1. Lokales
  2. Düren
  3. Hürtgenwald

Deutliche Niederlage: CDU erhält die „Quittung für die Vergangenheit“

Deutliche Niederlage : CDU erhält die „Quittung für die Vergangenheit“

Stefan Grießhaber beerbt in Hürtgenwald Langzeit-Bürgermeister Axel Buch nicht. Als Grund für die harte Niederlage gegen den parteilosen Andreas Claßen sieht der CDU-Vorsitzende nicht fehlendes Engagement oder falsche Themen, sondern die allgemeine „Wechselstimmung“.

Im Kreishaus fiel das Wort „Desaster“, als Landrat Wolfgang Spelthahn das Ergebnis der CDU in Hürtgenwald sah. Trotz seines erneuten Sieges auf Kreisebene verstimmte ihn das christdemokratische Bild im großen Ganzen – inklusive der Stadt Düren.

Parteikollege Stefan Grießhaber beerbt in Hürtgenwald nicht Axel Buch, mit 1524 Stimmen hat er nur rund die Hälfte derer des neuen parteilosen Bürgermeisters Andreas Claßen (3159) geholt. „Diese Deutlichkeit habe ich nicht erwartet“, sagte Grießhaber an einem Wahlabend, an dem die Enttäuschung sichtbar in seinen Augen lag. „Ich hatte die schwierigste Ausgangslage im ganzen Kreis, weil mein Konkurrent von drei Parteien und einer Fraktion unterstützt wurde.“ Es habe nicht an fehlendem Engagement oder den falschen Themen gelegen, sagte der Hürtgenwalder CDU-Vorsitzende und zweiter Mann im Rathaus.

Ursprung für den klaren Wechsel an der Verwaltungsspitze sei für den 46-Jährigen die „Wechselstimmung“ in der Gemeinde gewesen. „Nach 21 Jahren CDU wollten die Bürgerinnen und Bürger jemand anderen als Bürgermeister. Ich denke, dass viele Entscheidungen in der Vergangenheit ausschließlich der CDU angelastet wurden“, sagte Grießhaber und betonte: „Das Ergebnis sehe ich eher als Quittung, als dass die Bevölkerung sich für den entschieden hat, der die Herausforderungen der kommenden fünf Jahre am besten bewältigen kann.“

Die zwei ausschlaggebenden Beschlüsse für den Stimmungswechsel seien gewesen: die zunächst geplante Schließung des Schulstandortes Bergstein und die Erhöhung der Grundsteuer. „Die Entscheidungen wurden quer durch alle Fraktionen getragen“, betonte Grießhaber. Die Steuerveruntreuung eines ehemaligen Mitarbeiters habe seiner Ansicht nach nur einen nicht bezifferbaren und keineswegs entscheidenden Anteil am schlechten Ergebnis der CDU gehabt. Die Union hat im Vergleich zu 2014 (49 Prozent) deutlich an Stimmen (33 Prozent) und Sitzen (zehn statt 13) verloren. SPD, Grüne, FDP und die Freien kommen nun auf 20 Sitze. Grießhaber: „Wir gehen natürlich davon aus, dass sich daraus eine Vierer-Konstellation bildet und niemand auf die CDU zukommt.“

Andreas Claßen wird ab November nun der neue Vorgesetzte von Stefan Grießhaber im Rathaus sein. Die beiden hatten sich bereits vor 25 Jahren während der Ausbildung in Düren in einer Stadtverwaltung kennengelernt. Grießhaber verlor alle 16 Wahlkreise gegen seinen 54-jährigen Konkurrenten – also auch seinen Heimatort Gey. „Das verstärkt die Enttäuschung natürlich“, sagte Grießhaber.