Vossenack: Imker leitet Beitrag zur Sicherung der Bienenpopulation

Sicherung der Bienenpopulation : Ein Imker vermietet Bienevölker

Die meisten seiner Völker stehen noch bei Imker Ulrich Schnitzler in Vossenack. Doch das soll in Zukunft anders werden. Der Bienen- und Honigsachverständige will mit Unterstützung von Firmen, Vereinen, Verbänden und auch umweltbewussten Privatpersonen eine flächendeckende Bienenhaltung und ein Bestäubungsnetzwerk aufbauen.

Er spricht von einem Nachhaltigkeitsprojekt, das er „beewelcome“ getauft hat. Dahinter verbirgt sich die Idee, Bienenvölker gegen eine monatliche Gebühr ganzjährig zu vermieten, auch über den Winter, der den Insekten nichts ausmache. Lediglich die Anzahl der Insekten je Volk sinkt, von etwa 50.000 während der Sommermonate auf 5.000 bis 10.000 in der kalten Jahreszeit, wenn keine Pflanzen blühen. Schnitzler übernimmt dabei die komplette Betreuung und Pflege der Insekten, insbesondere sorgt er dafür, dass die Völker gesund bleiben und verhindert somit auch den Ausbruch der gefährlichen Faulbrut. „Die Mieter können ihre Völker als reine Bestäuber halten oder einfach nur einen Beitrag leisten, der Bienenpopulation in Deutschland zu helfen“, erklärt der 51-Jährige, der sich seit 2012 den kleinen Honigproduzenten verschrieben hat. Vorbild sei ein Kollege aus Bayern, der mittlerweile an die 300 Bienenvölker betreut und größtenteils vermietet hat.

Vor allem Firmen, die „an ihrem grünen Image“ arbeiten und etwas für die Umwelt tun wollen, will Schnitzler ansprechen. Ein Beispiel sei die Volksbank in Düren. Auf dem Dach der Filiale an der Kreuzstraße stehen bereits seit einem Jahr vier seiner Bienenvölker. Er kann sich aber auch vorstellen, dass Gemeinden, Hotels oder Interessenverbände als Partner infrage kommen. Und bevor sich naturbewusste Privatpersonen im Internet ein Bienenvolk zulegten, ohne zu wissen, welche Verantwortung und Arbeit damit verbunden ist, sollten auch sie über eine Miete oder Patenschaft nachdenken, die Schnitzler auch anbietet.

Geeignete Orte für einen Bienenstock zu finden, sollte nicht schwer sein, ist Schnitzler überzeugt. „Der Platz sollte gut erreichbar und möglichst sicher vor Frevel und Diebstahl sein“, erklärt der 51-Jährige. „Auch sollte niemand belästigt oder gefährdet werden“, schon gar nicht der Nachbar. Ein ruhiger Randplatz, eine ungenutzte Ecke auf dem Firmenhof oder ein brachliegendes Stück Gemeindeland wären neben einem Flachdach denkbare Orte, erklärt der Imker. Besonders blütenreiche Anpflanzungen in der unmittelbaren Nähe seien nicht erforderlich. „Die Bienen fliegen in einem Radius von bis zu drei Kilometern um ihren Stock, um Pollen und Nektar zu sammeln.“

Teil der Vereinbarung mit dem Imker ist auch, dass der Mieter des Stocks einen Teil des Honigs bekommt, seinen eigenen Honig sozusagen. „Mit eigenem Etikett ist dies für Firmen, Hotels und andere Institutionen sicher eine werbewirksame Geschenkidee“, ist Schnitzler überzeugt.

Mit dem Projekt will der Vosse­nacker dazu beitragen, wieder eine stabile, dezentrale und flächendeckende Bienenhaltung aufzubauen, so dass eine ordentliche Bestäubung der lokalen Kulturpflanzen gewährleistet wird. „Eine Konkurrenz zu Wildbienen, wie leider oftmals behauptet wird, besteht nicht“, erklärt der Experte. Zwar sei die Zahl der Bienenvölker in den vergangenen Jahren wieder gestiegen, der Stand der 80er Jahre sei aber noch lange nicht wieder erreicht, betont Schnitzler.  Monokulturen, Pestizide, Schädlinge und Krankheiten setzten den Bienen immer noch dramatisch zu.

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