Düren: Hiesige Produkte sind der Hit

Düren: Hiesige Produkte sind der Hit

Karsten Milz steht vor Bergen von köstlichem Eissalat, den er geerntet hat und nicht mehr los wird. Der Gemüsebauer aus Krauthausen gehört zu denen, die in der hiesigen Region vom neuesten Lebensmittelskandal hart getroffen sind.

Er schätzt seine Verluste auf 8000 Euro pro Tag, schließlich hat er 30 Erntehelfer aus Rumänien und Polen eingestellt. Die haben zwar jetzt kaum etwas zu tun, müssen jedoch bezahlt werden.

Aber nicht nur die Gemüsebauern in der Region, auch Gastwirte, Mensachefs und die Händler auf dem Dürener Markt spüren die Verunsicherung, die die Menschen wegen der Darmseuche EHEC gepackt hat. Dabei, so Karsten Milz, liefert er seine Salate an die Genossenschaft, und die habe nach diversen Laborproben festgestellt, dass der Erreger in dem Gemüse aus Krauthausen jedenfalls nicht drin ist.

Reaktionen hat auch Rolf Thiel, Chef des Hotel- und Gaststättenverbandes erlebt. In seinem Restaurant wollen die Gäste weder Gurken noch Tomaten gereicht bekommen, „selbst mit Salat tun sich einige schwer”. Als Verbandschef hat Thiel die Kollegen per Rundschreiben darüber informiert, dass wegen der EHEC-Erreger alle Hygienevorschriften in verschärfter Form gelten. Im Restaurant werden unterdessen Sellerie, Rote Beete, Mais und Bohnen aus der Dose aufgetischt.

Gar nicht so schlimm wie vermutet trifft es die Gemüsebauern auf dem Dürener Markt. Am Stand von Hintzen verkauft die Chefin so viele Gurken, Salate und Tomaten wie immer, „zu Preisen wie immer”.

Es sei eben alles aus eigener Ernte, freut sich Helene Hintzen, und die Kunden hätten Vertrauen. Ein Restaurant allerdings, an das früher jede Woche 100 Gurken geliefert wurden, „will plötzlich keine einzige Gurke mehr”.

Produkte aus der Region sind gefragt

Auch am Stand vom Obst- und Gemüsehof Karl Langen herrscht Hochbetrieb. „Die Kunden möchten unsere Eigen-Produkte haben, das kommt uns jetzt zugute”. Im Hofladen habe man derzeit so viel zu tun wie selten. Mittels Flugblättern haben die Langens schon vor Tagen die Kunden informiert. Tenor: Rheinisches Gemüse ist unbedenklich.

Discounter wie Rewe und Edeka hat es härter getroffen. Wolfgang Lewandowski nennt den Ausfall „total”. Er habe schon Gurken vernichten müssen und „das Regal ist jetzt leer”.

Dr. Gabriele Heuser vom Gesundheitsamt des Kreises Düren hat bereits vorige Woche ein Schreiben an alle Altenheime, Schulen und Kindertagesstätten verfasst. Darin wird indirekt zum Verzicht auf Gurken, Tomaten und Salaten aufgefordert. „Nicht roh verzehren” bedeutet ja wohl „meiden”.

An diese Vorgaben halten sich alle. Und das sei auch sinnvoll, wie im Wirteltor-Gymnasium der stellvertretende Schulleiter und Biologielehrer Rüdiger Paulun betont. „Die Warnung ist unbedingt ernst zu nehmen, EHEC ist wirklich gefährlich.” In der Mensa der Schule komme keine Rohkost mehr auf den Tisch. Desgleichen beispielsweise in der Heinrich-Böll-Gesamtschule, wo der Chef der Mensa, Dieter Nolden, seit vergangenen Mittwoch den Speiseplan umgestellt hat.

Erich Gussen Vorsitzender der Kreisbauern, vertritt etwa 2000 Betriebe in der Region. „Dramatisch” so Gussen, sei bei einigen der Absatz zurückgegangen. Verunsicherung und Kaufzurückhaltung der Bevölkerung seien groß. Gurken und Tomaten seien dabei gar nicht das Problem, „die werden am Niederrhein angebaut, bei uns weniger”. Massiv betroffen sei Salat. Immerhin eine Ware, die sich nur wenige Tage hält und jetzt schon hier und da einfach untergepflügt werde.

Karsten Milz hat das schon hinter sich. Er hat Salate untergepflügt und weiß nicht, wie lange er finanziell durchhalten kann.

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