Düren: Hallensportfest: Talentscout kritisiert die Erwartungen der Eltern

Düren: Hallensportfest: Talentscout kritisiert die Erwartungen der Eltern

Es geht um alles. Weiterkommen oder ausscheiden. Die U15 des FC Düren-Niederau steht Sonntag in der Zwischenrunde des 20. Dürener Hallensportfestes der Bundesliga-C-Jugend des VfB Stuttgart gegenüber. Für viele Zuschauer ist das Match bereits vor Anpfiff als „klare Angelegenheit“ entschieden. Lukas Kraus, U15-Trainer des FCN, sieht die Chancen etwas anders verteilt und schwört seine Jungs nach einer Vorrunde — ohne eigenen Sieg — ein.

„Wir müssen die Vorrunde vergessen. Ab jetzt sind es K.o-Spiele, da zählen nur noch die nächsten zwölf Minuten.“ Die Mannschaft betritt das Feld, und plötzlich sieht man einen ganz anderen FCN als noch in den Spielen zuvor, einen FCN, der wie ausgewechselt dem großen VfB Stuttgart die Stirn bietet.

Nach hinten lässt die Mannschaft von Kraus sehr wenig zu, nach vorne bietet sich dem Außenseiter die eine oder andere Möglichkeit, selbst in Führung zu gehen. „Eine klare Ordnung, ein gutes Zweikampfverhalten und eine hohe Laufbereitschaft — da ist es auch für einen Bundesligisten schwer durchzukommen. Schafft man es, seinen Plan zwölf Minuten lang zu verfolgen, kann er aufgehen“, kommentiert Kraus die Leistung seiner Schützlinge.

Auf den Rängen der Arena Kreis Düren saßen natürlich die Eltern und Fans der Niederauer Junioren. Frenetisch wurde jede Aktion bejubelt, die den Dürener Kickern gelang — Entscheidungen des Schiedsrichters gegen den Dürener Klub oder gar misslungene Aktionen der Jungkicker wurden jedoch bestraft mit Zwischenrufen.

Keine Seltenheit im Fußball, wie auch Peter Gänßler, Scout des FSV Mainz 05, auch im Allgemeinen zu berichten weiß: „Das Ergebnis sollte hier eigentlich untergeordnet sein. Man darf die Kinder nicht verrückt machen — sie werden eher Bundeskanzler als Bundesliga-Spieler. Sie werden ja in der Schule bereits wahnsinnig gefordert, da müssen auch die Eltern mehr Verständnis mitbringen und weniger Druck aufbauen.“

Die Zwischenrufe „stören den Ablauf der Kinder“ auf dem Feld, das sei „manchmal ganz traurig“: „Die Kinder haben es verdient, respektvoll behandelt zu werden. Man darf sie nicht zu Stars machen, die sie noch lange nicht sind. Straßenfußballer gibt es in der Form wie früher nicht mehr, das ist sehr schade, weil die Unbeschwertheit weg ist. Kindsein muss beibehalten werden, auch wenn sich das Rad immer früher und immer schneller dreht.“

Das gilt im vergleichsweise beschaulichen Düren genauso wie beim Hamburger SV oder dem FC Bayern München. Einen weiteren kritischen Punkt sieht Peter Gänßler im schlechten Umgang mit der moralischen Instanz auf dem Platz: „Geht man mit den Unparteiischen schlecht um, ist man ein schlechtes Vorbild für die Kinder. Sie neigen später auch dazu, die Schiedsrichter zu beleidigen.“ Eltern seien gefordert, pädagogisch entgegenzuwirken: „Nur die Eltern, die mit ihren Kindern vernünftig umgehen, helfen ihren Kindern dabei, erfolgreich zu sein.“

Beim Dürener Hallensportfest ist Gänßler nun bereits zum zehnten Mal: „Nur einmal konnte ich nicht kommen. Schnee und Eis haben das verhindert. Man muss sich für so ein Turnier bedanken. Es ist ein Sportfest für alle großen Vereine, das wirklich hervorragend in einem professionellen Rahmen organisiert wird. Die Menschen, die so etwas auf die Beine stellen, leisten im Kollektiv sehr viel. Natürlich hat man wie im DFB-PokalSympathien für den Außenseiter.“

Außenseiter war Niederau auch in der Partie gegen Stuttgart. Und tatsächlich zwang man den Bundesligisten in die Verlängerung, machte weiterhin keine Anstalten, sich hinten reinzustellen, sondern konterte einige Male hervorragend, wenngleich der Torerfolg ausblieb. Dass der VfB am Ende mit einem Entlastungsangriff das Golden Goal nach 15:25 Minuten erzielte, wird vom FCN wohl nicht als tragisch betrachtet werden. „Unsere Jungs können auch Fußball spielen, das war ein absoluter Höhepunkt für sie“, erklärte Lukas Kraus, der stolz auf seine Elf war. Zu stark präsentierten sich die umjubelten Junioren, die den Auftritt auf der großen Fußballbühne nicht so schnell vergessen werden.