1. Lokales
  2. Düren
  3. Hürtgenwald

Hürtgenwaldmarsch erstmals mit Theaterstück

Gedenkveranstaltung : Hürtgenwaldmarsch erstmals mit Theaterstück

Rund 680 Soldaten, Reservisten und Zivilisten nahmen am 36. Internationalen Hürtgenwaldmarsch teil. Erstmals stand auch eine Theateraufführung auf dem zweitägigen Programm. In „Weltenbrand“ wurde das Grauen des Ersten Weltkriegs thematisiert.

Oberst Detlev-Konrad Adelmann, Stellvertretender Kommandeur und Chef des Stabes Landeskommando Nordrhein-Westfalen der Bundeswehr, zeigte sich entschlossen: „Die Bundeswehr ist offen genug, auch ein solches ziviles Theaterstück als Einstieg ins Thema zu zeigen“. Er konnte sich nicht daran erinnern, dass es in 36 Jahren, in denen der Internationale Hürtgenwaldmarsch veranstaltet wird, im Rahmenprogramm eine Bühnenaufführung wie jetzt vom Hamburger Theater Axensprung mit „Weltenbrand“ schon einmal gegeben hatte.

Erinnern, gedenken, mahnen

Doch vielleicht passte das auch zum neuen Motto der Traditionsveranstaltung in Vossenacks Ortsmitte, wo neben den großräumigen Parkplätzen auf einigen Wiesen eigens ein Festzelt aufgebaut worden war. Es lautet „Erinnern – Gedenken – Mahnen – Frieden und Freiheit erhalten“. 680 Soldaten, Reservisten und Zivilisten waren auf Einladung des Landeskommandos der Bundeswehr und der Reservistenvereinigung Hürtgenwald aus ganz NRW angereist.

Hürtgenwaldmarsch ist dabei wörtlich zu nehmen: Zivile und auch militärische Märsche – letzte mit 15 Kilogramm Gepäck – über bis zu 40 Kilometer Länge durch das einstige Kriegsgelände unterhalb von Vossenack werden angeboten.

Parallel wurden drei Aufführungen des Stückes „Weltenbrand“ des Theaters Axensprung gezeigt, eine davon schauten sich auch die FDP-Bundestagsabgeordnete Katharina Willkomm, der CDU-Landtagsabgeordnete Dr. Ralf Nolten und Andrea Wolff, Bezirksvorsitzende der Liberalen Frauen in Aachen, an. Das Stück erinnert an den Ersten Weltkrieg, als fast zehn Millionen Soldaten und fünf Millionen Zivilisten zwischen 1914 und 1918 in diesem ersten modernen Krieg Europas ihr Leben verloren. Die Schauspieler Oliver Hermann, Erik Schäffer und Markus Voigt spielten die Geschichte des Kriegsfreiwilligen Reisiger, basierend auf dem Roman „Heeresbericht“ (1930) von Edlef Koeppen.

Zudem konnten sich Interessierte auf dem Gelände zwischen dem Hürtgenwald-Museum und dem Sportplatz von Vossenack in verschiedenen „Szenen“ aus dem Kriegsgeschehen im September 1944 im Hürtgenwald in eine Art Zeitsprung begeben. In diesen „Settings“, dargestellt von Mitgliedern des internationalen Studienkreises „Historische Darsteller US-Army“, wurden Waffen erklärt, aufgebaute Militärzelte stellten das Leben hinter der Front nach. Leon Schumacher, Christoph Vanderheiden und Thoefikar Al-Baldwee aus Aachen und Eupen agierten in einer bis ins Detail getreuen damaligen Feldküche der US-Army, an der gerade zwei Erkundungssoldaten (Pioniere) verköstigt werden. Die Requisiten, bis hin zum originalen Militär-LKW, finden sie auf Trödelmärkten oder im Internet.

Für Oberst Adelmann war am Ende der zweitägige 36. Internationale Hürtgenwaldmarsch, der am vergangenen Freitag mit einer Kranzniederlegung an der Vossenacker Pfarrkirche zum Gedenken an die Gefallenen begonnen hatte und mit einem Abschlussappell am Samstag endete, ein Erfolg. „Die Zahl der Teilnehmer steigt weiter an“, so der Oberst, der klar stellte: „Der Hürtgenwaldmarsch ist weder eine Kirmes noch eine Militärhuldigung!“

Zusammenhänge herstellen

Wichtig sei ihm vielmehr bewusst zu machen, was in einem schon längst verlorenen Krieg im September 1944 in der Region geschah. Es seien eigentlich sinnlose Kämpfe zwischen alliierten Soldaten und der Wehrmacht gewesen, die viele Tote auch in der Zivilbevölkerung forderten. Ganze Dörfer wurden vernichtet.

Man wolle heute, 75 Jahre später, mit dem Hürtgenwaldmarsch den „militärhistorischen, den gesellschaftspolitischen und den lokalen Zusammenhang herstellen“, so Adelmann: „Es betrifft auch die junge Generation, die lernen soll, dass was damals passiert ist sich nie wiederholen darf.“