Holzwurm frisst sich durch das Heimatmuseum in Merzenich

Löcher und rieselndes Holz : Holzwurm frisst sich durch das Heimatmuseum der Gemeinde Merzenich

Der gemeine Holzwurm zwingt die Gemeinde Merzenich zum schnellen Handeln: Weil das Heimatmuseum von dem Nagekäfer und seinen Larven befallen ist, hat Bürgermeister Georg Gelhausen (CDU) jetzt 30.000 Euro in den Gemeindehaushalt für 2019 eingestellt.

Zu Gesicht bekommt man den Käfer oder seine Larven eher nicht, aber das Ergebnis seiner Arbeit: Löcher und rieselndes Holz. Entdeckt wurden die Schäden bereits vor einem halben Jahr. Die Gemeinde hat daraufhin den Landschaftsverband Rheinland eingeschaltet, weil das Gebäude unter Denkmalschutz steht .

Gelhausen: „Ein Gutachter ist dann zu dem Ergebnis gekommen, dass dringender Handlungsbedarf gegeben ist. Auch wenn kein akutes Risiko besteht, müssen wir jetzt handeln, weil es sonst noch teurer wird.“ Betroffen ist unter anderem ein tragender Dachbalken in der Scheune des Museums, der zumindest in Teilen ersetzt werden muss. Auch im vorderen Fachwerkhaus frisst sich der Holzwurm durch die Wände. Hinzu kommt dort noch ein Wasserschaden beziehungsweise Feuchtigkeit in den Wänden. Hier droht zudem noch die Gefahr von Schimmel- oder Schwammbildung.

Als Lösung schlägt der Gutachter vor, dass Gebäude teilweise „einzupacken“ und so zu beheizen, dass Käfer und Larven absterben. Das soll nach Angaben des Bürgermeisters im Frühjahr im Angriff genommen werden. „Jetzt im Dezember findet im Museum noch der Weihnachtsbasar und Weihnachtsfeiern statt, erst im März geht es dann mit den Veranstaltungen weiter“, sagt Günther Hamboch, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins, der das Museum ehrenamtlich betreibt. „Für den Rest des Jahres sind wir dann schon komplett ausgebucht.“ Wie wichtig das Heimatmuseum für die kleine Gemeinde ist, betont auch der Bürgermeister: „Es ist für uns ein wichtiger Schatz und ein Treffpunkt für wirklich gute Veranstaltungen.“

Erste Angebote für die geplante Thermobehandlung sollen jetzt von den entsprechenden Firmen eingeholt werden. Im Idealfall führt die Form der Behandlung auch dazu, dass die Feuchtigkeit aus den Wänden herausgeholt werden kann. Unabhängig davon müssen aber zumindest beim Fachwerkhaus auch bauliche Eingriffe vorgenommen werden, um die erneute Bildung von Feuchtigkeit im Gebäude künftig auszuschließen.

Von dem Holzwurm ist aber auch ein Teil des Mobiliars betroffen. „Wir werden alles Bewegliche und Befallene aus dem Museum herausnehmen und sortieren müssen“, sagt Gelhausen. „Wir werden uns da auch von Dingen trennen müssen, die wir nicht mehr benötigen.“ Ein Großteil der Ausstellungsstücke stammt aus Haushaltsauflösungen. Die Objekte werden der Gemeinde also angeboten. Hier wird man künftig darauf achten müssen, dass man sich bei der Annahme neuer Objekte nicht durch die Hintertür wieder den Nagekäfer einfängt. Befallene Objekte, auf die man nicht verzichten will, sollen ebenfalls thermobehandelt werden, um sie künftig weiter nutzen zu können.

Was genau an Kosten auf die Gemeinde zukommt, kann Gelhausen momentan noch nicht beziffern. Er hat parallel einen Antrag auf Bezuschussung der notwendigen Maßnahme für das denkmalgeschützte Gebäude gestellt und geht deshalb davon aus, dass eine Finanzierung mit dem bereitgestellten Eigenanteil zu stemmen ist. Weitere Kosten werden aber folgen. Gelhausen will die Empfehlung des Gutachters umsetzen, dass Gebäude künftig regelmäßig auf einen Befall zu untersuchen, damit man frühzeitig Schäden vorbeugen kann.

Und er geht davon aus, dass dies auch vermehrt weitere Gebäude betreffen könnte: „Wir erleben einen Klimawandel mit feuchteren Sommern und nicht mehr so kalten Wintern. Feuchte Stellen und Schwamm in Denkmälern können zunehmen, auch der Befall durch die Holzwürmer.“

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