Kreis Düren: Hambach: „Initiative Friedensplan“ fordert „Aussetzen der Rodung“

Kreis Düren : Hambach: „Initiative Friedensplan“ fordert „Aussetzen der Rodung“

„Wir konnten keinen einzigen Baum retten. Es ist uns aber gelungen, die Themen Braunkohletagebau und Hambacher Forst in die Mitte der Gesellschaft zu holen. Und das ist ein großer Erfolg.“ Waldpädagoge Michael Zobel, der regelmäßig öffentliche Führungen durch den Hambacher Forst anbietet, gehört zu den Menschen, die vor ziemlich genau einem Jahr die „Initiative Friedensplan“ gegründet haben.

Ein breites Bündnis aus Vertretern der beiden christlichen Kirchen, Parteien, Umweltorganisationen, Bürgerinitiativen und engagierten Einzelpersonen hat am 22. März 2016 das Positionspapier „Voraussetzungen für einen Friedensplan für den Hambacher Forst im Rheinischen Revier“ verabschiedet. Eine entsprechende Online-Petition zur Rettung des Hambacher Forstes haben mittlerweile über 28.000 Menschen unterzeichnet.

Mitglieder der Initiative haben gestern im Kreishaus Bilanz ihrer Arbeit gezogen. Foto: kin

Von den großen Zielen, die die „Initiative Friedensplan“ erreichen wollte, hat sie bisher keins umgesetzt. Das Bündnis hatte unter anderem von RWE gefordert, die alte Autobahn 4 „als rote Linie“ nicht zu überschreiten und die Rodungsarbeiten am Hambacher Forst in der Saison 2016/17 komplett einzustellen. Stattdessen hat RWE in den vergangenen Wochen weitere 70 Hektar des Hambacher Forstes gerodet — aus Sicht der „Initiative Friedensplan“ völlig unnötig. „Mittlerweile“, so Michael Zobel, „stehen von den anfänglich knapp 7000 Hektar Wald nur noch etwa zehn Prozent.“

Über Kreisgrenzen hinweg

Gleichwohl zieht das Bündnis nach einem Jahr eine durchweg positive Bilanz. Antje Grothus, Sprecherin der Initiative: „Es ist uns gelungen, ein konfessionsübergreifendes und überparteiliches Bündnis über die Kreisgrenzen hinweg zu schaffen und den Braunkohlewiderstand um wichtige Facetten zu bereichern.“ Insbesondere die vielen Gespräche, die die Bündnismitglieder zudem mit den Braunkohlegegnern im Hambacher Forst und der Polizei geführt hätten, hätten zu einer Deeskalation geführt. Grothus: „Ja, es gab auch in diesem Jahr Straftaten im Hambacher Forst, aber es sind deutlich weniger als im Januar und Februar 2016.“

Die sechs Gespräche, die die Friedensinitiative seit September mit Vertretern von RWE, unter anderem mit dem Hambacher Tagebauchef Thomas Körber, geführt hat, sind indes ohne konkretes Ergebnis geblieben. Gerhard Kern hatte für das Bündnis die Gespräche mit RWE vorbereitet. Er sagt: „Wir haben unsere Standpunkte ausgetauscht, aber am Ende keine Position gefunden, die eine gemeinsame Erklärung gerechtfertigt hätte.“ Für ihn seien die Auseinandersetzungen um die Braunkohle Ausdruck eines gesellschaftlichen Konfliktes. „Der lässt sich nicht mit Gesprächen zwischen unserem Bündnis und dem Energiekonzern lösen.“

Es ist den Mitgliedern der Friedensinitiative wichtig zu betonen, dass sie gegen Straftaten und Gewalt jeglicher Art sind. „Gewalt“, sagt Antje Grothus, „lenkt von unserem eigentlichen Anliegen, nämlich dem Stopp des Braunkohleabbaus, ab.“ Die Initiative setzt auf Argumente: Die Mehrheit der Deutschen sei längst gegen den Braunkohleabbau, sagt BUND-Kreisvorsitzender Walter Jordans. „Die Preise an den Strombörsen sinken“, sagt Jordans.

„RWE steht wirtschaftlich nicht besser da, wenn es an der Braunkohle festhält.“ Die Verantwortlichen der Friedensinitiative hoffen darauf, dass nach den bevorstehenden Landtags- und Bundestagswahlen die Vernunft siegen werde und ein Braunkohle-Ausstiegsgesetz von der Politik verabschiedet werde. „Bis dahin“, sagt Michael Zobel, „kämpfen wir weiter um den Erhalt jeden Baumes.“

Es werden weiterhin regelmäßig Führungen durch den Hambacher Forst, an denen bisher mehr als 7000 Menschen teilgenommen haben, und Aktionen wie die „Rote Linie“ durchgeführt. Außerdem will das Bündnis auch bei der UN-Klimaschutzkonferenz im November in Bonn Präsenz zeigen. Denn eins ist auch klar: Die 2015 auch von Deutschland unterzeichneten Ziele der Pariser UN-Klimaschutzkonferenz können aus Sicht der Initiative nur mit einem schnellen Ausstieg aus dem Braunkohleabbau erreicht werden. Bis dahin will die Friedensinitiative weiter kämpfen. Zobel: „Wir fordern jetzt von RWE eine Aussetzung der Rodung in der Saison 2017/18.“

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