Eugene Mursky in der Kunstakademie Heimbach

Klavierabend : Gelungene Premiere von „Eifel Musicale“

Der fulminante Klavierabend mit Eugene Mursky in der Internationalen Kunstakademie Heimbach hätte zahlenmäßig ganz gewiss eine etwas größere Zuhörerschaft verdient gehabt.

Freilich war es in gewisser Weise Neuland, dass das erstmals durchgeführte Musik-Festival „Eifel Musicale“ mit dieser ersten Veranstaltung in Heimbach betrat. Der Pianist und Kulturorganisator Florian Koltun aus Monschau hatte sich zuvor mit dem langjährig bewährten Zyklus „Montjoie Musicale“ bereits einen Namen gemacht. Nun weitet er seinen Aktionsradius auf die ganze Nordeifel aus. Neben Monschau sind Steinfeld, Gemünd, Schleiden und eben Heimbach weitere Standorte der mit über 20 Konzerten sich bis Anfang Juni erstreckenden Festspielzeit.

Mit dem Klavierabend am Mittwoch in der Heimbacher Kunstakademie unterhalb der Burg setzte er nun ein markantes Zeichen. Mit dem aus Usbekistan stammenden Pianisten Eugene Mursky konnte ein ausgewiesener Kenner der Musik von Frédéric Chopin gewonnen werden. Das Programm des Abends gab einen eindrucksvollen Querschnitt durch das Schaffen dieses bedeutenden romantischen Komponisten. Florian Koltun gab dazu einige erläuternde Anmerkungen, die aus der intimen Kenntnis dieser Werke von Seiten eines Pianistenkollegen besonders wertvoll waren.

Aber die Musik sprach natürlich durchaus auch für sich selbst. Das geistige und seelische Profil des sensiblen, aus Polen gebürtigen, später in Frankreich lebenden Klaviervirtuosen Chopin wurde aus der sorgfältig ausgewählten Programmfolge überaus deutlich. Die Musikepoche, die Chopin mitprägte, wird mit einem durchaus missverständlichen Begriff „Romantik“ genannt.

Dass es dabei im Grunde darum geht, eine subjektiv-persönliche Befindlichkeit in dem objektiven Medium der Musik zu spiegeln und zu bewahren, lässt sich sehr gut an der von Chopin gleichsam erfundenen musikalischen Gattung der „Ballade“ ablesen. Diese eigentlich literarische Form – ein erzählendes Gedicht – wird von Chopin umgewandelt in eine musikalische Erzählung, die auch unabhängig von konkreten Bezügen so etwas wie die Bewegtheit des Lebens selber schildert. In genau diesem Sinne stand die erste der Balladen von Chopin, g-moll, op. 23, im Mittelpunkt des ersten Teils des Programms. Aber auch die Beispiele der anderen, ebenfalls von Chopin zumindest miterfundenen Gattungen, wie Polonaisen, Mazurken, oder Nocturnes, bezeugten diese Grundintuition des Komponisten.

Dass mit Eugene Mursky einer der besten Kenner dieser Musik am Flügel saß, spürte man jederzeit. Vielleicht war die Massivität des Klangs bei dem relativ kleinen Konzertsaal in der Akademie an einigen Stellen manchmal etwas zu dominant, so dass man als Zuhörer öfter auf die berühmten intimen und beinahe einschmeichelnden lyrischen Phrasen der jeweiligen Stücke gleichsam wartete. Aber es wurde letztlich doch deutlich, daß es in all diesen unterschiedlichen Facetten und Klangfarben um das umfassende Seelenbild nicht nur des Künstlers Chopin, sondern der ganzen, von ihm geprägten Epoche geht. In diesem Sinne ging durch den ganzen Abend eine durchgehend einheitliche Linie, die zu einer Art Gesamtkunstwerk wurde.

Zurecht wies Florian Koltun darauf hin, daß Chopins Werke überwiegend in den Pariser Salons seiner Zeit aufgeführt wurden, bei denen es neben der Musik um Literarisches und Künstlerisches überhaupt ging. Auch in dieser Hinsicht war der Ort des Konzerts in der Heimbacher Kunstakademie genau richtig.

„Eifel Musicale“ wird am 7. April mit einem weiteren Konzert wieder in der Akademie in Heimbach Station machen.

(js)
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