Düren: Hilfsangebot, wenn das Lebenssystem kippt

Düren: Hilfsangebot, wenn das Lebenssystem kippt

Wer erinnert sich nicht an den Satz von Teresa Enke, den sie nach dem Suizid ihres Ehemannes, des damaligen Torhüters der Fußballnationalmannschaft Robert Enke sprach: „Wir dachten, mit Liebe geht das.“ Ein denkwürdiges Interview, nach dem wahrscheinlich einer großen Öffentlichkeit erst einmal bewusst wurde, was es heißt, mit einem psychisch kranken Menschen zu leben.

Die Öffentlichkeit wurde konfrontiert mit dem Gefühl, nicht helfen zu können, ausgeliefert zu sein, was wiederum zu Schuldgefühlen bei Angehörigen, Depressionen, Sucht oder Angststörungen erkrankter Menschen führte. „Was mache ich, wenn die Last zu groß wird?“

Hilfe bietet „Die Kette“ an, ein Verein zur Förderung seelisch kranker und behinderter Menschen. Aber nicht nur um Erkrankte kümmert sich „Die Kette“ mit ihrer Beratungsstelle an der Zehnthofstraße 10 in Düren, sondern auch um die Angehörigen.

Rat und Verständnis

Birgit Dangel von der Beratungsstelle weiß aus Erfahrung, dass Angehörige psychisch Kranker oftmals nicht wissen, an wen sie sich wenden können, wenn die Belastung zu groß wird. „Um nicht selber krank zu werden, benötigen aber auch Angehörige Rat, Hilfe und Verständnis“, berichtet die Diplom-Sozialpädagogin.

Doch, wer hilft und wo? Im Psychoseminar Düren, einem Forum zum Austausch zwischen Betroffenen, Angehörigen, Fachleuten und Interessierten entdeckte man, so Gerd Keutgen, der Sprecher der Selbsthilfegruppe psychisch Kranker, einen „weißen Fleck“ und handelte. Eine Arbeitsgruppe bildete sich und erarbeitete einen Flyer, in dem Einrichtungen beschrieben sind, die Angehörigen eine Unterstützung sein können. Einige der Anlaufstellen in Stadt und Kreis werden vorgestellt, die prädestiniert sind, Angehörigen Wege aufzuzeigen, die zur Verbesserung der Situation beitragen.

Ein Ziel sei, formulierte es Dr. Mechthild Pauels vom Gesundheitsamt für den Kreis Düren (Sozialpsychiatrischer Dienst), Angehörigen psychisch Erkrankter Mut zu machen, sich an diese Anlaufstellen zu wenden. Dort könnten weitere Hilfe für die Angehörigen ermittelt werden, praktische Beratungen, entlastende Gespräche sowie Verhaltensnormen aufgestellt werden, wie beispielsweise Suchtkranken, Betroffene an sich selbst oder am Problem arbeiten können.

Orientierung bräuchten Angehörige, wenn das bisherige „Lebenssystem kippe“, die Einsicht an den negativen Veränderungen käme, die dann oft genug zu erheblichen Irritationen bei Partnern oder in der Familie führten. Alle Gespräche, wurde ausdrücklich betont, seien kostenfrei und unterlägen der Schweigepflicht.

Mit beteiligt am Entwurf des Fyers war Thomas Hax-Schoppenhorst von der LVR-Klinik, die auch den Druck ermöglichte und mit ihrer Institutsambulanz wichtiger Ansprechpartner sein kann.

(han)