Hürtgenwald: Probleme am Papiercontainer des BSV Gey

Probleme am Papiercontainer: Der BSV Gey filmt Müllsünder am Sportplatz

Im und vorm Papiercontainer des BSV Gey landen oft große Mengen Unrat, auch Kühlschränke und Küchenzeilen – manchmal inklusive Adressen der Entsorger. Die werden aber nur belangt, wenn man sie in flagranti erwischt. Der Vorsitzende des Fußballvereins fährt auch gerne mal zu den Adressen, die er im Müll findet.

Was Ulrich Abschlag auf den Videos der Überwachungskameras gesehen hat, erinnert ihn an Szenen aus Spielfilmen. Transporter fahren vor, eine Person schiebt Wache, die andere lädt haufenweise Müll ab. Der Papiercontainer in Gey ist beliebt bei Menschen, die anscheinend zu Hause keinen Platz für ihren Unrat haben oder ihn nicht da entsorgen wollen, wo er hingehört. Farbeimer, Staubsauger, Reifen, Kühlschränke und Küchenzeilen haben in und vor einem Papiercontainer nichts zu suchen, das sagt allein der Name. Nur ist es bequemer und mitunter viel günstiger, die Überreste einer Renovierung oder Entrümpelung dort unerkannt abzulagern als sie bei einem Entsorgungszentrum wie in Horm oder Düren abzugeben.

Der Container steht am Sportplatz des BSV Gey, Ulrich Abschlag ist der Vorsitzende des Fußballvereins. Der Platz liegt abgeschieden am Ortsrand. Der Förderverein des BSV nutzt ihn, um die Jugendarbeit mit den Erlösen aus dem Altpapier zu unterstützen. Ist der Container nicht nur mit Papier gefüllt, sinkt der Erlös pro Ladung. Dass er nun seit Monaten von Kameras überwacht wird, beweist eindrücklich, wie groß das Problem seit Jahren ist. „Die Situation ist mit der Überwachung deutlich besser geworden“, sagt Ulrich Abschlag – aber das Problem ist nicht gelöst.

Auf Facebook veröffentlicht

Der Verein hat auch Bilder vom Transporter eines Müllsünders auf Facebook veröffentlicht, in der Hoffnung, „dass die betroffene Person es sieht“, wie zu lesen ist. Abschreckung dieser Form soll ein Mittel gegen die Müllsünder sein, denn nur wer bei der Tat erwischt wird, hat mit einem Bußgeld zu rechnen. Das liegt je nach Art und Größe des Mülls bei bis zu 100 Euro, erklärt Frank Heidbüchel, der Leiter des Hürtgenwalder Ordnungsamtes. Wenn das Amt noch ausrücken muss, um den Müll zu entsorgen, kommen an die 150 Euro oben drauf.

Ein Fall vom Jahresanfang liegt dagegen in einer anderen Kategorie: Am Honighecken-Parkplatz in Großhau wurde ein Fass mit etwa 50 Litern unbekannter Flüssigkeit abgestellt. „Die Entsorgung hat die Gemeinde über die Spezialfirma in Köln bereits rund 1 000 Euro gekostet“, sagt Heidbüchel, der Verursacher müsste mit einem Bußgeld von mehreren Hundert Euro rechnen.

Nach Auswertung der Kamerabilder hat der Verein auch eine Strafanzeige gestellt. Das Verfahren wurde aber wegen „geringer Schuld“ (unter anderem ging es um zwei Farbeimer) eingestellt, teilte die Staatsanwaltschaft auf Anfrage mit. Aber Ulrich Abschlag scheut sich nicht, den direkten Kontakt zu den mutmaßlichen Übeltätern zu suchen. Denn manche entsorgen zwar ihren Unrat, ohne in fligranti erwischt zu werden, aber in den Kartons stecken Rechnungen, Kontoauszüge, Adressen. 

Seit der Platz per Video überwacht wird, hat sich die Lage gebessert, aber nicht erledigt, sagt der BSV Gey. Foto: ZVA/Carsten Rose

„Ich habe den Leuten schon oft das ganze Zeug vor die Tür gesetzt – und dann reagieren die auch noch pampig“, sagt Ulrich Abschlag. Selbst wenn sich aber Adressen und Namen finden, heißt das nicht automatisch, dass die Personen auch mit einer Anzeige belangt werden können. Solche mutmaßlich eindeutigen Hinweise sind lediglich Indizien, keine Beweise. Wer nicht am Papiercontainer gesehen worden ist, kann alles bestreiten, denn der Müll kann theoretisch auch über andere Wege dort landen.

Geht man davon aus, dass die gefundenen Adressen auch immer die der Müllbesitzer sind, kommen sie nach Angaben von Ulrich Abschlag in den allermeisten Fällen nicht aus der Gemeinde Hürtgenwald und auch nicht aus Gey selbst. Zwar sei der Müll ab und an mutmaßlich aus den Nachbarorten Horm und Straß, die Spuren führen jedoch oft in die Gemeinde Kreuzau und nach Düren. „Wenn man sich die Adressen anschaut, ist der Weg nach Gey weiter als zum Beispiel zur Entsorgungsstelle des Dürener Service Betriebes“, sagt Ulrich Abschlag.

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