Haus 5 in Düren: Vom Bewahrungshaus zum gefragten Film-Set

Haus 5 in Düren : Vom Bewahrungshaus zur gefragten Filmkulisse

Götz George war schon da, Veronica Ferres und Mario Adorf auch, Heino Ferch hat schon in Düren gedreht. Und auch die Tatort-Duos Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär oder Axel Prahl und Jan-Josef Liefers haben in Haus 5 vor der Kamera gestanden, das Team von „Cobra 11“ war schon mehrfach dort. Und jetzt rollt der Tross der Erfolgsserie „Babylon Berlin“ in Richtung Düren, um in Haus 5 auf dem Gelände der LVR-Klinik an der Meckerstraße unter anderem mit Statisten aus Düren und Umgebung zu drehen.

Das ehemalige „Bewahrungshaus“, auch ein Ort der Dokumentation vergangener Psychiatriearbeit, hat sich immer mehr zu einem beliebten Drehort entwickelt – für kleine Produktionen und große Namen. Fragen und Antworten zum Thema.

Was ist Haus 5?

Im Jahr 1900 wurde Haus 5 auf dem Gelände der Rheinischen Kliniken als Bewahrungshaus für psychisch kranke Straftäter in Düren eingerichtet, die dort mit heute nicht mehr nachvollziehbaren Methoden therapiert wurden. Während der NS-Zeit war Haus 5 benutzt worden, um Regimekritiker, Kommunisten und Homosexuelle wegzusperren und später in Konzentrationslager zu deportieren. Heute ist es ein Haus für Ausstellungen, Veranstaltungen und die Auseinandersetzung mit Vergangenheit und Zukunft der Psychiatrie.

...und Heino Ferch vom Tatort Münster. Foto: ZVA/Sarah Maria Berners

Wer darf in Düren drehen?

Nicht jeder. Olaf Mehl und Thomas Hax-Schoppenhorst von der LVR-Klinik schauen sich genau an, was in den Wänden von Haus 5 passieren soll. Dabei gibt es keine festen Kriterien, die etwa ausschließen, dass im historischen Bewahrungshaus keine Komödie gedreht werden dürfte. Aber es geht um Fingerspitzengefühl. Eine Produktion müsse in das historische Haus passen. „Wir dürfen die Drehbücher meistens nicht komplett einsehen“, erklärt Olaf Mehl. Aber die Firmen würden teilweise schon sehr detaillierte Einblicke geben. In die Entscheidungen für oder gegen eine Produktion spielt auch mit hinein, wie viel von Haus 5 in einem bestimmten Kontext zu erkennen ist.

Wie finden Produktionen wie „Tatort“ oder „Babylon Berlin“ das historische Haus auf dem LVR-Gelände überhaupt?

Es gibt sogenannte „Location-Scouts“, also Drehort-Kundschafter, deren Aufgabe es ist, sich für eine Filmproduktion auf die Suche nach geeigneten Drehorten und Hintergrundmotiven zu machen. Diese Fachleute haben eben auch die LVR-Klinik in ihrer Datenbank, seit etwa zehn Jahren wird in Düren gedreht, in den vergangenen Jahren ist die Nachfrage angezogen. „Wir sind mittlerweile in der Branche ziemlich bekannt und haben dort auch einen guten Ruf als kooperative Einrichtung“, sagt Thomas Hax-Schoppenhorst. „Unsere Haustechnik ist oftmals gefragt, wenn es etwa um die Strom- und Wasserversorgung geht.“

Thomas Hax-Schoppenhorst und Olaf Mehl erklären, wie Filmteams den Dürener Drehort finden. Foto: LVR Klinik

Wie funktionieren Dreharbeiten im laufenden Klinikbetrieb?

Da die Dreharbeiten sich auf Haus 5 konzentrieren, ist auf dem Rest des Geländes davon nicht unbedingt etwas zu spüren. „Wenn in Haus 5 gedreht wird, müssen wir aber manchmal Parkplätze für unsere Mitarbeiter sperren, wir freuen uns, dass diese das dann mittragen“, erklärt Olaf Mehl. Im Gegenzug können Mitarbeiter und Patienten manchmal einen Blick auf bekannte Gesichter aus dem Fernsehen werfen oder sogar ein Autogramm abstauben und ein ihnen bekanntes Haus im Fernsehen sehen. Ganz großes Glück ist es, wenn Mitarbeiter und Patienten am Catering-Truck ein kurzes Gespräch mit den Schauspielern führen können. Das von einer hohen Mauer umgebene Haus bietet aber zeitgleich vor allem deswegen gute Voraussetzungen, weil die Dreharbeiten dahinter abgeschottet stattfinden können.

Was macht Haus 5 so interessant?

Wer schon einmal dort war, weiß: Gründe, in Haus 5 zu drehen, gibt es genug: Da sind zum Beispiel die faszinierende Architektur und die alte Bausubstanz, die das Gebäude für alle Filme interessant machen, die zwischen 1900 und 1930 spielen. Da sind aber auch die Gitter und Zellen des ehemaligen Bewahrungshauses. „Wichtig ist es uns aber bei Einbindung der Zellen als Motiv, dass nicht die Klischees vergangener Psychiatriearbeit vermittelt werden“, betont Mehl.

Vor den Dreharbeiten in Haus 5 wird genau abgeklärt, was im Denkmal erlaubt ist. Foto: ZVA/Sarah Maria Berners

Wie passen Filmdrehs und Denkmalschutz zusammen?

„Im Vorfeld von Dreharbeiten müssen wir sehr viele Aspekte vertraglich regeln“, erklärt Olaf Mehl. Dazu gehörten auch Details wie: Dürfen bestimmte Türknöpfe ausgewechselt werden? Darf die Infotafel abgebaut werden? Ist es erlaubt, einen Heizkörper abzudecken oder Steckdosen zu entfernen? „Wichtig ist, dass alles, was hier passiert, reversibel sein muss. Es muss also wieder rückgängig gemacht werden können“, betont Mehl. An erster Stelle stehe der Erhalt des denkmalgeschützten Gebäudes. Durchbrüche zwischen Zimmern etwa seien verboten, auch das Bohren von Löchern ist streng reglementiert. „Ein kleines Loch klingt nicht nach einem Problem“, erklärt Mehl. „Aber wenn jede Produktion irgendwo bohren würde, dann würde die Substanz des Hauses leiden.“ Auch beim Anstrich von Wänden gibt es klare Regeln: In den Zimmern, in denen noch die historische Wandfarbe das Bild bestimmt, ist kein Anstrich erlaubt. Dort, wo es erlaubt ist, müssen bestimmte Farben verwendet werden, die sich anschließend leicht wieder überstreichen lassen: „Sonst hätten wir ja immense Farbdicken auf den Wänden“, erklärt Mehl.

Wie ist der organisatorische Ablauf?

Monate vor den Dreharbeiten gibt es die ersten Begehungstermine, bei denen die Rahmenbedingungen genau abgeklärt werden. Produktionsfirmen können ihre Wünsche äußern, Olaf Mehl sagt dann, was möglich ist. „An erster Stelle steht das Haus“, lautet das klare Motto. Vor Drehbeginn wird genau dokumentiert, welche Veränderungen zugelassen sind – und wenn der Filmtross abgereist ist, gibt es einen Kontrollrundgang. Sollte etwas kaputt gegangen sein, müssen die Verursacher das wieder in Ordnung bringen lassen.

Auch Mario Adorf... Foto: Olaf Mehl

Warum bietet die LVR-Klinik das Haus für Dreharbeiten an?

„Mit Berichten über die Dreharbeiten und das historische Gebäude wird auch Interesse an dem Gebäude und seiner Vergangenheit geweckt“, sagt Thomas Hax-Schoppenhorst. Und auch bei den Filmleuten werde bei den Dreharbeiten ernstes Interesse geweckt. Manche befassten sich sogar sehr detailliert mit der Geschichte des Hauses. Und somit sind die Dreharbeiten auch Teil der Öffentlichkeitsarbeit der LVR-Klinik. Denn die Klinik möchte die Entwicklungen in der Psychiatrie erläutern, psychische Erkrankungen erklären und über Behandlungsmöglichkeiten informieren, um so Akzeptanz zu fördern. Bei den Dreharbeiten zu „Eleanor & Colette“, einer Filmbiografie der unter chronischer paranoider Schizophrenie leidenden Eleanor Riese (gespielt von Helena Bonham Carter), die sich mit der Patientenrechtsanwältin Colette Hughes (Hilary Swank) zusammenschließt, um ein Mitspracherecht bei der Medikation von Patienten mit psychischen Krankheiten durchzusetzen, hat der Pflegedirektor der Klinik den Regisseur sogar beraten.

Was bezahlen die Firmen?

Die LVR-Klinik erhält von den Produktionsfirmen eine Miete für den Drehort. Über deren Höhe gibt es keine öffentlichen Aussagen. Die sogenannte „Set-Miete“ kommt Haus 5 zugute. Denn der Unterhalt des denkmalgeschützten Gebäudes kostet viel Geld. Zudem kann mit den eingenommenen Mitteln das Haus auch abseits von Drehzeiten bespielt werden – mit einer Dokumentation zur Psychiatriegeschichte, mit wechselnden Ausstellungen und Lesungen.

...sowie die Serie Cobra 11 haben schon an der Meckerstraße gedreht. Foto: LVR Klinik
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