Düren: Hilfe für Verbraucher ist heute nötiger denn je

Düren: Hilfe für Verbraucher ist heute nötiger denn je

Geht es nach dem Landrat, so wird die Telekommunikationsbranche demnächst kräftig zur Kasse gebeten.

Bei einem kleinen Fest in den Räumen der Verbraucherzentale in Düren meinte Wolfgang Spelthahn: Die Telefonfirmen „sollen sich endlich an der Finanzierung der Verbraucherarbeit beteiligen, weil sie diese Verbraucherarbeit erst notwendig machen”. Und: „Für das, was sie anrichten, sollen sie auch zahlen.”

Da war dem Landrat der Beifall der Festgesellschaft sicher. Man hatte sich zusammengefunden, um „30 Jahre Verbraucherzentrale in Düren” zu feiern. Dabei kamen auch die Sorgen und Nöte der Menschen zur Sprache, mit denen sie sich an die Zentrale wenden.

Derzeit müsse sie auf Kosten des Steuerzahlers „das Beschwerde-Management für die Telekommunikations-Unternehmen machen”, betonte die Leiterin der Einrichtung am Markt, Hildegard Dapper. Sie hatte eigens zwei Damen eingeladen, die mit Unternehmen in einen zermürbenden Kleinkrieg geraten waren. Die eine wollte den Stromanbieter wechseln und scheiterte, die andere wollte via Vodafone ins Internet und bekam nichts geregelt.

Dass das Versagen auf Seiten der Firmen lag, wurde schlagartig klar: Wohl jeder der rund 60 Anwesenden war schon in ähnliche Schwierigkeiten geraten. Bürgermeister Paul Larue berichtete auch gleich von seinem eigenen „Fall”, einem unbeabsichtigten Einkauf im Internet. Man war sich einig: Die Branche investiere Millionen in Werbung, aber nicht genug in Kundenservice.

Die vier Hauptarbeitsfelder nannte gleich zu Beginn Klaus Müller vom Vorstand der Verbraucherzentrale NRW: digitaler Bereich, Energiemarkt, Gesundheitsmarkt und Finanzmarkt. Und: Menschen schämen sich, wenn sie reingelegt und überrumpelt wurden. Wegen der Scham wehren sie sich nicht. Die Scham sei sogar „ein entscheidender Erfolgsfaktor”, wusste Dapper und berichtete von einem Fall, wo einer Ratsuchenden im Laufe von mehreren Monaten 1300 Euro abgebucht wurden, nur weil sie einem Werber am Telefon ihre Kontonummer verraten hatte.

„Kein Einzelfall”, so Dapper immer wieder. Vom Handel mit Daten, von Rechnungen, die kein Mensch versteht, Telefonnummern, die ins Nirgendwo einer Bandschleife führen und von einer Liberalisierung der Märkte, die sich die Politiker seinerzeit anders vorgestellt hatten war noch die Rede.

Larue überreichte Präsente und nutzte die Gelegenheit für Komplimente, die die Verbraucherzentrale Düren zu ihrem 30-Jährigen auch verdient hat.

Mehr von Aachener Nachrichten