Düren: Hilfe für Kinder von suchtkranken Eltern

Düren: Hilfe für Kinder von suchtkranken Eltern

„Trampolin — Hilfen für Kinder suchtkranker Eltern“ nennt sich ein Präventionskonzept, das unter anderem von der Katholischen Hochschule in NRW (Köln) entwickelt wurde und mittlerweile bundesweit zum Einsatz kommt. Auch im Kreis Düren findet es eine große Resonanz.

Wenn jemand psychisch erkrankt oder zum Beispiel von Alkohol abhängig ist, leidet mit ihm das gesamte Umfeld, im Besonderen die Familie. Höchst problematisch wird es, sind auch Kinder betroffen. Sie kommen emotional zu kurz, empfinden Schuldgefühle, haben Angstzustände, Schlafstörungen oder depressive Verstimmungen.

Stress bewältigen lernen

Kinder alkoholabhängiger Eltern weisen ein deutlich erhöhtes Risiko in Bezug auf eine spätere Verhaltens- und Erlebensstörung bzw. eine eigene Suchtkarriere auf. Einer solchen Negativentwicklung muss man jedoch nicht tatenlos gegenüberstehen.

Beim „Trampolin“-Projekt erlernen Kinder in von ausgebildeten Kräften geleiteten Kleingruppen Stressbewältigungsstrategien, erfahren von Möglichkeiten der Reduzierung von psychischen Belastungen und werden angespornt, ihren Selbstwert zu steigern. Die bisherigen Untersuchungen zu diesem Programm ergaben vielversprechende Erfolge — die Kinder gingen gestärkt durch das Angebot in ihren Alltag.

Dr. Antje Niederersteberg, Chefärztin der Abteilung für die Behandlung von Abhängigkeitserkrankungen an der LVR-Klinik Düren, konnte seit geraumer Zeit gute Erfahrungen mit dem „Trampolin“-Projekt sammeln.

Konzept erweitert

Schon an ihrem vorherigen Arbeitsplatz in Duiburg war sie daran beteiligt. Nun erweiterte sie das Konzept um die Anwendungsmöglichkeit auf Kinder psychisch Kranker im Allgemeinen und ließ einige ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für den Einsatz des Präventionsmoduls ausbilden. Zugleich lud sie Interessierte aus Einrichtungen der psychosozialen Versorgung mit ein, sich dem Vorhaben anzuschließen.

Im Sommer 2013 schulte Prof. Michael Klein von der Kölner Hochschule gleich 27 Kräfte. Nun geht man nach und nach zur Anwendung des erworbenen Wissens über. Sei es nun die Kinder- und Jugendpsychiatrie des St. Marien-Hospitals Düren, die Beratungsstelle der Evangelischen Gemeinde, der Sozialdienst katholischer Frauen, das Gesundheitsamt des Kreises oder das Sozialwerk Dürener Christen — diese und andere sind mit im Boot und stützen damit die kreisweit zahlreichen Hilfsangebote für Kinder psychisch kranker Eltern.

Mittlerweile gibt es auch schon die ersten verbindlichen Anmeldungen, so dass in den neuen Räumen des Hauses 11 auf dem Gelände der LVR-Klinik die Treffen stattfinden können. Sozialarbeiterin Birgit Schürgers, Gesundheits- und Krankenpflegerin Antje Weber sowie Ergotherapeut Matthias Albrecht leiten und begleiten die Gruppen.

„Hand und Fuß“

Alle an dem Projekt Beteiligten sind zuversichtlich, auf diese Weise die in Bedrängnis geratenen Kinder nachhaltig stärken zu können. Im Bedarfsfall kann auch eine Beratung oder Behandlung durch die Kinder- und Jugendpsychiatrie am St. Marien Hospital Birkesdorf eingeleitet werden.

Dr. Bodo Müller, Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie Düren, brachte es bei einem Treffen in der Klinik auf den Punkt: „Es hat nicht lange gebraucht, mich für das Konzept zu begeistern. Es hat Hand und Fuß!“

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