Heimbach: Lesung mit dem Eifel-Autor Ralf Kramp

Lesung : Ralf Kramp trifft Nerv des Publikums

Den „Eifeler an und für sich“ immer im Blick: Ralf Kramp sorgt bei seiner Lesung in Heimbach für jede Menge Lacher und gute Stimmung.

Für viele Menschen ist es ein Vergnügen, Texte von Ralf Kramp zu lesen, zum Beispiel Gedichtetes in verschiedenen Reimformen, Anekdoten und Kurzgeschichten. Doch Kramps Texte steigern sich in ihrer Wertigkeit noch einmal, wenn er selbst hinter dem Pult sitzt und liest. Im Heimbacher „Kulturtreff 69“ hatte der Geschichtenerfinder und -erzähler ein Heimspiel. Viele Leute kannten ihn schon von früheren Veranstaltungen. Die Folge war eine familiäre Atmosphäre.Der Inhaber des „Kulturtreffs 69“, Karl-Heinz Augustynak, beschrieb das Tun des Hillesheimers auf der Bühne mit den Worten: „Ralf Kramp hat – wie immer – den Nerv des Publikums getroffen.“„In meinem Tee (Kramp kränkelte etwas, Anm. d. Red..) ist kein Rum“, kam er ins Gespräch mit den Leuten aus dem Publikum, die etwas anderes vermutet hatten, „denn das hier wird eine Lesung, keine Lallung.“

Scheinbar spontan

Der Aufbau einer Kramp-Lesung lebt von der Verschiedenheit. Scheinbar spontan trägt er das Gedicht „Die Kraniche ziehen“ vor, waren doch Stunden vorher Hunderte dieser Vögel über Heimbach gen Süden gezogen. Kramp versucht, eine Trauermiene aufzusetzen, kommt von dem beeindruckenden Schwarm der Zugvögel auf das „Picknick im Herbst“, um in romantisierender Manier die Tiere anzusprechen. Die Fleischstückchen, die er an die Marder und die anderen Fleischfresser verfüttert, stammen natürlich – wie sollte es anders sein – von der Schwiegermutter.

Oder die Geschichte, in der Ehefrau Marion verzweifelt versucht ihren Karl-Heinz loszuwerden. Stuckateur Karl-Heinz giert nach allem, was aus Gips, nach allem, was aus Stuck geformt ist. Marions Körper begehrt Karl-Heinz nicht mehr. Ein Auftragskiller, der athletische Italiener Maurizio, wird für 80.000 Euro angeheuert, Karl-Heinz aus der Welt zu schaffen. Alle Versuche Maurizios schlagen fehl. Karl-Heinz, seine Frau Marion und Maurizio wohnen im selben Hotel. Nächtens schleicht sich Karl-Heinz aus seinem Ehegemach, um eine Etage tiefer einen Riss in der Decke zu reparieren. Derweil trifft Marion den Italiener in dessen Zimmer, die Begierden wachsen und müssen gestillt werden. Das Unglück naht. Marion und Maurizio lieben sich so heftig, dass Karl-Heinz in der Etage darunter von der Leiter fällt und stirbt.

Der Autor schlüpfte in jede Rolle mit passender Stimme, ohne zu übertreiben. Gesten und Mimik stimmten, ohne aufgesetzt zu wirken. Ab und zu schwappten aus dem Publikum Lacher oder Bemerkungen zum Pult. Nicht selten ließ Kramp den Text dann Text sein und kam mit seinen Zuschauern ins Gespräch.

Den Eifeler im Blick

In nahezu allen Geschichten hat der Schriftsteller den „Eifeler an und für sich“ im Auge. Da erscheinen Nacktwanderer im Wald. Protagonist Leguan schämt sich, er will sowas nicht, muss er doch die Leiche seiner Frau im Auto entsorgen.

Kramps Personenbeschreibungen sind immer begleitet von detaillierten Einzelheiten, die Natur wirkt unberührt, ein Eichhörnchen gerät – trotz seiner vielen Läuse – zum süßen Traumobjekt. Metaphern werden zu filmhaften Bildausschnitten. Drei ältere Damen werden beschrieben, wie sie mit Sport und Beckenbodengymnastik ein gutes Leben führen und zum Schluss sogar einen aggressiven Muskelmann verprügeln.

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