Niederzier: Hermann Heuser will wieder Bürgermeister werden

Niederzier: Hermann Heuser will wieder Bürgermeister werden

Der Sechser im Fußball ist für den Spielaufbau zuständig. Gleichzeitig soll er das Offensivspiel des Gegners lesen, behindern und im günstigsten Fall unterbinden können. Hermann Heuser war mal so ein Sechser. Damals, Anfang der 1970er Jahre, als er noch für den BC Oberzier und später für Jülich 1910 spielte. Heute spielt er kein Fußball mehr. Aber für Spieleröffnungen ist er in gewisser Weise immer noch zuständig, beispielsweise wenn er als Bürgermeister die Ratssitzung eröffnet. Oder wenn er als Verwaltungschef Projekte einleitet.

Seit 2008 ist Hermann Heuser Bürgermeister in Niederzier. Das will er bleiben. Am 10. November hat die Gemeinde die Wahl, ihm oder CDU-Herausforderer Peter Frohn den Chefsessel im Rathaus zu bescheren. Notwendig ist die Wahl, weil Heuser vor fünf Jahren außerhalb des Wahlrhythmus‘ gewählt wurde.

Der bisherige Bürgermeister Hartmut Nimmerrichter war im Jahr zuvor gestorben. Seinerzeit nominierte die CDU „aus Pietätsgründen“ keinen Gegenkandidaten. Nun schon. Hermann Heuser gefällt das besser, „weil die Menschen jetzt wirklich eine Wahl haben“. Einerseits.

Andererseits verweist Heuser auf die bisherigen Gepflogenheiten im Rat. Fast alle wichtigen Entscheidungen werden einstimmig getroffen. Es gibt kaum Dissenz zwischen SPD und CDU. Nur bei der Frage, ob das Lehrschwimmbecken in Hambach erhalten werden soll, entzweiten sich die Parteien zuletzt. Die CDU wollte das Bad retten, der Rat entschied sich zur Schließung.

„Man kann die Fakten nicht negieren“, sagt Hermann Heuser. In den nächsten fünf bis sieben Jahren werde Niederzier 25 bis 30 Prozent weniger Schüler haben. 2018, so eine Berechnung aus dem Schulentwicklungsplan, werden es im gesamten Gemeindegebiet noch 98 Erstklässler sein.

2016 wird am Grundschulstandort Hambach-Krauthausen noch mit zwölf Eingangschülern gerechnet. Zu wenig, um ein Lehrschwimmbecken für veranschlagte 700.000 Euro zu sanieren, findet nicht nur die SPD in Niederzier, sondern auch ihr Bürgermeister.

„Wir sollten immer die Balance zwischen dem Wünschenswerten und dem finanziell Machbaren bewahren“, sagt Heuser. Zwar verfügt Niederzier noch über 3,5 Millionen Euro liquide Rücklagen und ist nach wie vor als einzige Kommune schuldenfrei. Doch es ist ein offenes Geheimnis in Niederzier, dass sich die Gewerbesteuereinnahmen rückläufig entwickeln.

Trotz der Herausforderungen durch den demografischen Wandel sollen, wenn es nach Hermann Heuser geht, keine Standards abgebaut werden. Schulschließungen etwa stünden mittelfristig nicht an. Das Defizit in Höhe von 80.000 Euro, das die gemeindeeigene Musikschule jährlich erwirtschaftet, werde die Kommune weiter ausgleichen. „Das lohnt sich“, sagt Bürgermeister Heuser. Und auch das: „Der Feind des Guten ist das Bessere.“

Damit will er diejenigen in die Schranken weisen, die mehr fordern. Heuser verweist darauf, dass sich das Rathauspersonal in den vergangenen zehn Jahren von 54 Beschäftigten auf 41 reduziert habe. Die Verkleinerung des Rates bringe eine jährliche Ersparnis von 20.000 Euro. In der fünf Jahre dauernden Legislaturperiode kommen so 100.000 Euro zusammen.

Wer etwa fordere, im Rathaus oder Bauhof mehr Personal einzustellen, müsse auch sagen, dass dann Steuern erhöht werden müssten. „Wir werden uns aber nicht kaputtsparen“, sagt Heuser und weist auf die seiner Meinung nach „überdurchschnittlich gute Infrastruktur mit Kitas und Schulen hin. Allein in die Gesamtschule werden derzeit 830.000 Euro unter anderem für den Bau eines Lernzentrums investiert, 2,5 Millionen flossen in den U3-Ausbau der sechs Kindertagesstätten.

Angesichts des Strukturwandels in der Tagebauregion fordert Heuser eine Abkehr von jeglichem Kirchturmdenken. „Kommunen müssen zusammenarbeiten können“, sagt er und nennt interkommunale Gewerbegebiete, wie sie Niederzier und Düren betreiben (Rurbenden/Talbenden).

Auch wenn der Containerbahnhof bei Arnoldsweiler für die Stadt Düren vom Tisch ist: Für Hermann Heuser lohnt es sich weiter, in der Region bei einem geeigneten Standort darüber nachzudenken. 100 Hektar Gewerbefläche wären nötig, sagt er. Interkommunale Zusammenarbeit kann sich Heuser auch in den Verwaltungen vorstellen. Nicht jedes Rathaus brauche beispielsweise ein eigenes Steuer- oder Personalamt.

Mag sein, dass der Niederzierer Bürgermeister damit eine Diskussion anstoßen oder eröffnen will. So wie der Sechser im Fußball den Spielzug einleitet. Ob seine Pässe weiter ankommen, entscheidet, wenn man so will, der Wähler am 10. November.

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