Herbert Schmidt: Kreative Ideen für den Karneval

Sorge um Zukunft des Dürener Karnevals : „Gesellschaften planen an Bedürfnissen vorbei“

Dr. Herbert Schmidt ist besorgt um die Zukunft des Dürener Karnevals. Und dabei denkt der frühere Sparkassenvorstand und Präsident der „Närrischen Norddürener“ nicht an seine eigene Gesellschaft, sondern an die Vielfalt des Brauchtums in der Stadt insgesamt. Die „Närrrischen“ können nicht klagen. Mit ihren Veranstaltungen – vom Karnevalistischen Konzert in Kooperation mit der Cappella Villa Duria zum Sessionsauftakt am Elften im Elften über die „Närrische Akademie“ bis zur Papiermacherordenverleihung im Rahmen der Kostümsitzung – haben sie Nischen besetzt und werden vom Publikum angenommen.

Die „Närrrischen“ können nicht klagen. Mit ihren Veranstaltungen – vom Karnevalistischen Konzert in Kooperation mit der Cappella Villa Duria zum Sessionsauftakt am Elften im Elften über die „Närrische Akademie“ bis zur Papiermacherordenverleihung im Rahmen der Kostümsitzung – haben sie Nischen besetzt und werden vom Publikum angenommen.

Doch von diesem Zuspruch können andere nur träumen, eine ganze Reihe von Gesellschaften ist in den vergangenen Jahren bereits von der Bildfläche verschwunden: die Birkesdorfer „Ackerjonge“ zum Beispiel, der „Stieve Hoot“ und die „Löstige Kings“ in Merken und die „Fidelen Eisenbahner“, um nur einige zu nennen, bemerkt Schmidt. „Gesellschaften, die alle ihre eigenen Akzente gesetzt haben. Und ich befürchte, dass sich dieser Trend noch fortsetzen wird.“

Warum? Weil viele Gesellschaften an den Bedürfnissen des Publikums vorbeiplanen, glaubt Schmidt. „Der Wurm muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler“, betont der 65-Jährige, wobei jeder mal darüber nachdenken sollte, „wer Fisch und wer Angler ist“. Schmidt nennt ein Beispiel: „Vor dem Start der ‚Närrischen Akademie’ haben wir die Situation genau analysiert und festgestellt, dass es neben dem Partykarneval weitere Facetten geben muss, Veranstaltungen, auf denen die Besucher zuhören und dann auch mal die alten Lieder mitsingen können.“ Zudem hätten viele den Wunsch nach einer Tagesveranstaltung geäußert, weil sie nicht mehr spät in der Nacht nach Hause gehen wollen.

„Mir ist aber besonders wichtig, dass der Karneval wieder einen gesellschaftlichen Stellenwert bekommt, dass es zum Beispiel wieder ein Muss wird, zur Prinzenproklamation zu gehen.“ Dass der Karneval das leisten kann, haben die Norddürener mit der Einführung des Papiermacherordens an bundesweit bekannte Persönlichkeiten bewiesen. Die Verleihung an Starkoch Johann Lafer war nicht nur ausverkauft, auch Industrielle und Politiker verfolgten die Sitzung. Schmidt ist nicht nur überzeugt, dass viele Besucher lieber 30 Euro für eine Sitzung ausgeben, auf der sie sich wohlfühlen als 20 Euro für eine, auf der sie sich langweilen. Beispiel Prinzenproklamation: mit einem überlangen Einzug des Prinzenpaares und einer Sitzungspause, die nur eingebaut werde, um Geld zu sparen. Dies aber sei der falsche Weg.

Dass ein besseres Programm auch etwas kostet, ist Schmidt durchaus bewusst. „Handlungsmaxime aber darf nicht sein, sofort zu sagen, was nicht geht.“ Im Gegenteil: Man müsse kreative Ideen entwickeln, wie zum Beispiel die Verlosung eines Sportwagens mit 50 Losen zu je tausend Euro, erinnert sich Schmidt an seine Amtszeit als Festkomitee-Vize. „Oder warum geht man zum Beispiel nicht einfach vor dem Karnevalszug mit Sammeldosen rund?“, fragt sich der gebürtige Würselener. Bei den dortigen Jungenspielen (Maibrauchtum) würde dies bestens funktionieren. Mit einem guten Produkt und einer guten Marketingstrategie bekomme man jede Veranstaltung gefüllt, ist der Karnevalist überzeugt.

Aus eigener Erfahrung – die „Närrischen Norddürener“ kooperieren seit langem mit den „Kruuschberger Funken“ – weiß Schmidt, dass eine Zusammenarbeit erfolgversprechend sein kann. Trotzdem haben auch die Norddürener mit 180 Mitgliedern so ihre Sorgen, zum Beispiel beim Wagen- und Bühnenbau. „Da fehlen auch uns engagierte Handwerker“, räumt der Präsident ein.

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