Matinee im alten Forsthaus zu Franz Peter Kürten

Stadtmuseum und Kulturverein Höhenart : Auf den Spuren von Franz Peter Kürten

Mit einer Matinee im alten Forsthaus erinnerten das Stadtmuseum Düren und der Hürtgenwalder Kunst- und Kulturverein Höhenart an Franz Peter Kürten. Der 1891 geborene rheinische Poet, Vortragskünstler und Radiomoderator hinterließ seine Spuren auch in Düren.

Während im Junkerhaus in Simonskall noch bis zum 20. Oktober eine Ausstellung zu Leben und Werk des Wahl-Düreners zu sehen ist, hauchten verschiedene Vortragende nun den Gedichten und Liedern Kürtens neues Leben ein. „Franz Peter Kürten lebte von 1913 bis 1936 in Düren. Es ist erstaunlich, dass wir heute Josef Schregel und Joseph van der Giese kennen, aber Kürten überhaupt nicht im Bewusstein der Dürener ist. Das wollen wir ändern“, bemerkte Bernd Hahne, Vorsitzender des Trägervereins Stadtmuseum Düren zu Beginn. Bis vor einigen Monaten kannte auch das Team des Stadtmuseums Kürten noch nicht. Doch im Zuge der Forschungen zum Ersten Weltkrieg habe man auch den Heimatdichter entdeckt.

So rezitierte Hahne ein Kriegsgedicht, den Text „Drei Kreuze“ aus Kürtens erster Liedersammlung von 1915, die den Titel „Die Trommel rief“ trug und sich mit dem Leid der Soldaten während des Ersten Weltkriegs befasste. Franz Peter Kürten hat dieses Kriegsgeschehen als junger Soldat selbst miterlebt und nach einer Verwundung durch Granatsplitter und Streifschuss nicht nur eine schwere Kopfverletzung, sondern auch einen Nervenzusammenbruch erlitten, der in ein Nervenleiden mündete, das ihn bis zu seinem Tod im Jahre 1957 begleitete.

Aber auch Vergnügliches rezitierte Hahne wie das mit „Mir vam Rhing“ betitelte Gedicht über die rheinische Lebenslust. Der Experte für Mundart wies darauf hin, dass das Idiom Kürtens ein paar mundartliche „Knubbel“ enthielt, die ein wenig ungewöhnlich für das Dürener Platt seien. Ein Beispiel für eine solche Abwandlung sei der Gebrauch des Wortes „Livverling“, ein alter kölnischer Ausdruck für Lerche.

Die Portraits von Franz Peter Kürten. Foto: Stadtmuseum Düren / Anke Holgersson/Stadtmuseum Düren/Anke Holgersson

Die Leiterin des Stadtmuseums, Dr. Anne Krings, trug ebenfalls mit Rezitationen zum Gelingen der Matinee bei, genauso wie Franz Josef Neffgen und Rita Koerffer, die unter anderem einen der Schlehdornfrucht gewidmeten Prosatext vortrug. Die heißt – wie man erfahren konnte – im Rheinischen „Trecke Prumm“, weil sie dafür bekannt sei, einem den Hals zu zu schnüren oder eben „ze trecke“.

Rolf Terkatz, dem die Wiederentdeckung des Dichters Franz Peter Kürten beziehungsweise dessen Neuentdeckung für den Dürener Raum gelungen ist und der Motor für mehrere kürzlich erarbeitete Ausstellungen und Aufsätze über den Dichter war und ist, trug einige Lieder vor – gemeinsam mit Gerd Funk von den „Schweess Fööss“, der musikalisch durch die Matinee führte.

Der Antrieb zum Schreiben und Vortragen wurde Franz Peter Kürten wohl von seinem Vater vererbt, der im Kölner Hänneschen-Theater Sololieder zur Laute sang. Obwohl der Sohn lange eine kaufmännische Laufbahn verfolgte, nahm er früh Gesangs- und Sprechunterricht, was ihm später half, seine Karriere als Vortragskünstler und später Radiomoderator anzugehen. In seiner Dürener Zeit wurden einige Sendungen in Birkesdorf und Düren produziert. Für großen Wirbel sorgte ein Übertragungswagen, der 1928 – in den Kindertagen der Radioübertragung – die öffentliche Wiedergabe eines Konzertes aus Langenberg auf dem Kaiserplatz ermöglichte. Die Aktivitäten rund um diesen „Rundfunk-Werbewagen“ wurden von Kürten moderiert. Die Zeitung legte damals nahe, dass diese Art der Werbung ihre Wirkung nicht verfehlt haben und zu einen verstärkten Abverkauf der Geräte geführt haben dürfte. Später – in den 1950er Jahren – wurden über 250 Radiosendungen von und mit Kürten ausgestrahlt.

Die Portraits von Franz Peter Kürten. Foto: Stadtmuseum Düren / Anke Holgersson/Stadtmuseum Düren/Anke Holgersson

Diese Anekdoten findet man in der März-Ausgabe des Magazins „Spuren“ des Stadtmuseums. Darin beschäftigen sich Sarah Höner und Rolf Terkatz mit dem Leben und Wirken des rheinischen Dichters. Die Rolle von Franz Peter Kürten in der nationalsozialistischen Zeit lassen sie dabei nicht aus. Kürten war Mitglied der NSDAP und verdiente sein Geld zeitweise mit Vortragsabenden im Auftrag der NS-Organisation „Kraft durch Freude“. Seine Entnazifizierungsakte attestierte ihm jedoch eine unpolitische Haltung und entlastete ihn.

Nach seinem Tod wurde in Kürtens Geburts- und letztem Wohnort Köln-Dünnwald ein Weg nach ihm benannt und die Franz-Peter-Kürten-Medaille wird bis heute Künstlern verliehen, die sich um rheinisches Brauchtum und Mundart besonders verdient gemacht haben. 2015 ging dieser Preis an die Bläck Fööss.

Mit Ausstellung und Matinee ehrten das Stadtmuseum Düren und der Hürtgenwalder Kunst- und Kulturverein Höhenart den rheinischen Dichter und Wahldürener Franz Peter Kürten für ein halbes Jahrhundert, in dem er seinen Mitmenschen humorvoll aufs Maul und in die Seele geschaut und seine Heimat in Geschichten, Gedichten und Liedern verewigt hat.

(ah)