Seifenblasen-Figurentheater zu Gast am Franziskusgymnasium Vossenack

„Auf Latein, da fühlste doch nix“ : Seifenblasen-Figurentheater zu Gast am Franziskusgymnasium Vossenack

Das Seifenblasen-Figurentheater aus Meerbusch war schon mehrfach im Kloster-Kultur-Keller am Franziskusgymnasium in Vossenack zu Gast. Immer wieder überrascht es große und kleine Theaterfreunde mit seinen außergewöhnlichen Inszenierungen und den unterschiedlichsten Themen, mit wunderbaren Puppen und skurrilen Typen.

Diesmal hatte Elke Schmidt ein Thema aus der Antike aufgegriffen – verbotene Liebe – und es in der Nazizeit angesiedelt. Hannes und Paul sind dicke Freunde, sie marschieren zunächst mit, wenn aus dem Radio das Lied der Hitlerjugend ertönt: „Unsere Fahne flattert uns voran“.

In der Schule nehmen sie im Lateinunterricht die Tragödie „Pyramus und Thisbe“ des römischen Poeten Ovid durch. Hannes spielt den Pyramus und Paul die Thisbe, und auch in der Freizeit üben sie ihre Rollen. „Auf Latein, da fühlste doch nix“, sagt Hannes. Als sie auf Deutsch üben, erkennen die Beiden, dass es mehr ist als Freundschaft, was sie verbindet. Doch rasch wird ihnen klar, dass sie sich verstecken müssen, dass ihr Leben bedroht ist.

Die Spielerin übernimmt vier Rollen: die der Mutter, wozu sie keine Puppe braucht, die der beiden Jungen und die des Vaters. Das funktioniert nur, weil sie äußerst einfühlsam in die unterschiedlichen Rollen schlüpft, weil sie über eine sehr wandelbare Stimme verfügt und dabei eine meisterliche Puppenspielerin ist. Für Karl, den Vater, der ein rechthaberischer und herrschsüchtiger Nazi ist, setzt sie eine kratzige, dunkle Stimme im Befehlston ein, was den Typen noch unsympathischer macht. Die Jungen sprechen munter und jugendlich, und die Mutter weiß nicht, wo sie in ihrer unterwürfigen Art hingucken soll, haucht leise ihre Antworten und lässt sich „dusselige Kuh“ nennen, ohne zu widersprechen.

Manche Dialoge sind witzig, doch stets spürt man die Bedrohung. Und wie im antiken Drama kann auch die Geschichte von Hannes und Paul nicht gut ausgehen. Tragisch ist, dass die Mutter die Beiden erwischt; witzig und dem originellen Bühnenbild zu verdanken ist, dass die Jungs nackt in der Tischschublade liegen. Völlig entsetzt zeigt die Mutter Paul an und glaubt: „Alles wird wieder gut.“ Nichts wird gut, Hannes folgt Paul in den Tod.

Noch eine ganze Weile blieben viele Zuschauer und suchten das Gespräch mit Elke Schmidt; sie lobten ihre große Kunst und bedankten sich für diesen besonderen Theaterabend.

(ale)
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