Hoesch-Museum kauft NS-Raubkunst zurück

Bedeutender Expressionist : Hoesch-Museum kauft NS-Raubkunst zurück

Weil es als Raubkunst der Nazis identifiziert wurde, hat das Leopold-Hoesch-Museum das wertvolle Ölgemälde „Ostsee“ von Schmidt-Rottluff an seinen rechtmäßigen Erben zurückgegeben und dann gekauft.

Im Rahmen eines knapp zweieinhalb Jahre dauernden Projektes hat der renommierte Provenienzforscher Kai Artinger mehr als 2000 Werke des Dürener Leopold-Hoesch-Museums untersucht. Das Ergebnis: 179 Druckgrafiken und Handzeichnungen sowie zwei Ölgemälde wurden als „NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut“ identifiziert.

Jetzt konnte in einem ersten Schritt für das Bild „Ostsee (Schiffe am Strand)“ von Karl Schmidt-Rottluff eine Lösung gefunden werden. Mit Jörg Benario wurde einer der rechtmäßigen Erben des Ölgemäldes ausfindig gemacht. Das Bild wurde zurückgegeben und dank der finanziellen Unterstützung der Kulturstiftung der Länder, des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft NRW, der Ernst-von-Siemens-Stiftung sowie der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien vom Leopold-Hoesch-Museum gekauft. Für welche Summe, wurde nicht genau beziffert. Dem Vernehmen nach soll es sich aber um einen hohen sechsstelligen Betrag handeln. Die Stadt Düren hat sich mit einem kleinen Eigenanteil an der Finanzierung beteiligt.

„Das Bild“, erklärte Dürens Bürgermeister Paul Larue (CDU), „ist der Familie Benario auf verbrecherische Art und Weise weggenommen worden. Dieses Unrecht können wir nicht wieder gutmachen, aber wir können die Verantwortung dafür übernehmen.“ Das Projekt „Unsere Werte? Provenienzforschung im Dialog“ hatte Renate Goldmann, bis Ende 2017 Museumsleiterin in Düren, vor sechs Jahren initiiert. „Es war uns wichtig, proaktiv mit dem Thema Raubkunst umzugehen, weil wir uns für die Enteignungen kulturellen Erbes verantwortlich fühlen“, sagte Larue.

Warum Provenienzforschung so eine langwierige Angelegenheit ist – auch im Fall des Schmidt-Rottluff-Gemäldes hat es mehrere Jahre gedauert, bis die rechtmäßigen Erben ausfindig gemacht und der Wert des Bildes ermittelt werden konnte – erklärt Britta Kaiser-Schuster, Dezernentin für Kunst des 20. Jahrhunderts bei der Kulturstiftung der Länder mit Sitz in Berlin: „Auch im Fall des Bildes aus dem Dürener Museum war die Quellenlage schwierig, der Fall sehr verwickelt. Um für alle Beteiligten eine faire und gerechte Lösung zu finden, muss man versuchen, möglichst jede Lücke in der Geschichte des betreffenden Bildes zu finden. Das kann etliche Jahre dauern.“ Gleichwohl, ergänzte sie, sei das Verhalten der Stadt Düren als vorbildlich zu bewerten. „Düren hat sich sehr früh seiner historischen Verantwortung gestellt. Dass Museen proaktiv tätig werden, ist längst keine Selbstverständlichkeit.“

Artinger betonte, dass es für eine erfolgreiche Lösung wie bei dem Gemälde von Schmidt-Rottluff Zeit, Geduld, Ausdauer und eben manchmal auch Glück brauchen würde. „Der Kunstsammler Hugo Benario war vollkommen in Vergessenheit geraten. Es war ein glücklicher Zufall, dass wir seine Erben ausfindig machen konnten.“

Benario, ein Berliner Kaufmann, der mit Seidenstoffen handelte, hatte „Ostsee“ in seiner umfangreichen Sammlung. Als sich Anfang der 30er Jahre die wirtschaftliche Situation der Familie in Folge von Repressalien der Nationalsozialisten deutlich verschlechterte, bot Hugo Benario das Bild „Ostsee“ dem Kunsthaus Zürich zum Verkauf an. „Er hat nicht nur einen Brief nach Zürich geschickt, sondern auch ein Schwarz-Weiß-Foto des Gemäldes. Es war also eindeutig, dass Benario Eigentümer des Bildes war“, erklärte Artinger.

Auch Jörg Benario, der die Erben Hugo Benarios vertritt, dankte Düren und dem Leopold-Hoesch-Museum. „Die Geschichte dieses Bildes war tief im Gedächtnis unserer Familie vergraben. Wir sind froh über die faire Einigung mit der Stadt Düren und darüber, dass das Bild nicht in einem Tresor verschwindet, sondern für die Öffentlichkeit zugänglich bleibt.“ Wichtig war der Familie zudem, dass die Herkunft des Bildes den Besuchern des Hoesch-Museums in einem Vermittlungstext erklärt wird.

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