Mordversuch gestanden: „Ich hasse Kinderschänder“

Mordversuch gestanden : „Ich hasse Kinderschänder“

Der 46-jährige An­dre J. muss sich seit Montag wegen versuchten Mordes vor dem Aachener Schwurgericht verantworten. Er soll einem Mitinsassen in der forensischen Abteilung der LVR-Klinik Düren am Silvestermorgen 2016 einen Kugelschreiber in den Hals gestoßen haben.

Der Mann überlebte die Attacke. Andre J. kam mit Fuß- und Handfesseln in den Gerichtssaal, er gilt als hochgefährlich, drei Beamte sicherten den Sitzungsaal.

Der Vorsitzende Richter Roland Klösgen hatte anfangs seine liebe Mühe mit dem Angeklagten. Erst nach einer halben Stunde gelang es Klösgen, den Monolog des 46-Jährigen zu unterbrechen und gezielte Fragen zu stellen. Dabei kam Widersprüchliches heraus. Andre J. hatte seine Freude daran gefunden, sich selbst als Opfer darzustellen.

Der Angeklagte verwickelte sich unaufhaltsam in Widersprüche, präsentierte abstruse Geschichten von Stimmen, die ihn verfolgten, und von vermeintlich echten Verfolgern, die ihn bei den Behörden und in den Kliniken angeschwärzt hätten. Nach gut eineinhalb Stunden gestand er dann wie aus dem Nichts die Tat, anscheinend hatte eine Formulierung des Vorsitzenden an seiner „Ehre“ gerüttelt. „Ich hasse Kinderschänder, ja, ich habe angekündigt, ihn zu töten.“

Andre J. hatte bereits im Januar 2014 in der Haft versucht, einen Mitgefangenen zu töten, das Motiv war „Hass auf Sexualstraftäter“, wie damals die Schwurgerichtskammer feststellte. Er war daraufhin im Juli 2015 wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt worden.

Die Taten ähneln sich wie ein Ei dem anderen. Damals benutzte er ein „Stichwerkzeug“, wie es im Urteil hieß, das er in den Hals des mutmaßlichen Sexualstraftäters rammte. Gutachter hatten verfügt, dass Andre J. in der Psychiatrie unterzubringen sei. Momentan befindet er sich wieder im normalen Strafvollzug. Ob das so bleibt, wird der psychiatrische Sachverständige Prof. Henning Saß (Aachen) zu befinden haben. Bei einem Verbleib im Gefängnis würde Andre J. allerdings die zeitlich nicht begrenzte Sicherungsverwahrung drohen.

(wos)