Vossenack: Hürtgenwaldmarsch: Erinnerung an blutige Kämpfe

Vossenack: Hürtgenwaldmarsch: Erinnerung an blutige Kämpfe

Schüsse hallen durch das Kalltal, Schreie, das Blut stockt in den Adern. Zum 31. Mal fand am Samstag der internationale Hürtgenwaldmarsch statt. Die Veranstaltung, an der diesmal gut 500 Menschen aus ganz Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Luxemburg und den USA teilnahmen, besteht aus mehreren Säulen, die alle dazu dienen, den Frieden in das Bewusstsein zu rufen.

Eine Säule bildet ein lebendiges Museum. Deutsche, Niederländer und Amerikaner beispielsweise decken sich rund ums Jahr mit historischem Material ein und deuten szenisch am Wegesrand an, was im Hürtgenwald geschah. Mit Platzpatronen wird geschossen, „Verwundete“ liegen im Gras. Als Blut wird zwar auf Kunstblut zurückgegriffen, die Wirkung der Szenen ist dennoch, gerade in diesem Umfeld, enorm.

Fritz Tillmanns aus Nideggen-Berg hat das damalige Grauen miterlebt. Auf seiner Mundharmonika spielte er „Lili Marleen“.

Henk Coehoorn aus dem niederländischen Winkel etwa stand, als amerikanischer Soldat des Zweiten Weltkriegs verkleidet, am Samstag auf einem Weg im Hürtgenwald, der zur Mestrenger Mühle führt. Er gehörte zu einer 32-köpfigen Laienschauspielergruppe, deren jüngstes Mitglied 17 Jahre alt ist. Der pensionierte Soldat und jetzige Mitarbeiter einer Justizbehörde war auf Einladung der Bundeswehr vor Ort, wie er berichtete. Henk Coehoorn sagt: „Keiner darf jemals vergessen, was hier geschah. Wir versuchen mit unserer Darstellung die Geschichte weiterzugeben, damit wir wissen, warum wir sagen: Nie wieder Krieg! Da weiß man die Freiheit zu schätzen.“

Der Marschtag, der in bewährter Kooperation von der Reservistenkameradschaft Hürtgenwald und dem Landeskommando Nordrhein-Westfalen der Bundeswehr ausgerichtet wurde, startete auf dem Sportplatz in Vossenack. Die angetretenen Teilnehmer wurden von Oberst Stefan Weber, dem Chef des Landeskommandos, von den stellvertretenden Hürtgendwalder Bürgermeistern Gilbert Hallmann und Franz-Josef Maus sowie von der ersten stellvertretenden Landrätin des Kreis Düren, Astrid Hohn, begrüßt. Stefan Weber unterstrich, dass die Reservisten ein immer stärkeres Gewicht erhalten in Zeiten, in denen die Bundeswehr in der Fläche nicht mehr so stark vertreten ist wie früher.

Franz-Josef Maus honorierte, dass 69 Jahre Frieden nicht möglich wären ohne Bundeswehr und Alliierte. Alleine durch ihre Existenz könne die Bundeswehr dazu beitragen, dass die außenpolitische Handlungsfähigkeit gesichert und die innere Stabilität sowie die Stabilität im europäischen Raum geleistet werde, sagte Astrid Hohn. Anschließend gingen die Teilnehmer die zehn, 20, 30 oder auch 40 Kilometer langen Wege rund um Vossenack ab.

Als Obergefreiter erlebte der in Nideggen-Berg lebende Fritz Tillmanns die Kriegszeit vom 8. bis zum 27. November 1944 an der Mestrenger Mühle. Als Gast nahm er am internationalen Hürtgenwaldmarsch teil. Herzlich umarmt wurde er von Niederländern und Amerikanern jeglicher Altersstufe, zu denen er ein sehr freundschaftliches und inniges Verhältnis pflegt. Fritz Tillmanns erinnerte sich noch einmal an die schreckliche Zeit. „Es war sehr schlechtes Wetter, damals im November“, beginnt er seinen Rückblick. Als Kompaniemelder kämpfte er sich mit Kameraden am 7. November 1944 durch den zerschossenen Wald von Schmidt aus in Richtung Mestrenger Mühle. Am Morgen des nächsten Tages lautete der Befehl, die Mühle anzugreifen. Drei amerikanische Panzer wurden zum Stützpunkt. In einem der Panzer übernachtete der Obergefreite. Von einem toten Unterarzt mit zerschossenem Gesicht und drei toten Amerikanern berichtet der Mann aus Berg. Und er erinnert sich an Erdnusskerne, die er im Panzerboden fand und die ihm ein wenig über den Hunger hinweg halfen, den er im Krieg kennenlernte. Nach seinen Schilderungen griff er zur Mundharmonika und spielte „Lili Marleen“.

(gkli)