Historischer Annamarkt lockt 30.000 Menschen nach Düren

Historischer Annamarkt : Als Kaiser Karl V. in Düren war

Im Augenblick ist Felix Lutterbach auf der Suche nach Seilen. Und zwar nach solchen, die stabil sind, trotzdem alt aussehen, und möglichst preisgünstig sind. Lutterbach ist 17 Jahre alt und macht bei der Stadt Düren eine zweijährige Ausbildung zum Verwaltungswirt im Mittleren Dienst.

Er hat schon im Personal- und Sozialamt gearbeitet, seit Mai ist er in der Pressestelle bei Helmut Göddertz aktiv. Der ist gleichzeitig auch Vorsitzender der „Arbeitsgemeinschaft Dürener Historienfeste“ und damit für die Organisation des Dürener Annamarktes zuständig, der am kommenden Wochenende bereits zum sechsten Mal stattfindet.

„Für so eine riesige Veranstaltung“, sagt Helmut Göddertz, „braucht man eigentlich ein großes Organisationsteam. Das haben wir nicht, um so mehr freue ich mich, dass Felix Lutterbach und Jennifer Rayh, die sonst im Bürgerbüro arbeitet, mich unterstützen.“

Der Annamarkt hat 2001 zum ersten Mal stattgefunden – genau 500 Jahre nachdem Steinmetz Leonhard das Annahaupt von Mainz nach Düren gebracht hatte und die Stadt zu einem bedeutenden Wallfahrtsort wurde. „Ich interessiere mich schon für Geschichte“, sagt Lutterbach. „Die Stadtgeschichte war bisher aber nie wirklich ein Thema für mich. Und obwohl ich ja Dürener bin, hatte ich auch vorher nie etwas vom Annamarkt gehört. Wie das passieren konnte, weiß ich selbst nicht.“

Mittlerweile ist Lutterbach aber total im Thema und weiß viel über Düren und die mittelalterliche Geschichte der Stadt. Zum Beispiel, dass im 16. Jahrhundert nicht nur einfache Pilger in die Stadt gekommen sind, sondern auch hohe geistliche und weltliche Persönlichkeiten. Zahlreiche Bischöfe, Erzbischöfe, Grafen und Herzöge besuchten den Wallfahrtsort. 1517 erschien Kaiser Maximilian I. Auch der berühmte Maler Albrecht Dürer und Kaiser Karl V. waren in der Rurstadt. „Beim Annamarkt“, ergänzt Göddertz, „geht es aber vor allem auch um Dürener Persönlichkeiten und deren Geschichte.“

Als Beispiele nennt der Stadtsprecher Agathe Nijsffs, die 1510 wegen Zauberei verbrannt wurde und Düren seinen ersten großen Hexenprozess bescherte, oder Hildebrand von Weworden, der 1505 Pfarrer von St. Anna war. Wie immer ist es Göddertz und seinem Team gelungen, auch Kindergartengruppen und Schulen zur Teilnahme am Annamarkt zu bewegen. Mit von der Partie sind unter anderem die Kita „City Kids“ und das Stifitsche Gymnasium mit seiner Lateinklasse und der Stadtmauer-AG.

Grundsätzlich waren die Vorbereitungen für den Markt in diesem Jahr schwierig, jedenfalls deutlich komplizierter als sonst. „Normalerweise“, erklärt Göddertz, „findet der Annamarkt alle drei Jahre statt. Weil aber im vergangenen Jahr der Umbau des Kaiserplatzes beginnen sollte, haben wir uns entschlossen, den Markt auf Juni 2019 zu verschieben. Dann sollte im Juni 2019 die Hauptzeit der Bauarbeiten sein und wir sind auf den jetzigen Termin Ende August gewechselt.“ Und der ist denkbar ungünstig. Bekanntermaßen haben gerade erst die Baumaßnahmen am Kaiserplatz begonnen, für den Annamarkt muss alles wieder so hergerichtet werden, dass der Kaiserplatz für die Bühne und den großen Umzug genutzt werden kann. Göddertz: „Weil der Termin unmittelbar nach den Ferien liegt, konnten nicht so viele Schule mitmachen, wie wir uns das gewünscht hätten. Und auch einige Gruppen, die für ein historisches Flair sorgen sollten, haben ihre Teilnahme wieder abgesagt.“

„Noch mittendrin“

Normalerweise, ergänzt Göddertz, sei zwei Wochen vor dem Annamarkt die komplette Organisation abgeschlossen. „Dieses Jahr stecken wir noch mittendrin.“

Schön ist, dass wieder viele Dürener ihre Teilnahme beim Annamarkt zugesagt haben, und es viele ehrenamtliche Helfer gibt. Mittlerweile hat die „Arbeitsgemeinschaft Dürener Historienfeste“ beispielsweise einen großen Fundus von mehr als 300 mittelalterlichen Kostümen, die meisten sind selbst genäht. „Authentizität ist uns sehr wichtig“, sagt Felix Lutterbach. „Es soll alles möglichst historisch passend sein. Deswegen nehmen wir ja beispielsweise auch kein rot-weißes Flatterband, um bestimmte Bereiche abzusperren, sondern die Seile, nach denen ich gerade suche.“

Offizielle Veranstalterin des Annamarktes, zu dem wieder rund 30.000 Besucher erwartet werden, ist die Stadt Düren. Die komplette Abwicklung – auch die finanzielle – übernimmt der Verein. „Der Annamarkt“, sagt Helmut Göddertz, „kostet mehrere Zehntausend Euro. Ohne Sponsoren wäre das nicht zu stemmen.“ Darüber hinaus wünschen sich Göddertz und seine Mitstreiter mehr Vereine, die bei der „Arbeitsgemeinschaft Dürener Historienfeste“ mitmachen. Göddertz: „In diesem Jahr sind zum ersten Mal zwei Karnevalsgesellschaften mit von der Partie. Wir hoffen, dass sich da noch mehr Unterstützung von Seiten der Vereine findet.“

Und Felix Lutterbach? Der ist von seiner Arbeit für den Dürener Annamarkt so begeistert, dass er selbst schon Mitglied der Arbeitsgemeinschaft geworden ist. „Als ich mich um einen Ausbildungsplatz bei der Stadt Düren beworben habe, habe ich nicht mit so einer spannenden Aufgabe gerechnet. Es ist toll zu sehen, wie so eine große Veranstaltung wächst. Ich bin gespannt, wie das Ergebnis aussehen wird.“

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