Niederzier: Hospizarbeit ist „Sinnerfüllung“ von Gerda Grafs Leben

Niederzier: Hospizarbeit ist „Sinnerfüllung“ von Gerda Grafs Leben

Nein, als Workaholic würde sie sich nicht bezeichnen. „Das ist mir ein zu negativ besetzter Begriff“, sagt Gerda Graf. Und ihre Arbeit empfindet die Droverin schließlich als großes Glück: „Diese Arbeit ist die Sinnerfüllung meines Lebens.“

Bestimmendes Thema des Wirkens der Geschäftsführerin der Wohnanlage Sophienhof in Niederzier ist die Betreuung und Pflege alter und sterbender Menschen.

Auf dem Gebiet der Hospizarbeit hat sie viel bewegt, im Kleinen wie im Großen: So war sie Mitbegründerin der ambulanten Hospizbewegung Düren-Jülich (seit 1993 ist sie hier die stellvertretende Vorsitzende) und baute ein stationäres Hospiz in Lendersdorf auf. Fast zehn Jahre stand Gerda Graf dem Deutschen Hospiz- und Palliativverband (DHPV) als ehrenamtliche Vorsitzende vor. In dieser Funktion wirkte sie daran mit, dass auf Bundesebene Gesetze verabschiedet wurden und parteiübergreifend die Hospizidee anerkannt und umgesetzt wurde.

Die 61-Jährige als Pionierin auf dem Gebiet der Hospizarbeit zu bezeichnen, ist somit nicht zu weit hergeholt, die Auszeichnung mit dem Bundesverdienstkreuz vor sieben Jahren zeugt von ihrem großen Engagement für ein Sterben in Würde. „Die Hospizarbeit ist kein Einzelkämpfertum. Wenn man nicht viele um sich herum hat, die mithelfen und sich auch ehrenamtlich engagieren, kann es nicht gelingen“, meint Gerda Graf.

Besonders viele hilfsbereite und motivierte Menschen hat Graf an der Rur vorgefunden: „Wenn ich sehe, wie viele Menschen und Institutionen sich in Düren der Hospizbewegung geöffnet haben, dann kann man Aussage von Bürgermeister Paul Larue ,Düren ist eine soziale Stadt´ nur unterstreichen.“ Die Strukturen und Netzwerke, die mittlerweile im Kreis Düren entstanden sind, seien etwas ganz besonderes, so Gerda Graf weiter.

Die tagtägliche Arbeit mit Leidenden und Sterbenden — für viele Menschen wäre das wohl bedrückend. Gerda Graf legt den Fokus hier jedoch auf das Leben: „Es geht nicht nur um den Sterbensprozess, sondern ganz viel um ein gutes Leben und die Menschen so zu begleiten, dass sie in ihrer letzten Lebensphase noch einmal etwas Schönes erleben.“ Entscheidend sei dabei die Begegnung mit den Menschen und die Erfahrungen, die diese mit sich bringen würden. Gerda Graf: „Es ist schön in menschlichen Begegnungen zu erfahren, was die Menschen brauchen. Wenn man sieht, da kann man noch was tun, dann ist das eine Gnade dem Leben gegenüber.“

Wenn es um die Menschen geht, ist Gerda Graf stets wissbegierig: Was bewegt sie? Wo gibt es vielleicht Hilfestellungen, kleine Ansätze und Impulse? So kann ein guter Arbeitstag für die Geschäftsführerin des Sophienhofs auch aus neuen Erkenntnissen und Erfahrungen für sich selbst und für andere resultieren. Der Fürsorgegedanke, das Ziel für andere da zu sein, ob Bewohner des Sophienhofs oder Mitarbeiter, steht dabei im Zentrum. Zeit für die persönliche Betreuung von Betroffenen ist immer vorhanden, da muss auch ein Zeitungsinterview mal warten.

Noch nicht am Ziel

Am Ende ihrer Arbeit sieht sich Gerda Graf noch lange nicht, so sieht sie noch großen Handlungsbedarf im ambulanten Bereich der Hospizarbeit: „Über 90 Prozent der Menschen wollen zu Hause sterben, um dies zu ermöglichen, gibt es noch einiges zu tun, da muss die Gesellschaft Strukturen bereitstellen.“ Angesichts weg brechender traditioneller Familienstrukturen müsse die Gesellschaft lernen, sich mehr zu unterstützen. „Wir müssen wieder zu einem ethischen Miteinander kommen“, so Graf.

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