, Projekte, die sich bisher schwertaten, wie die Siedlung Ellebachaue, endlich umzusetzen. Dafür müssen auch die politischen Beschlüsse im Gemeinderat gefasst werden, ehe die Planungsverfahren in Gang gesetzt werden. Diese sollen beschleunigt werden. Die Projektliste der Gemeinde Merzenich entstand nach Aussage Gelhausens in acht Wochen.

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