„Holz Leisten“ in Düren schließt nach 168 Jahren

Abschied aus Altersgründen : „Holz Leisten“ in Düren schließt nach 168 Jahren

Wenn Gertrud Leisten und ihre Schwester Ursula dieser Tage durch die Ausstellungs- und Verkaufsräume gehen, schwingt eine gehörige Portion Wehmut mit. In wenigen Wochen werden sie die Türen „An der Garnbleiche“ für immer schließen. Dann ist das Familienunternehmen „Holz Leisten“ Vergangenheit.

Ein Stück Dürener Handwerks- und Einzelhandelsgeschichte geht zu Ende – nach 168 Jahren und vier Generationen. Seit Wochen bereits läuft im größten Holzfachhandel der Stadt der Räumungsverkauf. „Wir sind aber nicht insolvent“, betont Ursula Sharif. Jahrelang haben die beiden Schwestern mit ihrem breiten Sortiment rund um die Themen Bauen, Wohnen und Einrichten mit Holz erfolgreich der ständig wachsenden Konkurrenz der großen Baumärkte in der Nachbarschaft und des Internets mit individuellen Lösungen für den Kunden getrotzt.

Auch wenn die „Selbstständigkeit nicht immer ein Zuckerschlecken war“, erklärt Gertrud Leisten und heute viele Kunden mit im Internet gefundenen Preisen ins Geschäft kämen. Mittlerweile aber haben die beiden rüstigen Frauen das Rentenalter erreicht, so dass bei ihnen bereits vor einiger Zeit der Gedanke reifte, das Geschäft zu schließen. „Die Kinder haben sich anderweitig orientiert“, berichten die Schwestern. Und ein Nachfolger aus der Branche war nicht in Sicht.

Die Geschichte des Familienunternehmens begann 1850 mit dem Urgroßvater der heutigen Inhaberinnen, der an der Rurstraße ein Sägewerk errichtete. Dort brachte er das mit Pferd und Wagen aus der Eifel angelieferte Holz für die Schreiner der Umgebung in Form. Von der Rurstraße ging es für den Betrieb zunächst an die heutige Valenciennier Straße, bevor sich der Vater von Gertrud und Ursula Leisten im Sog des Wirtschaftswunders der Wiederaufbaujahre zur weiteren Expansion entschloss.

Das Unternehmen „An der Garnbleiche“ in den 90er Jahren. Foto: Gertrud Leisten/Privat

Er kaufte das rund 14.000 Quadratmeter große Areal „An der Garnbleiche“, dem ersten Gewerbegebiet der Stadt Düren nach dem Zweiten Weltkrieg. Eine geschichtsträchtige Stätte, schließlich handelt es sich um das Areal, auf dem nach dem verheerenden Luftangriff auf Düren im November 1944 die Überreste der niedergebrannten Stadt entsorgt wurden.

Anton Leisten erweiterte den Betrieb, begann mit dem vertrieb von Fertigelementen und wurde damit Stück für Stück zum Konkurrenten der Schreinereien, die er belieferte. Nach dem Tod ihres Vaters schlossen die beiden Schwestern im Jahr 1993 das Sägewerk und konzentrierten sich seitdem ganz auf den Handel mit hochwertigen Holzprodukten für den Innen- und Außenausbau. Seit 1986 ist „Holz Leisten“ Mitglied der Holzland-Gruppe, einer Kooperation, der europaweit mehr als 450 Fachmärkte angehören. In Spitzenzeiten beschäftigte das Familienunternehmen gut ein Dutzend Beschäftigte. Den Räumungsverkauf dieser Tage meistern die Schwestern im Alleingang. Und parallel suchen sie derzeit schweren Herzens nach Nachmietern. Sie wollen die Gebäude und Freiflächen verpachten.

„Der Entschluss, das Geschäft zu schließen, ist uns nicht leicht gefallen“, berichten die beiden, schließlich bestimmte Holz ihr ganzes Leben. Schon als Kinder spielten sie auf dem Gelände des Sägewerks – trotz des elterlichen Verbots. Aber es gab keine Alternative, in wenigen Wochen – der genaue Termin steht noch nicht fest – endet das Kapitel „Holz Leisten“ in der Dürener Geschichte.

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