Veruntreuung in Hürtgenwald: Carsten E. zu Gefängnisstrafe verurteilt

Veruntreuung im Rathaus : Ex-Beamter aus Hürtgenwald muss jahrelang in Haft

Mit ihren letzten Worten sprach Richterin Melanie Theiner zum Angeklagten Carsten E., es war einer der wenigen Momenten während der Urteilsverkündung, in denen der ehemalige Beamte der Gemeinde Hürtgenwald Theiner in die Augen sah.

Sie sagte eindringlich: „Es würde Ihnen gut zu Gesicht stehen, wenn Sie das erste Mal in dem Verfahren und endlich einmal Verantwortung übernehmen für das, was Sie getan haben. Nehmen Sie das Urteil an.“ Kurz zuvor hatte Theiner eine Freiheitsstrafe verkündet: Carsten E. muss wegen schwerer Untreue für vier Jahre und sechs Monate in Haft, weil er „mit besonderer Kreativität“ und „hoher krimineller Energie“ in 545 Fällen fast 600.000 Euro Steuergeld der Gemeinde Hürtgenwald veruntreut hat. Er habe seine Stellung als Beamter für die vielen Straftaten ausgenutzt. Damit schloss sie sich dem Plädoyer von Oberstaatsanwältin Anja Lütje an.

Im Anschluss an Theiners Worte herrschte Stille, ein gutes Dutzend Zuschauer verließ den Saal A1.018 des Aachener Landgerichts, Carsten E. und sein Anwalt Christian Franz reagierten nicht. Erst auf Anfrage der Redaktion sagte Franz rund zwei Stunden nach der Urteilsverkündung, dass er in Revision gehen und den Bundesgerichtshof in Karlsruhe mit dem Fall befassen wird.

In ihrer Begründung machte Richterin Theiner mehrfach deutlich, dass es im Prinzip keine relevanten strafmildernden Umstände gebe. „Es ist außerhalb jeder, aber wirklich jeder Begründbarkeit, dass eine Bewährungsstrafe in Betracht kommt.“ Der Anwalt des Angeklagten hatte eben darauf plädiert, er hielt eine zweijährige Bewährungsstrafe für seinen Mandanten für angemessen. Diese Ansicht begründete Christian Franz unter anderem damit, dass sein Mandant zu Beginn der Ermittlungen und am ersten Prozesstag ein Geständnis abgelegt habe.

Richterin Theiner war anderer Meinung, sie bewertete E.s Aussagen als „pauschales Geständnis“, das er während des Prozesses mehrfach und trotz eindringlicher Hinweise der Richterin abgeschwächt habe. Und zwar unter anderem, indem E. sich stetig darum bemühte, sich selbst „als kleinstes Licht“ darzustellen und anderen die vermeintliche Schuld an seinen Taten zuzuschieben. So etwa seinem ehemaligen Vorgesetzten, dem Kämmerer der Gemeinde Hürtgenwald.

„Der Mann hat anderthalb Jahre mit dem Makel gelebt, dass er nicht wusste, ob er mit seinen Unterschriften zu Ihren Taten beigetragen hat“, betonte Richterin Theiner. Die gezeigte Reue des Angeklagten bezeichnete die Richterin als „Taktik“ – sein Verhalten vor und während der Verhandlungen hätte nicht seinen Worten entsprochen.

Sämtliche Kollegen und Vorgesetzte, die die Kammer als Zeugen befragten, lehnten die Entschuldigung von Carsten E. ab. Der ehemalige gute Freund, dessen Konto E. in den Jahren 2013 und 2014 unter einem Vorwand für seine illegalen Machenschaften nutzte, sei mittlerweile „ein gebrochener Mann“; er begab sich nach der Hausdurchsuchung im Rahmen der Ermittlungen in psychiatrische Behandlung. Gegen ihn wurde – wie auch gegen die Eltern von E. - am Amtsgericht Düren Anklage wegen des Verdachts auf leichtfertige Geldwäsche erhoben.

Dem Gutachten des renommierten forensischen Psychiaters Henning Saß, früher Ärztlicher Leiter des Aachener Klinikums, hatte Theiner in ihrer Urteilsbegründung nichts hinzuzufügen. Die Kammer kam ebenso zu dem Schluss, dass er nicht aus einer Kaufsucht heraus gehandelt habe, sondern unter anderem, um sich sein „schönes Leben“ zu finanzieren. Das belegt zum Beispiel die Tatsache, dass E. sich mehr Bargeld als Waren verschafft hatte. „Es besteht auch kein Zweifel daran, dass der Angeklagte zwischen Recht und Unrecht unterscheiden konnte“, sagte Theiner.

Es fiel der Richterin nicht schwer, genügend Gründe aufzuzählen, dass E. sich während des Prozess noch mehr als ohnehin ins Abseits gestellt hat. Sie fand auch deutliche Worte für dessen Verteidiger: Franz‘ Verhalten sei grenzwertig gewesen, weil er sich beleidigend und despektierlich gegenüber der Kammer und des Sachverständigen verhalten habe. Beim nächsten Mal könne die Reaktion des Gerichts anders aussehen.

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