Düren: „Hau den Lukas“ ist auf der Annakirmes der Männlickeitstester

Düren : „Hau den Lukas“ ist auf der Annakirmes der Männlickeitstester

Timo Marx nimmt Anlauf. Mit aller Kraft reißt er den schweren Hammer nach oben und versucht den kleinen Knopf zu treffen. Marx (23) ist von Beruf Kraftfahrer und möchte seiner Freundin Sarah Petschke am „Hau den Lukas“ auf dem Kirmesplatz beweisen, dass er „Supermann“ ist.

„Supermann“ ist das Beste, was „Mann“ (Frau aber auch) beim „Hau den Lukas“ erreichen kann, für „Supermänner“ gibt es eine Flasche Sekt. Wer weniger erfolgreich mit dem Hammer umgehen kann, darf sich Schlappschwanz, Traumtänzer, Beamter und Sportsmann nennen. Immerhin.

Eine Annakirmes ohne „Hau den Lukas“ ist undenkbar. Gerade in Zeiten, wo der Rummel immer höher und schneller werden muss, um attraktiv zu bleiben, ist der „Hau den Lukas“ ähnlich wie Zuckerwatte und Geisterbahn ein Stück Kirmes-Nostalgie. Aber was reizt die Kirmes-Besucher so sehr am „Lukas“? Unsere Zeitung hat das Schaustellergeschäft an einem gut besuchten Kirmesabend in dieser Woche eine Zeitlang beobachtet.

Günstig ist das Kräftemessen nicht. Drei Schläge kosten vier Euro, aber die meisten, die an diesem Abend ihre Kraft unter Beweis stellen möchten, kommen mit drei Schlägen bei weitem nicht aus. „Man gewinnt nur“, sagt Will Paul aus Merzenich, „wenn man dreimal bis ganz nach oben kommt. Und das ist echt nicht so einfach. Ich habe heute schon 24 Euro hier gelassen — und immer noch nicht gewonnen.“

Auch Marx hat es nur einmal bis zum „Supermann“ geschafft, seine Freundin ist trotzdem zufrieden, und er bekommt ein Küsschen. „Für uns gehört der ‚Hau den Lukas‘ zu jeder Kirmesrunde dazu“, sagt Sarah Petschke. „Das ist eigentlich immer unser erster Anlaufpunkt auf dem Platz. Wir machen das aus Jux und Dollerei, mehr ist das nicht.“

Männliches Imponiergehabe

Es sind an diesem Abend fast nur Gruppen mit Männern, die sich gegenseitig beweisen wollen, wie stark sie sind. Nur hin und wieder bitten Frauen ihre Männer, ihr Glück auch einmal zu probieren. Dass der Hammer Pause hat, kommt so gut wie gar nicht vor.

Thomas Hax-Schoppenhorst, pädagogischer Mitarbeiter der LVR-Klinik und Autor zahlreicher Sachbücher, erklärt das Phänomen kurz und knapp: „Affenmännchen trommeln sich auf die Brust, der Homo sapiens haut den Lukas. Imponiergehabe ist der männlichen Natur eigen.“

Hax-Schoppenhorst ist ein Mann, er darf so sprechen. Und er setzt sogar noch einen drauf: „Es wird Männern immer noch von klein auf in die Wiege gelegt, dass sie stark sein müssen. Im Grunde sollte das längst überholt sein, aber das Bild vom brüllenden Löwen hält sich hartnäckig und wird ja auch in der Öffentlichkeit sehr gepflegt.“

Nur zum Traumtänzer

Mittlerweile stehen sieben Jungs einer Maigesellschaft vor dem „Hau den Lukas“ und diskutieren, wer als erster draufhauen soll. „Ich muss mir das erst einmal angucken“, sagt Dirk Schneider (19). „Ich habe das noch nie gemacht. Und ich habe keine Lust, dass ihr mich den ganzen Abend verarscht.“ Die anderen Jungs lachen, Frank Wergen (20) greift schließlich zum Hammer — und schafft es mit Ach und Krach bis zum „Traumtänzer“.

„Ich geb‘ eine Runde, wenn ihr die Klappe haltet“,versucht er seine Freunde zu bestechen, die laut grölen, aber die winken ab. Kein Zweifel, der Traumtänzer wird Thema des kompletten Rummel-Rundgangs sein. „Kirmes ist in erster Linie Spaß und Spiel“, sagt Hax-Schoppenhorst.„Ich glaube, dass sich der Gesichtsverlust bei denen, die es nur bis zum ‚Traumtänzer‘ oder ‚Beamten‘ schaffen, sehr in Grenzen hält.“

Vielleicht hält er sich bei Frank Wegen und seinen Freunden aber auch deswegen in Grenzen, weil keiner der durchaus kräftig aussehenden jungen Männer an diesem Abend über den „Beamten“ hinauskommt. „Ich glaube“, sagt Stephan Weber, „ich würde mein Glück am ‚Hau den Lukas‘ nicht probieren, wenn meine Freundin dabei ist. Obwohl die das ziemlich gut fände. Aber vor ihr wollte ich es schon bis ganz oben schaffen. Bei den Jungs ist das nicht so schlimm. Bei uns gilt nämlich: Was auf der Annakirmes passiert, bleibt auch auf der Annakirmes.“

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