Düren: Hoeschplatz: Besondere Architektur ist erwünscht

Düren : Hoeschplatz: Besondere Architektur ist erwünscht

Wäre der Hoeschplatz im Herzen der Stadt kein Parkplatz, sondern ein Auto, würde Stadtplaner Dr. Harald Heinz das Gaspedal ganz durchtreten. „Am liebsten sofort“, lautet seine Antwort auf die Frage, wann die im Masterplan der Stadt vorgesehene Bebauung des Platzes in Angriff genommen werden soll.

Zwar gibt es seit der letzten Sitzung des Rates vor den Sommerferien den notwendigen Grundsatzbeschluss, das städtische Grundstück zu veräußern und zur Gestaltung einen entsprechenden Wettbewerb zu veranstalten, wichtige Vorgaben fehlen allerdings noch.

Unstrittig ist, dass — wie im Masterplan formuliert — an dieser Stelle eine Mischung aus Wohnen, Dienstleistung und Gastronomie realisiert werden soll. Gerade beim Thema Wohnen sieht Harald Heinz nun noch Klärungsbedarf. So war zwar immer die Rede davon, dass dort hochwertiger Wohnraum geschaffen werden soll, die Frage, was aber genau hochwertigen Wohnraum auszeichne, habe man bisher nicht definiert.

„Diese Diskussion gibt es ja nicht, weil Düren besondere Wohnungen benötigt, sondern weil man eine neue Klientel in die Stadt locken will“, bemerkt Heinz. Seine Schlussfolgerung: Wer locken will, schafft das nicht mit goldenen Wasserhähnen, sondern mit Ideen und Konzepten.

Nachhaltiges Bauen

Heinz könnte sich zum Beispiel vorstellen, den Begriff des „hochwertigen Wohnraums“ mit Nachhaltigkeit zu verbinden. „Eine Vorgabe könnte sein, ein energieautarkes Gebäude zu erstellen. Vielleicht auch in Verbindung mit den Stadtwerken“, wirft er eine Idee in den Raum und freut sich gleichzeitig über eine andere Anregung: Wohnungen, die heute so gebaut werden, dass man im Alter beispielsweise für eine dann notwendige Pflegerin einen Teil baulich abtrennen kann.

Eine Idee, die jüngst CDU-Vorsitzender Thomas Floßdorf vorgeschlagen hatte. „Genau solche Ideen brauchen wir. Und es ist sinnvoll, über weitere Anforderungen zu diskutieren. Ich habe auch den Eindruck, dass die Investoren für solche Anregungen offen sind“, sagt Heinz.

Drei potenzielle Investoren gibt es, die den Hoeschplatz bebauen möchten. Rund 4800 Quadratmeter stehen zur Verfügung, neben der Parkplatzfläche auch das Dreieck zwischen August-Klotz-Straße, Parkplatz und Marienkirche. Der Museumsvorplatz mit der Steinskulptur von Ulrich Rückriem wird nicht verändert. Das Exposé von Juni 2017 sieht zudem vor, die frühere Promenade entlang der Stadtmauer in einer zeitgemäßen Form wieder herzustellen und mit Wasserflächen an den mittelalterlichen Wallgraben zu erinnern.

„Ein Filetstück“

Realistisch sind bei dem Bauprojekt um die 13.000 Quadratmeter Nutzfläche auf drei bis vier Geschossen. Ein gastronomischer Bereich könnte im vorderen Dreieck zur August-Klotz-Straße mit Blick auf das Museum angesiedelt werden. Hinzu soll eine eingeschossige Tiefgarage kommen, die neue Parkplätze schaffen und die bisherigen ersetzen soll. Genau dieser Punkt löst Diskussionen aus: Die Stadt hat den Verkehrswert des Grundstücks ermitteln lassen, mit dem die Fraktionen allerdings nicht einverstanden sind, weil er ihnen zu niedrig erscheint. „Der Kaufpreis stimmt nicht“, sagt etwa Linken-Fraktionsvorsitzender Valentin Veithen deutlich.

„Wenn ich bedenke, dass wir mit dem Parkplatz jedes Jahr 350.000 Euro einnehmen, hätte ich gerne den zehnfachen Wert.“ Eine Kritik, die auch CDU-Vorsitzender Thomas Floßdorf nachvollziehen kann: „Es ist das letzte innerstädtische Filetstück, das hat einen besonderen Wert.“ Andererseits will Floßdorf potenzielle Investoren nicht mit zu hohen Preisen verschrecken, hat aber noch eine andere Idee. Aus seiner Sicht könnte es Sinn ergeben, wenn die Stadt die Tiefgarage selbst bauen und dann auch betreiben würde.

Zumal Floßdorf auch in einem anderen Punkt noch mehr oder weniger laut nachdenkt. Bisher ist vorgesehen, dass die drei Investoren, die Interesse an dem Projekt bekundet haben, an dem Gestaltungswettbewerb teilnehmen. Floßdorf kann sich noch eine zusätzliche Alternative vorstellen. Aus seiner Sicht spräche nichts dagegen, wenn sich auch der Dürener Bauverein an dem Wettbewerb beteiligen würde.

Und noch ein anderer Punkt gehört auf die Tagesordnung, bevor der Wettbewerb gestartet wird. Trotz Masterplan und zahlreicher Bauprojekte fehlt Düren nach wie vor eine Art Leuchturmprojekt. „Eine besondere Architektur wäre an dieser Stelle wichtig“, sagt Stadtplaner Harald Heinz. „Ich wünsche mir einen Entwurf, der auf die Qualität dieses Raumes eingeht“, betont er.

Freie Blickachse?

Auch bei diesem Punkt sind noch Fragen offen. Soll der Bau, wie im Exposé vorgeschlagen, den Hoeschplatz einfassen? Oder könnte es Sinn ergeben, die Blickachse von der Lessingstraße auf die Marienkirche freizulassen? Den Einwand, dass die von den Investoren bezahlten Architekten allein schon aus Kostengründen nicht zu einem architektonisch besonderen Entwurf neigen würden, weist Heinz zurück: „Wirtschaftlichkeit und Qualität müssen kein Widerspruch sein. Und wenn drei Architekten ihre Entwürfe abgeben können, werden sie auch den Ehrgeiz haben, den Auftrag zu bekommen.“

Sein „so schnell wie möglich“ kann Heinz bei der Planung nur begrenzt beeinflussen. In Teilen ist die Politik gefragt, Antworten auf die noch offenen Fragen zu geben, in anderen Bereichen der Gestaltungsbeirat der Stadt. „Mein Wunsch ist, dass es in diesem Jahr noch mit dem Wettbewerb losgeht.“ Dafür müssen andere das Gaspedal durchtreten.

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