Düren: Herbert Knebels Affentheater im Haus der Stadt

Düren : Herbert Knebels Affentheater im Haus der Stadt

Herbert Knebel samt Affentheater einmal ganz anders! Die Zuschauer im voll besetzten Haus der Stadt erlebten statt — wie von den Herren aus dem Ruhrgebiet gewohnt — eines Comedyabends ein Rock- und Popkonzert.

Das Programm „Rocken bis qualmt“ umfasste bekannte Songs des Genres, überwiegend aus den Sechziger- und Siebzigerjahren.

Szenarien aus dem Pott

Die Musiker legten sie auf den Seziertisch und bewiesen sich bei der textlichen Umdichtung auf Szenarien aus dem Pott als wahre „Ruhrgebeatler“. Und so wurde Deep Purples „Smoke on the Water“ umgewandelt in „Rauch ausse Wohnung“.

„Highway to Hell“ von AC/DC entwickelte sich mit „Auf‘m Heimweg zu schnell“ zu einer unschönen Begegnung des Herrn Knebel mit der örtlichen Verkehrspolizei. In seiner Version geht die von den Kinks besungene Lola „ran wie en Mann“.

Das tut sie im englischen Originaltext übrigens auch, nur eben dort für die meisten deutschen Zuhörer weniger bildhaft als bei Herberts Ausflug in die Disco und einem anschließenden Fast-One-Night-Stand mit Lola, die sich als Lothar entpuppt. Nah am Original auch der auf den Gitarristen Ozzy Ostermann getextete „Ozzy Cool“, der von Boney M.‘s „Daddy Cool“ ausgeliehen wurde.

Sehr schön gelang auch Herbert Knebels Auftritt als Elvis Presley. Stilecht präsentierte er sich im weißen Glitzeranzug, den er allerdings als seinen ehemaligen Konfirmationsanzug vorstellte. Das anschließend vorgetragene „Suspicious Minds“ des „Kings of Rock‘n‘Roll“ beließ er im Original, was den Eindruck, dass es sich bei Uwe Lyko alias Herbert Knebel um einen mehr als passablen Sänger handelt, noch verstärkte.

Engagierte Soli

Überhaupt überzeugten die Musiker des Affentheaters mit ihren engagierten Einsätzen und Soli an Gitarre, Bass-Gitarre und Schlagzeug. Unterstützung erhielten sie an Posaune und Trompete von Henjek und Stenjek, der Bläsersektion der „Familie Popolski“, jener Comedyband also, die sich ebenfalls bestens auf das Covern berühmter Songs der Musikgeschichte versteht.

Ganz konnte Herbert das Geschichtenerzählen selbstverständlich nicht lassen. Glücklicherweise! Denn sonst hätten die Zuschauer nie erfahren, dass Bob Dylans Song „Blowing in the Wind“ eigentlich aus Knebels Feder stammt. Er habe seinen Freund Bob in den Sechzigern bei einem Ferienzeltlager der Arbeiterwohlfahrt im Sauerland kennengelernt. Dort habe er den Song geschrieben — nach dem gemeinsamen Verzehr einer Erbsensuppe. Das „Komm“-Zentrum präsentierte zum großen Vergnügen der Gäste im Haus der Stadt eine rundum gelungene Show, die mit Standing Ovation belohnt wurde.

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