„Sensationelle“ Drillingsgeburt und ein Todesfall auf Hausener Weide

Drama auf dem Bauernhof : Eine „sensationelle“ Drillingsgeburt und ein Todesfall

Karl-Heinz Adam wollte in dieser Nacht gerade sein Fernglas einpacken und nach Hause gehen. Aus sicherer Entfernung hatte der Landwirt aus dem Heimbacher Ortsteil Hausen beobachtet, dass seine Kuh „Else“ (Rasse Blond Aquitaine) zwei Kälber zur Welt gebracht hat.

„Zwillinge gibt es schon ’mal“, sagt der Senior auf dem Biozuchtbetrieb „Gut Kleehof“. Dann aber wurde er auf seinen Hofhund aufmerksam, der mit dem Züchter schon zweieinhalb Stunden die Geburt verfolgt hatte. Der sah weiter gebannt zu „Else“. „Da kommt noch eins, das gibt’s doch nicht“, dachte Karl-Heinz Adam, „das ist eine Sensation.“ Denn Drillingsgeburten kommen bei Rindern wirklich nur sehr, sehr selten vor, vor allem, wenn niemand mit Hormonbehandlungen nachgeholfen hat. Doch genau so war es. Die Mutter musste sich noch einmal quälen, da stand die Tochter neben zwei Brüdern. Leider währte „Elses“ komplettes Mutterglück nur wenige Stunden.

Der Landwirt eilte zu früher Stunde zurück nach Hause, um seiner Frau und seinem Sohn Dennis, der den Betrieb führt, die fast historische Kunde zu überbringen. „Eine Drillingsgeburt hat von uns noch keiner erlebt. Und auch keiner, den wir kennen“, sagt der heutige Hof-Chef (37). Sein Vater hat mit Kennerblick gleich gesehen, dass die Kälber für eine Mehrlingsgeburt ziemlich stark wirkten.

Später stellte sich heraus, dass der Nachwuchs 43, 43 und 40 Kilogramm schwer war. Morgens um 5 Uhr fand er aber keine Ruhe und kehrte zur Weide mit dem Geländenamen „In der Donnerkutsch“ zurück. Von weitem schon sah er, dass etwas nicht stimmte. Eines der neugeborenen Kälber lag 20 Meter entfernt von seiner Familie.

Vor Ort stellte er fest, dass es wohl einem Räuber zum Opfer gefallen sein muss. Fraßspuren und Blutlachen waren aus Karl-Heinz Adams Sicht eindeutig. Einen Verdächtigten hatte er auch schon: Vielleicht war es der Eifel-Wolf?

Die Adams haben darüber häufiger in jüngster Zeit gesprochen, denn als intensive Beobachter der Natur haben sie ihrerseits Indizien für das Vorkommen eines Wolfs gefunden. „Unser Vieh verhält sich manchmal so, wie wir das nicht kennen“, erklärt der Senior plötzliche Fluchten und merkwürdige Rufe der Tiere. „Wir betreiben seit 1973 Mutterkuhhaltung“, und für ihn steht fest: „Da ist was im Busch.“ Also wurde der Wolfsberater für den Bereich Heimbach eingeschaltet, der auf Wunsch der Landwirte DNA-Proben nahm.

DNA-Auswertung liegt vor

Deren Auswertung liegt seit Donnerstagabend vor. Das vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) beauftragte Labor hat keinen Hinweis auf „den Eifel-Wolf“ (behördliche Kennung „GW926m“) gefunden. Auf der Lanuv-Internetseite für Nutztierrisse ist zu lesen: „Neugeborenes Drillingskalb, Todesursache unklar, kein Hinweis auf Beutegreifer, postmortaler Tierfraß“. Soll heißen: Das Kalb ist in den Stunden nach der Geburt gestorben. Am Kadaver haben sich andere Tiere bedient.

Die beiden Landwirte aus Hausen haben da aber ihre Zweifel. Sie denken, dass Wölfe von Behörden- oder Lobbyvertretern geschützt werden, um keine Hysterie oder gar Antipathie zu erzeugen. Ihre Argumente: Ein Fuchs zum Beispiel könne ein Kalb nicht 20 Meter weit ziehen. Einen streunenden großen Hund halten sie für ausgeschlossen („Den würde man auch über Tag mal sehen“).

Und sie haben von Wolfssichtungen aus vertrauenswürdigem Mund zum Beispiel an der Kreisstraße 48 bei Nideggen-Berg an der Ostseite der Buntsandsteinfelsen oder in Nideggen-Schmidt gehört. Für den Bereich rund um Monschau ist der Nachweis ja erbracht. Und ein Wolfsrevier ist groß. Dennoch: Von amtlicher Seite ist der Fall mit dem DNA-Analyeergebnis abgeschlossen. Der Verdacht auf Wolfsriss ist als „Falschmeldung“ eingestuft.

Kilometerlange Elektrozäune?

Die Adams – und nicht nur sie in der Rureifel – bleiben aber wachsam. Nicht, dass sie etwas gegen Wölfe hätten, aber ihr Vieh wollen sie natürlich bestmöglich schützen. Ist es da nicht ein Vorteil, dass die Eifel zum Wolfsgebiet erklärt worden ist und Halter gerissener Tiere entschädigt werden? Nach Informationen von Familie Adam gilt das nicht für alle Tierhalter, sondern nur für die von Schafen und Ziegen.

Der Kauf von Elektrozäunen hingegen würde auch bei ihrem Betrieb gefördert – theoretisch. Denn der Topf ist gedeckelt, die Menge beziehungsweise Länge ebenfalls. Und finanzielle Hilfe gibt es für den Kauf, nicht für die Errichtung. „Die muss man erst mal bauen. Wissen Sie, wie viele Zäune wir hier haben? Das sind Kilometer“, sagt Dennis Adam. „Gut Kleehof“ erstreckt sich über viele Hektar auf den Höhen und Tälern der Rureifel.

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